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Susan Link vom „Morgenmagazin“„Ich kenne alle Augenpads dieser Welt“

Moderatorin Susan Link lacht beim Interview-Termin für den Sonntag-EXPRESS am 4. September 2026 in Köln.

Copyright: Alexander Schwaiger

Susan Link (hier im September 2026 in Köln) hat ihrem Leben klare Strukturen gegeben, um den Spagat zwischen Moderatorin, Mutter und Buchautorin hinzubekommen.

Ihr Mittagsschlaf ist ihr heilig und die Familie auch: Wir haben Moderatorin Susan Link zum fröhlichen Gespräch in Köln getroffen.

Schlecht geschlafen? Mit dem falschen Fuß aufgestanden? Wer früh am Tage das „ARD-Morgenmagazin“ einschaltet, bekommt automatisch gute Laune. Das Team ist witzig, allen voran Susan Link (49), mittlerweile mit drei Sendungen DAS Aushängeschild des WDR.

Wie die Kölnerin es schafft, nebenbei auch noch ein Buch über Frauen ihrer Generation X zu schreiben – und wie sie selbst den Spagat zwischen Anpassung und Befreiung meistert, verrät sie im Talk mit dem EXPRESS.

Susan Link über die Erwartungshaltung an Frauen der „Gen X“

Sie werden in diesem Jahr 50. Deshalb das Buch?

Susan Link: Charmanter Einstieg. Das kann gar nicht sein (lacht). Ich glaube, es kommt nicht auf die Zahl an, aber es ist ein Zeitpunkt im Leben, wo man schon vieles geschafft hat, vieles erreicht hat und noch vieles vor sich hat. Und da ist mir aufgefallen, dass gerade über meine Generation, die Generation X, im Vergleich zu den Babyboomern und zu den Millennials wenig gesprochen wurde.

Eine Generation, der alle Türen und Tore offengestanden haben, heißt es. Wie sehen Sie das?

Susan Link: Da war die Erwartungshaltung: Du kannst alles machen. Bedeutet aber auch: Mach was draus! Mach Karriere! Sei eine super Mutter! Am besten siehst du auch noch top aus, wäre ganz gut, wenn du total in shape bleibst und natürlich eine gute Ehefrau. Und dann merkst du zum Beispiel: Nein, geht gar nicht. Ich krieg’ mein Kind nicht betreut. Ich kann gar nicht supertolle Mutter und supererfolgreich im Job sein.

Aber leben Sie nicht genau dieses Ideal vor? Oder hatten Sie auch Ihre Tiefpunkte?

Susan Link: Natürlich gab es solche Momente. Die haben oft etwas mit Schlafmangel zu tun. Das ist jobbedingt so, weil ich in den Tagen, an denen ich das „MoMa“ moderiere, einfach immer müde bin. Es noch weitere Jobs gibt – und das Kind, das zu Recht erwartet, dass man die Hausaufgaben zusammen macht, mit ihm zum Training fährt, dann möchte ich ja auch meine Freunde treffen ... Ich frage mich oft, wie ich das in die volle Woche einsortieren soll. Vor zehn Jahren war ich mal in einer Situation, da habe ich gemerkt, dass ich einfach zu viel in den Tag oder die Woche gepackt habe. Da wusste ich, dass ich mich besser strukturieren muss.

Und, wie geht das?

Susan Link: Ich muss einen Plan für Pausen haben. Meine Familie lacht schon immer, wenn ich schon wieder für acht Monate im Voraus den Urlaub plane. Aber das sind Ziele für mich, Auszeiten, die mir wichtig sind. Oder mein Mittagsschlaf – der ist mir heilig. Fester Termin im Kalender. Und natürlich Sport. Ich stelle mir nicht die Frage, ob ich es schaffe zu joggen, sondern stehe vor dem Hundespaziergang auf, um zu laufen, weil ich es sonst nicht schaffe. Dann bin ich froh, dass ich etwas für mich getan habe. Mag für manche Leute stressig klingen, ist für mich aber eine super Struktur, um auf mich aufzupassen.

04.09.2026 Köln. Interview (SoEx-Talk) mit Moderatorin Susan Link. Foto: Alexander Schwaiger

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04.09.2026 Köln. Interview (SoEx-Talk) mit Moderatorin Susan Link. Foto: Alexander Schwaiger

Wie sieht denn ein typischer Tag aus, wenn Sie „MoMa“ moderieren?

Susan Link: Also, es geht um jede Minute. Manchmal lasse ich mich zum Beispiel erst um 0.51 Uhr wecken, weil das eben drei Minuten mehr Schlafzeit sind als um 0.48 Uhr. Dann schleiche ich mich leise durchs Haus, um keinen zu stören – macht meine Familie ja auch, weil ich früh ins Bett gehe. Alles ist durchgetaktet: Bad, Kaffeebecher füllen, aus dem Haus gehen – und sich fragen, was man um die Zeit hier macht. Dann komme ich beim „MoMa“ an, und es ist einfach herrlich in unserer „Selbsthilfegruppe“. Alle sagen, wie sie geschlafen haben. Klingt bescheuert, aber man freut sich, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist (lacht). Dann bereiten wir die Interviews vor, bei uns gibt es keinen Teleprompter, wir schreiben alles selbst. Nach der Maske sitzt du um 5.30 Uhr für dreieinhalb Stunden auf dem Sofa. Danach gehe ich nach Hause, mache einen kleinen Mittagsschlaf, bevor ein zweiter Tag am selben Tag beginnt. Zwischen 19 und 20 Uhr lege ich mich schlafen.

Wie schaffen Sie es, trotzdem so fit auszusehen?

Susan Link: Ich halte nichts von den Theorien, viel Wasser zu trinken und eine geschälte Weintraube zu essen. Ich kenne alle Augenpads dieser Welt. Aber bringt das was? Man muss eben gut auf sich aufpassen, den Rest macht bei uns die Maske. Und weil wir so ein gut gelauntes Team sind, strahlen wir das wohl auch aus.

Stimmt es, dass Ihre Mutter Kultstatus bei Ihren Kollegen hat?

Susan Link: Ja, absolut. Sie ist jeden Morgen dabei, frühstückt vor dem Fernseher, kommentiert ganz viele Beiträge. Ich werde immer von den Kollegen gefragt: „Was sagt deine Mutter?“ (lacht). Natürlich gibt es auch ein Optik-Feedback, aber nie negativ, sie ist immer bestärkend. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wenn es mal irgendwann nicht mehr so wäre.

Sind Sie ein Mamakind?

Susan Link: Meine Mutter war und ist mein Ein und Alles. Es gab z. B. mal eine Auszeichnung in der Schule für gute Noten, verbunden mit einer dreiwöchigen Reise nach Polen ins Ferienlager. Das war für mich eine Höchststrafe, so lange getrennt zu sein. Ich war immer eher ein schüchternes Kind, noch nie der Mensch, der freudig in einen Raum geht und einfach losplaudert. Klingt sehr unglaubwürdig, wenn man meinen Job macht, aber es bedeutet wirklich Überwindung für mich. Ich brauche auch heute noch meine Komfortzone – wie früher.

Moderatoren des ARD-Morgenmagazin: v.l.n.r. Peter Großmann, Till Nassif, Anna Planken, Susan Link, Sven Lorig und Donald Bäcker

Copyright: WDR/Herby Sachs

Die „ARD-Morgenmagazin“-Crew  (v.l.): Peter Großmann, Till Nassif, Anna Planken, Susan Link, Sven Lorig und Donald Bäcker.

Ihre Mutter hat Sie alleinerziehend im Osten großgezogen. Wie hat das Ihr Frauenbild geprägt?

Susan Link: Ich glaube, in vielerlei Hinsicht. Es war selbstverständlich, dass Frauen arbeiten gehen. Meine Mutter hat mich morgens um sieben in den Kindergarten gebracht, um fünf wieder abgeholt. Im Westen hätte man das vielleicht Rabenmutter genannt, in der DDR war das alternativlos und normal. Du hast dich als Mutter nicht schlecht gefühlt, dein Kind war gut betreut. Ich hatte eine gute Zeit im Kindergarten. Anschließend musste man sehen, dass man in der Kaufhalle noch was zu essen bekam um die Uhrzeit. Zuhause haben wir die Wäsche gemacht oder eingekocht. Hauptsache, man machte etwas zusammen. Wir konnten alles selber machen, bohren, tapezieren. Das hat mich schon geprägt, aber auch das Zurückhaltende. Meine Mutter wäre gerne in den Westen gegangen, doch sie hatte Angst, dass man ihr die Kinder wegnehmen würde, wenn sie einen Ausreiseantrag stellt. Über das System haben wir nur in den eigenen vier Wänden gesprochen.

Apropos „eigene vier Wände“. Die KI hat bei der Recherche für dieses Interview ausgespuckt, dass Sie gern campen ...

Susan Link: Das ist wirklich sehr lustig. Ich hasse Campen. Nichts gegen Camper, das sind meist sehr flexible, gut gelaunte Menschen. Aber ich schlafe sowieso immer schon zu wenig und zu schlecht. Ich gehöre in mein Bett, drumherum gehören Wände und keine Zelte. Ich bin aber kein Wellness-Luxus-Urlauber, ich liebe das Abenteuer, lerne gern Menschen kennen. Was tun liegt mir mehr im Urlaub als Nichts tun.

Kölner Treff: Die Moderatoren Susan Link und Micky Beisenherz

Copyright: WDR/Melanie Grande

Ein eingespieltes Team: Micky Beisenherz und Susan Link moderieren gemeinsam den „Kölner Treff“ seit 2017.

Dürfen Micky Beisenherz und Sie sich eigentlich aussuchen, wen Sie im „Kölner Treff“ interviewen?

Susan Link: Nein, wir streiten uns nie um Gäste, entscheiden immer mit der Redaktion, was Sinn macht für die Sendung. Ich habe selten einen Kollegen getroffen, mit dem man sich alles so harmonisch teilen kann wie mit Micky.

Echt? Der kann schon sehr zynisch rüberkommen. Auch bei Ihnen?

Susan Link: Nein, überhaupt nicht. Micky ist einer der loyalsten und höflichsten Menschen, die ich kenne.

Susan Link stellt neues Buch in Köln vor

Susan Link (geboren am 19. November 1976) wuchs in Thüringen auf und zog nach der Wende mit ihrer Mutter nach Wuppertal. Heute lebt sie mit Mann und Sohn in Köln. Seit 2011 gehört sie zum Team des „ARD-Morgenmagazins“, seit 2017 moderiert sie zusammen mit Micky Beisenherz den „Kölner Treff“, seit 2023 zudem den „Presseclub“.

Am Dienstag, 27. Oktober, liest Susan Link aus ihrem Buch „Ich habe eine Wassermelone getragen“ und spricht über die Generation der Frauen zwischen 1965 und 1980. Die Veranstaltung findet um 19.30 Uhr in der Workstage des „Kölner Stadt-Anzeigers“ und des „EXPRESS“ (Amsterdamer Straße 192) statt. Tickets sind hier erhältlich.