Früher Hooligan im „Tatort“, heute einer der dienstältesten Kommissare der ARD-Reihe: Dietmar Bär, der am 5. Februar 65 wird, kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken.
„Tatort“-Kommissar wird 65So sah Dietmar Bär in seiner ersten Rolle aus

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Nicht nur als „Tatort-Kommissar beliebt: Schauspieler Dietmar Bär feiert am 5. Februar seinen 65. Geburtstag.
Aktualisiert
Seit fast drei Jahrzehnten ist er als Freddy Schenk im Kölner „Tatort“ zu sehen: Gemeinsam mit Klaus J. Behrendt bildet Dietmar Bär nicht nur eines der dienstältesten, sondern auch der beliebtesten Teams der ARD-Krimireihe. Der gebürtige Dortmunder feiert am 5. Februar seinen 65. Geburtstag - an eine „Tatort“-Rente denkt er aber weiterhin nicht: „Solange man uns haben will, wollen wir noch ein bisschen weitermachen“, sagte Bär 2022 im teleschau-Interview.
Auch das positive Feedback ermuntere Behrendt und ihn: „Da sagen mir die Leute dann: ‚Hey, danke, ihr macht diese normalen Filme.‘“ Dass er heute in einer Rolle als verlässlicher und loyaler Polizeibeamter das Publikum begeistert, war zu Beginn seiner Karriere allerdings nicht unbedingt abzusehen.
Fleischer-Sohn wurde Straßenfußballer
1961 als Sohn eines Fleischers in Dortmund geboren, war zumindest die Karriere als BVB-Fan vorhersehbar: „Ich bin in der Nähe des Westfalenstadions zwischen Feuersalamandern und Hornissen aufgewachsen. Leider ließ mich meine Mutter nicht in einen Verein, so wurde ich nur Straßenfußballer“, erinnerte er sich im teleschau-Interview.
Auch politisch engagierte er sich früh, in seiner Jugend wurde er Mitglied der Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend, wie er 2013 bei „Markus Lanz“ erzählte. Zudem entdeckte er bereits in der Schulzeit seine Begeisterung für die Bühne. Er spielte Theater und war Teil der Punkband Planlos durch die 80er. Nach dem Abitur zog er nach Bochum und schloss 1985 seine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule ab.
Noch während seiner Ausbildung stand Bär erstmals vor der Kamera. Im Jugendfilm „Treffer“ (1984) von Regisseur Dominik Graf übernahm er als Motorradverkäufer seine erste Hauptrolle. Kurz darauf folgte ein früher Auftritt im Schimanski-„Tatort“ „Zweierlei Blut“ - allerdings nicht als Ermittler, sondern als Anführer einer Hooligan-Bande des MSV Duisburg. Eine kleinere, aber durchaus aufsehenerregende Rolle, bei der Bär am Ende wortwörtlich die Hosen herunterlassen musste.

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In Dominik Grafs Jugendfilm „Treffer“ (1984) spielte Dietmar Bär (Bild Mitte, mit Maximilian Wigger, links, und Tayfun Bademsoy) seine erste große Rolle.
Spätestens seit Anfang der 90er-Jahre war Bär dann ein gefragter TV-Darsteller, etwa in der Krimireihe „Kommissar Klefisch“ und als „Sportarzt Conny Knipper“. 1997 folgte der Einsteig in den Kölner „Tatort“.
„Tatort“: Behrendt wollte Bär als „Partner auf Augenhöhe“
Nachdem beide in der 90er-Miniserie „Leo und Charlotte“ zusammengearbeitet hatten, schlug Klaus J. Behrendt, der bereits als Kommissar Max Ballauf in Düsseldorf ermittelt hatte war, Bär als seinen Co-Star vor: „Ich wollte einen Partner auf Augenhöhe. Das habe ich dem WDR auch gesagt und Dietmar vorgeschlagen“, erinnerte er sich 2022 im teleschau-Interview.

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Im Schimanski-“Tatort“ „Zweierlei Blut“ (1984) verkörperte BVB-Fan Dietmar Bär (Bild, Mitte) einen MSV-Duisburg-Hooligan.
Bär war nicht nur über den Vorschlag, sondern vor allem davon begeistert, dass Behrendt „komplette Gleichheit“ haben wollte: „Wir bekamen die gleiche Kohle, hatten gleiche Positionen“. Damals alles andere als eine Selbstverständlichkeit, so Bär: „Man kannte noch das alte Prinzip: der Kommissar und der Assistent. Ermittler-Teams befanden sich damals selten auf Augenhöhe, sondern waren ziemlich hierarchisch angelegt. Einer war fast überall der Boss.“

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Seit 1997 ein gut eingspieltetes Paar: Die Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln seit fast 30 Jahren im „Tatort“ Köln.
Das gleichberechtigte Team kam bestens an: Bis heute liefen 94 gemeinsame Fälle, 2000 wurden Bär und Behrendt mit dem Deutschen Fernsehpreis als beste Seriendarsteller ausgezeichnet. Auf die Frage, wie lange die beiden noch als „Tatort“-Ermittler tätig sein könnten, scherzte Bär: „Als Schauspieler hat man immer so einen gewissen Merit-Bonus, man bekommt eine Leistungszulage oder Fristverlängerung. Horst Tappert ist bis 1998 durch Grünwald gestapft. Da war er, glaube ich, Mitte 70.“

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Auch im Kino war Dietmar Bär (Bild, vorne) immer wieder zu sehen, etwa in der Ruhrpott-Komödie „Was nicht passt, wird passend gemacht“ (2002).
Was nicht heißt, dass er nicht immer noch dankbar für die Rolle ist: 2021 sprach Bär in der Talksendung „3nach9“ öffentlich über Existenzängste, die ihn trotz des „Tatort“-Erfolgs begleiten: „Wir haben einen Job im Showbiz, und das kann morgen vorbei“, sagte er und ergänzte, selbst ein langjähriges Engagement ändere daran wenig. Zwar sei der „Tatort“ „ein goldener Arbeitsplatz“, doch bleibe das Bewusstsein, dass diese Stabilität keine Selbstverständlichkeit sei.
Dietmar Bär: Seit 15 Jahren verheiratet
Neben drei „Tatorten“ im Jahr blieb Bär aber auch Zeit für weitere Rollen, etwa in den Kinofilmen „Was nicht passt, wird passend gemacht“ (2002) und „Vorstadtkrokodile 2“ (2010), im Fernsehen war er unter anderem in Episoden von „Löwenzahn“, „Pastewka“ und dem „Traumschiff“ zu sehen.

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Seit 2009 ist Dietmar Bär mit seiner Frau Maren verheiratet.
Neben der Schauspielerei arbeitet er auch als Hörbuch- und Synchronsprecher, unter anderem gemeinsam mit Behrendt in „Alles steht Kopf“ (2015) und „Wickie und die starken Männer: Das magische Schwert“ (2019).
Sein Privatleben hält er weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus: Selbst seine Hochzeit mit seiner langjährigen Partnerin Maren Geißler, die er im April 2009 heiratete, wurde erst Monate später bekannt. (tsch)

