Bei „Markus Lanz“ wurde nach dem Rücktritt von Bärbel Bas nicht nur über den Umgangston in Berlin gestritten, sondern auch über die Wortwahl der SPD. Als Lanz die zugespitzten Reaktionen aus der Parteispitze ansprach, wich SPD-Politiker Wolfgang Schmidt jedoch aus.
„Schwesig und Klingbeil haben da übertrieben?“Frage von Lanz bringt SPD-Politiker in Erklärungsnot
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Bärbel Bas trat am 12. Oktober überraschend von ihren Ämtern als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende zurück, nachdem sie trotz eines familiären Trauerfalls weiter unter politischen Attacken zu leiden hatte.
Die Entscheidung von Bas löste eine breite Debatte darüber aus, wie hart der Ton in Berlin inzwischen geworden ist. Bei „Markus Lanz“ wurde das Thema am Mittwochabend aufgegriffen - vor allem mit Blick darauf, wie die SPD den Rücktritt kommunikativ einordnet und welche Wirkung die aktuelle Wortwahl der SPD im bereits angespannten Koalitionsklima entfaltet.
Lanz stichelt in Richtung SPD-Politiker Wolfgang Schmidt: „Es geht nicht um Schulnoten“
In dem Zusammenhang zeigte sich Lanz irritiert über die „Jägersprache“, die nach dem Rückzug von Bas die Runde machte. Es sei davon die Rede gewesen, Bas sei „waidwund geschossen“ worden.
Für den ZDF-Moderator war das ein Beispiel für die Verrohung der Debatten. „Da gab es viel Kritik. (...) Mag sein, aber das ist Politik, meine Güte“, kommentierte er sichtlich irritiert. SPD-Politiker und Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt stimmte Lanz in Teilen zu, schob aber gleich eine Einschränkung nach: „Trotzdem gehen Menschen damit unterschiedlich um.“ Er räumte jedoch auch ein, dass er „die Reaktion im Anschluss auch nicht immer nur glücklich“ fand.
Lanz witterte eine klare Kritik und hakte nach: „Also Schwesig und Klingbeil haben da übertrieben?“ Schmidt wollte sich darauf nicht festnageln lassen. Er setzte an: „Wenn man nicht mehr dabei ist, hinterher so Schulnoten zu verteilen...“ Doch Lanz bremste ihn sofort aus: „Es geht nicht um Schulnoten! (...) Es geht ja da um etwas Größeres.“
Aus seiner Sicht wirkten die Angriffe nach Bas' Rücktritt wie ein plötzlicher Frontalangriff auf den Koalitionspartner: Es gebe massive „Angriffe auf die Union“, und das ausgerechnet „in einer Situation, in der das Land in einer Verfassung ist, dass der Kanzler selbst sagt: 'Da geht gerade die demokratische Mitte kaputt'“.

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US-Journalist Evan Gershkovich berichtete bei „Markus Lanz“ von seiner Gefangenschaft in Russland. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
Schmidt wirkte daraufhin nachdenklich. Sein Appell fiel entsprechend deutlich aus: „Lasst uns ein bisschen Entspannung wieder in die Veranstaltung bringen. Lasst uns nicht jeden Streit (...) zu so einer Machtfrage und einer Charakterfrage machen.“ Für ihn schien klar: Wenn jede Auseinandersetzung sofort zur Grundsatz- und Vertrauensfrage hochgezogen werde, verschärfe das nur den politischen Stillstand und schade am Ende allen Beteiligten.
US-Journalist Evan Gershkovich: „Man ist einfach völlig überwältigt“
Neben dem innenpolitischen Schlagabtausch ging es bei „Markus Lanz“ auch um Außenpolitik und die Situation politischer Gefangener in Russland. Zu Gast war US-Journalist Evan Gershkovich, der 16 Monate in russischer Haft saß. Gershkovich war am 29. März 2023 in Jekaterinburg wegen angeblicher Spionage festgenommen worden und kam am 1. August 2024 im Zuge eines Gefangenenaustauschs frei.

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Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas wunderte sich der ZDF-Moderator über die Angriffe der SPD-Spitze in Richtung Union. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
Als Lanz nach den Bedingungen hinter Gittern fragte, betonte Gershkovich, dass er nicht gefoltert worden sei - aus einem bestimmten Grund: „Man wird in gutem Zustand gehalten, weil man eben einen gewissen Wert hat.“ Er „habe das Ganze“ daher „wie eine Reportage behandelt“ und „viele Informationen gesammelt“. Lanz fragte schließlich, wie es sich anfühle, nach dieser Erfahrung wieder in Freiheit zu sein.
„Geht das dann einfach so zurück in ein ganz normales Leben?“, wollte der ZDF-Moderator wissen. Gershkovich antwortete nachdenklich: „Man ist einfach völlig überwältigt (...) so als käme man direkt von der ISS zurück.“ Er ergänzte, er sei im Gefängnis „komplett isoliert von den ganzen Sinneseindrücken draußen in der Welt“ gewesen. Das müsse man erst verarbeiten „und macht dann einfach weiter und fügt sich ins normale Leben wieder ein“. (tsch)
