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„Ständig das eigene Land schlechtreden“Markus Lanz liefert sich Wortgefecht mit von Storch

Aktualisiert

Der Streit um die Arktisinsel bleibt auch nach dem Krisentreffen zwischen den USA, Dänemark und Grönland ungelöst. Bei „Markus Lanz“ (ZDF) äußerte sich AfD-Politikerin Beatrix von Storch zur möglichen Beteiligung der Bundeswehr - und sorgte mit ihren Aussagen für Irritation.

Nach dem amerikanischen Militärschlag gegen Venezuela hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, künftig auch die Kontrolle über Grönland haben zu wollen.

Eine Drohung, die vor allem in der NATO für Verunsicherung gesorgt hat. ZDF-Moderator Markus Lanz hakte deshalb am Mittwochabend in seiner Sendung beim ehemaligen US-Sicherheitsberater John Bolton nach: „Wie würde Amerika reagieren, wenn Trump tatsächlich Grönland angreifen würde?“

Einst enger Mitarbeiter von Trump besorgt

Der einst enge Mitarbeiter von Trump antwortete besorgt: „Ich denke, das würde ein politisches Erdbeben verursachen.“ Bolton ergänzte: „Ich denke, es ist ein Fehler, solche Schritte vorzugeben, als wäre militärisches Eingreifen möglich.“

Als Lanz weiter wissen wollte, ob Trump überhaupt verstehe, „was die NATO ist“, sagte der US-Politiker: „Nein, das versteht er nicht! (...) Er versteht nicht die langfristigen Perspektiven, die im Spiel sind und die gegenseitigen Vorteile.“

Laut des früheren US-Sicherheitsberaters habe der US-Präsident zudem „keine große Sicherheitsphilosophie. Politik betreibt er nicht, wie wir das verstehen.“ Vielmehr sehe Trump „keine Grenzen, und deswegen sind wir in der aktuellen schwierigen Lage“.

Im Studio diskutierte Markus Lanz (links) mit Manfred Weber, Beatrix von Storch und Ulrike Herrmann. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Im Studio diskutierte Markus Lanz (links) mit Manfred Weber, Beatrix von Storch und Ulrike Herrmann. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Grund genug für Lanz, AfD-Politikerin Beatrix von Storch zu fragen: „Wird Ihnen da angst und bange?“ Die Vizevorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion sagte: „Wir können jetzt über Moral reden. Hat er Moral und hat er keine Moral? Ist er gut oder schlecht?“

Von Storch erläuterte daraufhin, dass Trump sehr wohl „in der Realität“ lebe. Sie glaube: „Das, was uns irritiert, ist diese Rhetorik - diese scharfe Rhetorik in alle Richtungen.“ Die AfD-Politikerin weiter: „Wir irritieren uns an dem Stil, den er pflegt, aber das Ergebnis ist dann immer eindrucksvoll!“

Laut von Storch habe es Trump mit der angedrohten Auflösung der NATO immerhin geschafft, „dass die Beiträge, die alle bereit sind zu leisten, plötzlich sich mehr als verdoppeln. Das ist doch relativ eindrucksvoll.“

Manfred Weber wäre „sehr dafür“, deutsche Soldaten nach Grönland zu schicken

Wie Beatrix von Storch weiterhin beteuerte, schaffe Donald Trump am Ende „Fakten - und ich glaube, unser Problem ist es, dass wir nicht mal in der Lage sind, unsere eigenen Interessen zu definieren, um dann entsprechend konsistent zu handeln“.

Journalistin Ulrike Herrmann hielt dagegen: „In Venezuela werden keine Fakten geschaffen!“ Herrmann weiter: „Trump geht es nicht um Amerika, es geht ihm nicht um Europa. Es geht ihm nur um Trump. Er will gut aussehen!“

„Trump geht es nicht um Amerika, es geht ihm nicht um Europa. Es geht ihm nur um Trump“, erklärte Journalistin Ulrike Herrmann. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

„Trump geht es nicht um Amerika, es geht ihm nicht um Europa. Es geht ihm nur um Trump“, erklärte Journalistin Ulrike Herrmann. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

CSU-Vize Manfred Weber nickte: „Trump sagt, ich setze meinen Egoismus über alles. Das ist die Substanz der amerikanischen Politik.“ Mit Blick auf Grönland warnte Weber: „Akzeptieren wir als Deutsche, (...) dass ein Land, ein Nachbarland - Dänemark, unser Freund - (...) dass die vor vollendete Tatsachen gestellt werden?“

Laut des EVP-Politikers handle es sich hier um eine neue Weltordnung. „Und in dieser neuen Weltordnung müssen wir die sein, die an die Regeln erinnern“, denn: „Wer diese regelbasierte Ordnung infrage stellt, stellt die Zukunft Deutschlands infrage. Und das ist das, wo die AfD leider Gottes auf der falschen Seite steht.“

Europapolitiker Manfred Weber ist „sehr dafür“, Soldaten nach Grönland zu schicken: „Das ist unsere Sicherheit, die dort gesichert wird und deswegen müssen wir dort gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Europapolitiker Manfred Weber ist „sehr dafür“, Soldaten nach Grönland zu schicken: „Das ist unsere Sicherheit, die dort gesichert wird und deswegen müssen wir dort gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Diesen Vorwurf wollte Beatrix von Storch nicht unkommentiert lassen. Sie hielt dagegen: „Wir stehen nur rum, moralisieren über Gott und die Welt und leisten nicht unseren eigenen Beitrag!“ Grund genug für Lanz, die AfD-Politikerin konkret zu fragen, was sie von Bundeswehrsoldaten in Grönland halte. Von Storch erklärte: „Grönland gehört den Grönländern - und Grönland gehört zu Dänemark.“

Die AfD-Politikerin führte weiter aus: „Wir sollten artikulieren, was unsere Interessen sind und dann wäre es vielleicht sinnvoll, sich gemeinsam mit den Dänen und den Amerikanern hinzusetzen, um das zu entwickeln, was dort auf dem Tisch liegt.“ Eine Meinung, die Manfred Weber nicht teilen konnte. Er stellte klar, dass er „sehr dafür“ wäre, Soldaten nach Grönland zu schicken: „Das ist unsere Sicherheit, die dort gesichert wird und deswegen müssen wir dort gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

Lanz liefert sich Wortgefecht mit Beatrix von Storch: „Das ist so wahnsinnig unergiebig“

Beatrix von Storch sagte: „Wir unterstützen natürlich nicht ein amerikanisches Vorgehen gegen einen NATO-Partner. Das ist doch völlig klar! Das muss jetzt verhandelt werden. Das ist die Strategie von Trump - er zwingt zum Verhandeln!“ In dem Zusammenhang machte sie deutlich, dass die AfD „schon immer“ für eine Wehrpflicht gewesen sei. „Wir haben es für einen schweren Fehler gehalten, die abzuschaffen.“

Lanz konnte den Ausführungen von Beatrix von Storch wenig abgewinnen. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Lanz konnte den Ausführungen von Beatrix von Storch wenig abgewinnen. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Als Lanz schließlich konkret wissen wollte, was sie von Trumps Vorgehen in Venezuela, Iran und Grönland halte, monierte von Storch: „Das ist eben wieder typisch deutsch oder typisch europäisch: Wir machen nichts, wir können nichts, aber wir urteilen über die anderen!“

Der ZDF-Moderator zeigte sich daraufhin genervt: „Das ist so wahnsinnig unergiebig! Ich versuche die ganze Zeit, ernsthaft ein Gespräch mit Ihnen zu führen! Sie erzählen mir jetzt zum fünften Mal, wie doof, wie dusselig, wie dämlich Europa und insbesondere Deutschland ist. Es ist ehrlich gesagt auch nicht ein besonders patriotischer Zug, ständig das eigene Land schlechtzureden.“ Ein Vorwurf, gegen den sich Beatrix von Storch wehrte: „Ich darf immer noch kritisieren, was wir machen!“ (tsch)