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Influencer legt sich mit Rechten an„Es gibt wenige Todeslisten, auf denen ich nicht stehe“

„Ich nerve Nazis auf Straßen“, beschreibt Marcant das Konzept seines Kanals. (Bild: ZDF/Maximilian Neidlinger, probonoTV)

Copyright: ZDF/Maximilian Neidlinger, probonoTV

„Ich nerve Nazis auf Straßen“, beschreibt Marcant das Konzept seines Kanals.

Aktualisiert:

Knapp eine Million Menschen verfolgen auf Instagram regelmäßig, wie Marcant rechte Demonstranten konfrontiert. In einer ZDF-Doku spricht der Influencer nun darüber, welcher Gefahr er sich mit seinem Beruf aussetzt - und verrät nebenbei, dass er „unfassbar viel Geld“ mit seinen Videos verdient.

„Mit Nazis spricht man nicht“ - das sei laut Marcant noch vor zehn Jahren ein „super valider“ Standpunkt gewesen. Allein: „Inzwischen reden die Nazis in Parlamenten, überall auf Straßen zu hundertfach, reden im Internet, haben Hunderttausende Follower und Followerinnen.“ Die Zeit, in der man Rechten mit Ignoranz begegnen könne, sei „abgelaufen“.

Marcant lebt in Frankfurt, studiert Jura, produziert seit geraumer Zeit erfolgreich Web-Videos - und sagt: „Es gibt wenige Todeslisten, auf denen ich nicht stehe.“ Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Rande von Demonstrationen mit Menschen zu sprechen, deren Ansicht er so ganz und gar nicht teilt. Oder, wie er es in der ZDF-Doku „37°Leben: Marcant - Content gegen Rechts“ ausdrückt: „Ich nerve Nazis auf Straßen.“

Marcant verdient mit seinen Videos „unfassbar viel Geld“

Er sei sich „zu 100 Prozent sicher, dass es das komplett wert ist“. Der 23-Jährige will mit seinen Videos vor allem junge Leute erreichen, die „irgendwie auf dem falschen Weg sind, im Neonazispektrum sind oder rechtes Gedankengut haben“. Meist tue er dies, indem er mit den Menschen „auf Augenhöhe“ spreche.

Manchmal jedoch, gibt Marcant zu, begegne er seinem Gegenüber „ein bisschen respektlos“ - und das mit Absicht: „Diese eine Person, die dann in dem Video zu sehen ist, die wird dann auch nicht überzeugt. Aber ganz viele andere, die das sehen, die sehen mich - und die sehen diesen Nazi.“

Sein Ziel sei, „dass man zeigt, okay, das sind eure Leute und die haben superpeinliche Ansichten“. So hoffe er, seine Zuschauerinnen und Zuschauer „auf die etwas menschenfreundlichere Seite“ ziehen zu können.

Auf Instagram folgen dem Studenten fast eine Million Menschen, auf TikTok und YouTube verzeichnen seine Kanäle jeweils rund 500.000 Follower. Sein Konzept sei „so durch die Decke gegangen, dass ich jetzt einfach unfassbar viel Geld verdiene“, verrät Marcant, der eigentlich Marc Keller heißt. Sich daran bereichern wolle er jedoch nicht: „Ich habe von Anfang an gesagt, ich zahle mir im Monat 2.500 Euro aus.“ Den Rest des Geldes investiere er in „mehr coole Projekte“ gegen rechts.

Es sei eine „relativ normale Situation“, dass ihm bei seinen Interviews das Mikrofon aus der Hand geschlagen werde, erzählt Marcant. (Bild: ZDF/Maximilian Neidlinger, probonoTV)

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Es sei eine „relativ normale Situation“, dass ihm bei seinen Interviews das Mikrofon aus der Hand geschlagen werde, erzählt Marcant.

Noch vor einem Jahr habe er ein „relativ normales Studentenleben geführt“. Inzwischen habe sich sein Leben jedoch „um 180 Grad gedreht“, erzählt Marcant. Es habe sich „alles geändert, im Positiven wie auch im Negativen“. So habe er „superviele Sicherheitsmaßnahmen ergriffen“, unter anderem habe er private Accounts gelöscht und sei mehrfach umgezogen. „Ansonsten schaue ich mich um. Ich weiß, wer hinter mir ist. Ich scanne die Leute.“

„Irgendjemand aus dem Team wird immer geschubst oder beleidigt“

Bei seinen Drehs sei Marcant, der sich ansonsten als „relativ zurückhaltend“ beschreibt, „voller Adrenalin“. Und das nicht ohne Grund: Es sei etwa eine „relativ normale Situation“, dass ihm bei seinen Interviews das Mikrofon aus der Hand geschlagen werde. „Irgendjemand aus dem Team wird immer geschubst oder beleidigt“, schildert er.

Dennoch denke er kaum über die Gefahren seiner Arbeit nach. Vielmehr erfülle es ihn, „zu sehen, dass Menschen wirklich Hass liegen lassen, weil sie ein paar meiner Videos geschaut haben“. Das, schwärmt Marcant, sei „wirklich ein unbeschreibliches Gefühl“.

Zu sehen gibt es „37°Leben: Marcant - Content gegen Rechts“ im Streamingportal des ZDF. (tsch)

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