Elfer-Drama zwischen Ägypten und Australien – und eine deutliche Meinungsverschiedenheit zwischen Per Mertesacker und Christoph Kramer.
„Was Per sagt, ist nicht richtig“Kramer und Mertesacker liefern sich hitziges Wortgefecht

Bei dieser Diskussion gingen die Meinungen weit auseinander. Christoph Kramer wollte Per Mertesacker bei dessen goldener Regel so gar nicht zustimmen.
Es ging um das Elfmeterschießen zwischen Ägypten und Australien im Sechzehntelfinale der WM, das die Pharaonen am Freitagabend für sich entschieden. Bei den Socceroos verschossen Harry Souttar und Lucas Herrington – zwei Innenverteidiger.
Kramer stichelt gegen Mertesacker: „Das liegt einfach an deinem Typ“
Für Mertesacker ein absolutes No-Go. „Ägypten steht im Achtelfinale, weil sich Australien an der goldenen Mertesackerschen Regel versündigt hat: Lasse nie einen Innenverteidiger Elfmeter schießen“, erklärte ZDF-Moderator Jochen Breyer.
Mertesacker analysierte die beiden Elfer, sah vor allem bei Souttar große Probleme. „Bei Souttar ist es wie bei so vielen Innenverteidigern, wo man das Gefühl hat, irgendwas stimmt im Anlauf nicht. Ich kann nicht verstehen, warum nicht die Spieler, die sich wirklich Tag für Tag diese Situation auch immer wieder zurechtlegen, auch im Training immer wieder mit einer Abschlusssituation konfrontiert werden, vorgeschickt werden.“
Mertesacker sieht ein klares Muster, das Kramer so aber nicht erkennen kann oder will. „Du siehst es aus deiner Sicht“, sagte er zu Mertesacker und stichelte über den Schlaks: „Wenn du zum Elfmeterpunkt gehst, dann sieht das so aus wie bei denen. Sergio Ramos würde sagen: ‚Ne, es liegt nicht am Innenverteidiger.‘“
Daraufhin erwiderte Mertesacker: „Der hat auch schon ein paar drübergeballert.“ Der Elfer, den Sergio Ramos 2012 im Champions-League-Halbfinale von Real Madrid gegen den FC Bayern in die Wolken jagte, genießt in der Tat bis heute Kultstatus. Allerdings war der Spanier ansonsten durchaus ein sicherer Schütze und trat auch abseits von Elfmeterschießen regelmäßig vom Punkt an.

Copyright: ZDF
Per Mertesacker und Christoph Kramer waren sich nach dem Elfmeterschießen zwischen Ägypten und Australien überhaupt nicht einig.
Kramer ist sich sicher: „Es gibt keine Statistik, dass Innenverteidiger weniger treffen als Stürmer. Deswegen würde ich die Regel jetzt nicht immer unterstreichen.“ Der ehemalige Mittelfeldspieler weiter: „Ein Sergio Ramos legt sich das Ding hin und sagt: ‚Ich schieße jetzt Elfmeter‘, weil ihm das Bock macht. Und du hast halt immer gesagt: ‚Ich verletze mich wahrscheinlich.‘ Aber das liegt nicht daran, dass du Innenverteidiger bist, sondern das liegt einfach an deinem Typ Per Mertesacker, der sich beim Torschuss sagt: ‚Boah, ich verletze mich jetzt gleich.‘“
Anschließend wurde im ZDF eine Szene der Ägypter gezeigt, die sich unmittelbar vor dem Elfmeterschießen einen Zusammenschnitt von Strafstößen von Kylian Mbappé anschauten. Um sich von dessen Schusstechnik inspirieren zu lassen? Nein, glaubt Kramer. „Ich glaube, dass die sich das angeguckt haben, um die Psyche zu manipulieren, um zu zeigen: Boah, es ist geil. Wir gucken uns jetzt nochmal ganz viele Tore an. Es ist schön, bevor man einen Elfmeter schießt, vieleElfmeter zu sehen, die reingehen.“
Für ihn geht es beim Elferschießen grundsätzlich „nicht um die Schusstechnik. Deswegen ist das, was Per mit den Innenverteidigern sagt, eigentlich auch nicht richtig.“ Das konnte Mertesacker natürlich nicht stehenlassen. „Unter Druck wird deine Schusstechnik schlechter. Und wenn du es sonst gar nicht machst als Innenverteidiger, wird sie noch schlechter“, warf er ein.
Hier an der EXPRESS.de-Umfrage teilnehmen:
Kramer war aber immer noch nicht überzeugt. „Sagen wir mal so: Der Innenverteidiger hat eine Schusstechnik 8 von 10. Und der Stürmer 10 von 10. Aber der Innenverteidiger mit Mentalität 10 von 10 und Mut 10 von 10 schießt ihn eher rein als der mit der besseren Schusstechnik, denn es kommt nicht auf Schusstechnik an.“
Er nannte ein hypothetisches Beispiel. „Wenn wir jetzt hier zehn Bälle hinlegen und es geht um nichts, schießt du alle zehn Bälle auf diesen Monitor. Wenn wir jetzt zehn Bälle hinlegen und du kannst, keine Ahnung, deinen kleinen Finger verlieren, triffst du wahrscheinlich nur noch zwei.“
Für Mertesacker aber kein Widerspruch zu seinem Argument. „Ja, deswegen ja“, erwiderte er: „Die Schusstechnik vom Innenverteidiger ist eh schlechter.“ Unter Druck würde sich das nach seiner Argumentation erst recht zeigen. Doch für Kramer blieb es dabei: „Es kommt nicht auf die Schusstechnik an.“ Bei diesem Thema wollten die beiden ZDF-Experten am Freitagabend einfach nicht zusammenkommen.
