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Schlager-Star Nicole„Bin stolz, dass ich es ohne Skandale geschafft habe!“

Sängerin Nicole Seibert während der ZDF-Unterhaltungsshow Fernsehgarten  im Juli 2025.

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Geht in diesem Herbst auf Tour und bringt zeitgleich ein neues Album heraus – mit ihren größten Hits in neuem Gewand. Das Foto zeigt die Schlagersängerin 2025 in Mainz.

Sängerin Nicole hat über ihre ersten Bühnenauftritte mit vier Jahren, ihren Kampf gegen den Krebs und ihre Herzenstitel gesprochen.

Auf in die neue Runde! Nicole (61), seit Jahrzehnten ganz vorn im Schlager-Rennen, ist bereit für die nächste große Tour. Im Gepäck: die Hits ihrer langen Karriere.

Die Songs reichen von „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ über „Ein bisschen Frieden“ bis zum aktuellen „Ich will mehr!“ aus ihrem Album „Meine Schätze“, das zur Tour erscheint. Mit dem EXPRESS sprach sie nicht nur über ihre Karriere, sondern auch über ganz Privates.

Nicole über ihre absoluten Lieblingslieder

„Ich will mehr“ ist der Titel Ihres neuen Hits. Fordern Sie das auch für sich?

Nicole: Ja, natürlich. Wenn ich singe:„ Die große Liebe, das bist du und die Musik“, dann meine ich mit dem du nicht meinen Mann – der hat seine ganz eigene Schublade – sondern mein Publikum. Wenn ich beim Konzert auf die Bühne komme und merke, wie sich die Leute freuen, wenn sie mich sehen, dann verleiht mir das Glücksmomente – und davon will ich immer mehr.

Es geht im Text auch darum, dass nicht das Ziel entscheidend ist, sondern der Weg dahin, nicht der Sieg, sondern das Kämpfen …

Nicole: Stimmt! Wer das weiß und sich danach richtet, den hält im Leben so gut wie nichts auf. Ich weiß ja selbst, wie das ist, zu kämpfen, um zu gewinnen, dass jeder geschenkte Sieg ein Triumph ohne Glanz ist. Es ist oft der etwas schwierigere Weg, aber der einzig wahre.

Wie geht es bei Ihnen weiter?

Nicole: Im September gibt’s das neue Album, passend zur dann aktuellen Tournee. Album und Tour heißen „Meine Schätze“, das sind alle meine Hits. Aber es ist kein Best-of-Nicole-Album, denn ich habe meine alten Songs in neue Kleider gesteckt, alle Titel neu aufgenommen, neu instrumentiert, neu arrangiert und neu eingesungen. Man erkennt zwar jedes Lied, aber jedes Lied klingt anders, frischer, heutiger.

Wenn man seine Schätze hervorholt, gibt es meist einen Anlass. Welcher ist es bei Ihnen?

Nicole: Ich feiere damit ein besonderes, persönliches Jubiläum: Vor 45 Jahren kam meine erste Schallplatte auf den Markt, es war „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“.

Eine junge Frau mit langen Haare und einer Gitarre

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Eine junge Frau, eine weiße Gitarre und „Ein bisschen Frieden“ – die Zutaten für den Gewinn des „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ 1982.

Da waren Sie 17, ein Alter, in dem viele noch weit nach oben fliegen wollen. Wie war es bei Ihnen?

Nicole: Hochfliegen wollte ich damals auch gern. Doch ich habe den Text auch für mich ernst genommen. Mir wurde klar, dass man, wenn man oben ist, sehr tief fallen kann. Deswegen habe ich mich von Anfang an bemüht, die Bodenhaftung nicht zu verlieren, was ja auch der Inhalt des Songs war: Man muss lernen, sich im Leben nicht so wichtig zu nehmen. Er war eine Mahnung an mich.

„Flieg nicht so hoch“ wurde Ihr erster großer Hit ...

Nicole: … doch ehe es dazu kam, lag die Single wie Blei in den Regalen. Der Erfolg kam über einen Umweg: Bei einer Folge der TV-Sendung „Dalli Dalli“ durfte die angekündigte Sängerin Marianne Mendt nicht mitmachen, weil sie ihren Song vorher bei einem anderen Sender gesungen hatte. Das war damals verboten. Da die damals bekannten Hornettes, die einspringen sollten, keine Zeit hatten, rutschte ich in die Sendung – und am nächsten Tag wurden 420.000 Singles verkauft!

Seitdem haben Sie rund 400 Lieder veröffentlicht. Welches ist das Lied Ihres Lebens?

Nicole: Natürlich „Ein bisschen Frieden“, mein Jahrhundertlied. Das werden die Leute noch singen, wenn sie längst nicht mehr wissen, wer Nicole ist.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt?

Nicole: Ehrlich gesagt, nur noch dunkel, damals war ich gerade vier Jahre alt. Es war in unserer Kreisstadt St. Wendel, an einem „Tag der offenen Tür“ in einer Kaserne. Weil ich noch so klein war und nicht ans Mikrophon kam, nahm mich ein französischer Offizier auf seinen Arm. Von da oben sang ich „Ein Student aus Uppsala“. Von dem Applaus, den ich dafür erstmals in meinem Leben bekam, war ich so begeistert, dass ich so etwas mein Leben lang wollte.

Interview mit der Sängerin Nicole Seibert

Copyright: Michael Bause

Nicole im Juni 2026 im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher im Kölner Hotel Savoy.

Sie waren nicht immer ganz oben. Wie haben Sie die Zeiten der Misserfolge überstanden?

Nicole: Das habe ich sportlich gesehen – auch im Sport muss man nicht immer als Erster anschlagen. Solange man im Finale dabei ist, ist es gut. Ich war davon deswegen nie sehr betroffen, ich war so oft die Erste, da konnte ich auch mal was singen, was die Radio-Redakteure nicht so gern mochten. Das habe ich Ende der 90er mit meinem Album „Abrakadabra“ erlebt.

Wie kam es dazu?

Nicole: Ich wollte damals noch vor Tim Bendzko die Welt retten, habe mir alle schweren Themen von der Seele geschrieben. Lieder wie „Dein Freund, der Dealer“ gegen den Drogenmissbrauch, „Bist du so oder so oder andersrum“ gegen die Intoleranz Homosexuellen gegenüber oder auch „Spuck die Tränen aus“, ein Song gegen Gewalt in der Ehe. Aber das wollten die Radio-Redakteure nicht: zu schwierig, zu anspruchsvoll, passt nicht ins Format! Aber für mich war es wichtig.

Auffallend an Ihrer Karriere ist, dass Sie nie die Bodenhaftung verloren haben …

Nicole: Ja, das haben leider einige Kollegen nicht geschafft. Erfolg kann gefährlich sein, wenn man überall hingezerrt wird und dann seine Freunde und seine Umwelt verliert. Man muss lernen, sich nicht vom Scheinwerferlicht blenden zu lassen, sonst können schlimme Dinge passieren. Ich bin stolz auf mich, weil ich es geschafft habe, ohne Skandale, ohne irgendwelche Machenschaften immer noch in diesem Beruf zu sein. Ich kann immer noch in den Spiegel schauen und sagen: „Ja, Nicole, das hast du gut gemacht!“

Das klingt sehr gut!

Nicole: Das war mir auch immer wichtig: Nicht verbiegen lassen, nicht die Freunde vergessen, nicht abheben. Man sollte mir nie vorwerfen können, dass ich die Nase zu hoch trage. Ich bin immer noch die kleine Nicole aus dem kleinen Dorf, die für den Schützenverein Kuchen backt, bei Dorffesten mit am Tisch sitzt.

Sie haben uns beim letzten Interview verraten, dass Sie keine Abschiedstournee wollen, sondern sich ohne vorherige Ankündigung beim allerletzten Lied einen Zylinder aufsetzen und dann ist Feierabend. Ist es dabeigeblieben?

Nicole: Natürlich. Eine richtige Abschiedstournee dient vor allem dazu, den Fans noch mal richtig Geld aus der Tasche zu ziehen, in dem die Preise für die Tickets und alles andere erhöht werden. Das will ich nicht. Mein letztes Konzert wird ein Konzert wie jedes andere sein – nur eben, dass ich einen Zylinder aufsetze und „Sag beim Abschied leise Servus“ singe – und dann ist wirklich Schluss!

Sängerin Nicole mit Ehemann Winfried 2005

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Nicole ist mit ihrem Ehemann Winfried Seibert (das Foto zeigt das Paar 2005) seit 1984 verheiratet. Die beiden haben zwei Töchter.

Wann wird das sein?

Nicole: Das weiß ich noch nicht, da höre ich auf mein Bauchgefühl. Ich glaube aber nicht, dass ich mit 70 noch auf der Bühne stehe.

Das haben viele vor Ihnen auch gesagt – und die sind inzwischen 80 und singen immer noch …

Nicole: Ich nicht. Ich möchte noch was anderes im Leben erfahren. Ich genieße jetzt schon – aber ich möchte noch mehr genießen.

In dem Interview haben Sie auch vom Sieg über Ihren Krebs berichtet. Wie geht es Ihnen heute?

Nicole: Sehr gut. Ich habe den Krebs hinter mir gelassen, bin voller Lebensfreude. Einen Rückfall will und werde ich nicht zulassen, da achte ich sehr drauf. Weil ich weiß, dass mir das zu viel Lebensqualität nimmt.

Nicole kam aus dem Saarland, blieb im Saarland

Nicole Seibert (geborene Hohloch) kam am 25. Oktober1964 in Saarbrücken zur Welt. Sie lebt bis heute in Nohfelden-Neukirchen im Saarland. 1982 ihr Grand-Prix-Erfolg mit „Ein bisschen Frieden“ (heute Eurovision Song Contest). Sie erreichte mit dem Lied als erste Deutsche den ersten Platz in Großbritannien. Über 30 Alben, zehn Goldene Stimmgabeln, 17-mal Siegerin der ZDF-Hitparade. Den „Echo“ gab es für ihr Lebenswerk.

Seit dem 17. August 1984 mit dem Kfz-Sachverständigen Winfried Seibert verheiratet. Zwei Töchter, zwei Enkelkinder. Im Dezember 2020 wurden bei ihr zwei bösartige Tumore in der rechten Brust entdeckt. Im Juli 2022 verkündete sie ihre erfolgreiche Heilung. Mit „Meine Schätze“ gastiert sie am 25. September in Bochum, am 22. November in Euskirchen.

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