Antisemitismus sei „ein generelles Problem“ der deutschen Gesellschaft, sagt Markus Lanz. Die Vorwürfe gegen die Linkspartei hält der Polittalker nur bedingt für gerechtfertigt, wie er im Podcast „Lanz + Precht“ erklärt.
Lanz kritisiert Antisemitismus-Debatte um Linke„Wahnsinnig viel Heuchelei im Spiel“

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„Antisemitismus ist nicht auf die Linkspartei beschränkt“, sagt Markus Lanz im Podcast „Lanz + Precht“. (Bild: ZDF / Lanz + Precht)
Markus Lanz erinnert sich an „viele antisemitische und auch super israelkritische und -feindliche Äußerungen aus der Linkspartei, was die Basis angeht. Da könnten wir einen halben Abend mit füllen.“ Gleichzeitig gibt der ZDF-Talker im Podcast „Lanz + Precht“ zu bedenken: „Ich kenne von den führenden Köpfen eigentlich immer nur die klare Versicherung: 'Wir sind nicht antisemitisch, wir dulden keinen Antisemitismus.'“
Die Sprache der aktuellen Vorwürfe, die sich vor allem gegen die Berliner Linke richten, sei dem Moderator zufolge indessen „verräterisch“. So beobachte er, dass bei der Kritik häufig die Definition von Antisemitismus „bewusst unklar gelassen“ werde. Wie Lanz „mittlerweile aufgefallen“ sei, werde oft „das Wort 'Israelhasser'“ verwendet. „'Israelhasser' raunt so ein bisschen: Die sind auch antisemitisch, aber es ist ihnen offenbar klar, dass es nicht wirklich um Antisemitismus geht. Sondern es geht um Kritik an Israel.“
Richard David Precht: Antisemitismus darf „nicht politisch als Kampfbegriff“ genutzt werden
Lanz betont: „Antisemitismus ist nicht auf die Linkspartei beschränkt. Antisemitismus ist ein generelles Problem in dieser deutschen Gesellschaft. Da ist auch wahnsinnig viel Heuchelei im Spiel.“ Ein Beispiel hierfür sei, dass unlängst der Gemeinderat der sächsischen Stadt Heidenau nach einem Antrag von AfD, CDU sowie dem Bürgerbündnis BOD ein Verbot für neue Stolpersteine beschlossen habe. „Warum macht man sowas, während man dann auf der anderen Seite dann aber in Richtung der Linkspartei ständig Antisemitismus-Vorwürfe erhebt?“, zeigt sich Lanz vor allem in Bezug auf die Union skeptisch.
„Und das ist der Punkt, Markus“, stimmt Richard David Precht zu. „Es darf doch nicht der Verdacht entstehen, dass die Antisemitismus-Vorwürfe ihren Hauptgrund darin haben, dass die CDU die Macht in Berlin nicht hergeben will!“ Der Autor mahnt: Man könne „so einen ungeheuerlichen, schweren Vorwurf wie Antisemitismus nicht politisch instrumentalisieren“, ohne ihn gleichzeitig „zu entleeren“. Der „sehr ernste Tatbestand von Antisemitismus“ dürfe „nicht politisch als Kampfbegriff“ missbraucht werden, fordert Precht.
Die ganze Episode von „Lanz + Precht“ gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF. (tsch)
