„Unbreakable“ auf RTL Gehört so viel Promi-Seelenleid in eine Camp-Show?

Zehn Menschen stellen sich den großen Herausforderung bei der neuen RTL-Show „Unbreakable“. Das Foto (aufgenommen am 27. Oktober 2021) zeigt die zehn Teilnehmer. V.l.: Eric Stehfest, Mimi Fiedler, Christian Kahrmann, Monika Sozanska, Hardy Krüger Jr., Ekaterina Leonova, Susi Kentikian, Jasmin Tawil, Marvin Linke, Osan Yaran.

Zehn Menschen stellen sich den großen Herausforderung bei der neuen RTL-Show "Unbreakable". Das Foto (aufgenommen am 27. Oktober 2021) zeigt die zehn Teilnehmer. V.l.: Eric Stehfest, Mimi Fiedler, Christian Kahrmann, Monika Sozanska, Hardy Krüger Jr., Ekaterina Leonova, Susi Kentikian, Jasmin Tawil, Marvin Linke, Osan Yaran.

Promis, die sich aus Hubschraubern stürzen und tränenreich von Traumata berichten: Zehn Stars streben in der RTL-Show „Unbreakable“ unter soldatischem Drill nach Seelenheil. Bleibt nur die Frage, weshalb sie sich dafür vor die TV-Kamera begeben.

Köln. Was TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer zu Beginn der RTL-Show „Unbreakable“ sahen, war reichlich pathetisch. Eine Kolonne von zehn Menschen, allesamt mit Säcken über dem Kopf, stapften in Reih und Glied durch die Pampa - angeführt von einem mürrisch dreinblickenden Soldaten.

Er heißt Markus von Hauff, seines Zeichens Zeitsoldat und Nahkampftrainer, der bedeutungsschwanger ankündigte: „‚Unbreakable‘ ist kein Spiel. Das hier ist das echte Leben.“ Man wolle den zehn prominenten Teilnehmern um Eric Stehfest und Ekaterina Leonova durch die RTL-Show „eine Lehrstunde über sich selbst geben, die tiefer geht als jemals zuvor“, schob eine Stimme aus dem Off hinterher.

Schauspieler Hardy Krüger jr., ebenfalls unter den leidensfähigen Promis, befürchtete bereits zu Beginn der Sendung: „Hier werden wir ordentlich gequält werden.“ Tatsächlich erwartete die zehn Teilnehmer ein rudimentäres Camp mitten im Nirgendwo der kroatischen Berge - ohne Internet, Handy, dafür mit einfachsten sanitären Anlagen. „Fehlt nur noch ein Loch im Boden, und ich bin im Heimatdorf meiner Großeltern“, witzelte Komiker Osan Yaran.

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Christian Kahrmann wegen Corona im Koma

Nach flotten Sprüchen war den zehn Stars aber schon bald nicht mehr zumute. Zunächst machte Chef-Drillmeister von Hauff die Camp-Gäste knallhart mit den armeeähnlichen Regeln vertraut - sollte heißen: Unordnung ist nicht zu dulden, denn: „Sein Bett zu machen, ist ein kleiner Spiegel der Seele, der die innere Ordnung wiedergibt. Wenn es darauf ankommt, kann ich von der Ordnung aus jedes Chaos in meinem Leben besiegen.“

Danach wurde es schnell gefühlig - und die Tränen flossen reichlich. Auch beim Publikum bildete sich ein mächtiger Kloß im Bauch, etwa als der noch immer sichtlich gezeichnete Schauspieler Christian Kahrmann von seiner schweren Corona-Erkrankung berichtete. 17 Tage habe er im Koma gelegen, erzählte er, und er „habe mit dem Tod gerungen“. Nur noch „ein Schatten seiner selbst“ sei er gewesen. Mitbewohnerin Mimi Fiedler berichtete über ihren Schauspielkollegen: „Ich kenne Christian von Vor-Corona. Er ist nicht dieser Mensch gewesen. Er war ein starker Baum, der stand im Leben - und jetzt tut er das nicht mehr.“

„Ich war tot“ – Hardy Krüger jr. verliert Baby

Auch die anderen „Unbreakable“-Teilnehmer haben alle auf ihre Weise ein Päckchen zu tragen. Beim Sitzkreis unter Aufsicht von Psychologin und Life-Coach Nadja Petranovskaja folgte auf Eric Stehfests Bericht seiner „gebrochenen Frau“ nach deren Vergewaltigung unter Einfluss von K.o.-Tropfen Komiker Yaran. „Ich fühle mich als Versager“, räumte er mit brüchiger Stimme ein, als er von der Trennung von seiner Frau berichtete. „Immer, wenn ich meinen Sohn ansah, musste ich weinen“, stammelte er und resümierte: „Digga, das ist zu intensiv.“

Mehr als bewegend waren auch die Einblicke, die Hardy Krüger jr. in sein Inneres zuließ. „Mein Sohn hatte seine Taufe, er war acht Monate alt. In der Nacht vor der Taufe ist er gestorben“, erinnerte er sich an seinen Schicksalsschlag. Anschließend habe Krüger jr. das tragische Ereignis verdrängt, habe sich in Arbeit gestürzt - und den Schmerz in Alkohol ertränkt: „Irgendwann mal lag ich dann in der Notaufnahme und war tot.“ Er wolle sich dank „Unbreakable“ wieder mehr spüren.

„Unbreakable“: Seelenstriptease vor Millionenpublikum

Bei all dem Seelenstriptease und den schonungslosen Einblicken in die tragischen Schicksale kam man als Zusehender allerdings nicht umhin zu fragen: Weshalb kehren die Prominenten ihr Innerstes vor TV-Kameras nach außen? Und inwiefern macht es sie zu neuen Menschen, sich Rambo-gleich aus einem Hubschrauber in einen See zu stürzen oder beim Hindernisparcours Seite an Seite durch den Matsch zu robben?

Eric Stehfest drückte zu Beginn von „Unbreakable“ aus, er wolle sein „Trauma aus dem Körper herausbekommen“. Das mag ihm und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern dank des Camps möglicherweise gelingen - allerdings hätte es wohl auch ohne ein potenzielles Millionenpublikum vor den TV-Geräten funktioniert. So fühlt man sich als Zusehender bisweilen als sensationslüsterner Eindringling in die tiefsten Ängste von Ekaterina Leonova und Co. (tsch)

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