Bei „Markus Lanz“ zeigte sich CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann am Mittwochabend ausweichend, als es um mögliche Steuererhöhungen ging. Mit seiner Aussage irritierte er den ZDF-Moderator besonders.
„Markus Lanz“Moderator empört über CDU-Mann: „Bruch eines Wahlversprechens“

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Markus Lanz (links) war sichtlich überrascht von Carsten Linnemanns Äußerungen zu möglichen Steuererhöhungen. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
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„Warum ist es eigentlich in Sachen Reformen bei Ihnen in den letzten Wochen und Monaten so wahnsinnig leise gewesen?“, nahm Markus Lanz am Donnerstagabend den CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ins Kreuzverhör. „Hat das was mit Landtagswahlen zu tun?“
Linnemann wies dies entschieden zurück und sagte, es brauche „natürlich“ Reformen. „Im Gesundheitssystem zum Beispiel kommt jetzt in diesem Monat ein Bericht raus von der Kommission und dann muss der umgesetzt werden“, erklärte er. Lanz kommentierte spitz: „Direkt nach der Landtagswahl!“ Linnemann blieb dabei: „Es muss gemacht werden, schauen Sie sich das Gesundheitssystem mal an!“ Auf Landtagswahlen werde er „keine Rücksicht nehmen“. Der ZDF-Moderator entgegnete sofort: „Aber Sie nehmen doch jetzt schon Rücksicht darauf!“ Linnemann reagierte knapp: „Nein!“ Lanz konterte streng: „Doch!“
Journalistin kritisiert neues Heizungsgesetz: „Totaler Schrott“
Dann verschob der Moderator das Thema auf die Finanzierungsfrage: „Schließen Sie Steuererhöhungen aus?“ Linnemann antwortete ungewohnt offen: „Das kann ich gar nicht. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich in der Breite Steuererhöhungen ausschließe.“
Lanz zeigte sich überrascht: „Das ist interessant. Wie oft haben wir beide hier gesessen und Sie haben Steuererhöhungen vor der Bundestagswahl kategorisch ausgeschlossen? (...) Ist das nicht der Bruch eines zentralen Wahlversprechens?“

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CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann redete sich bei „Markus Lanz“ um Kopf und Kragen, als es um mögliche Steuererhöhungen ging.
Eine Reform, die zuletzt ebenfalls hohe Wellen schlug: Die schwarz-rote Koalition will das Heizungsgesetz der Vorgängerregierung umbauen. Grundlage soll ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) sein, das Öl- und Gasheizungen weiter zulässt. Neu eingebaute Anlagen sollen allerdings perspektivisch klimafreundlicher laufen - mit einem steigenden Anteil CO₂-neutraler Kraftstoffe. Markus Lanz versuchte, die Pläne der Regierung genauer zu sezieren.
Er zitierte dabei Jens Spahn mit den Worten: „Der Heizungskeller wird wieder Privatsache.“ Linnemann schlug in eine ähnliche Kerbe und sagte, man wolle den Menschen keine Wärmepumpe aufzwingen, sondern „den Leuten die Angst“ nehmen, die „jahrzehntelang gearbeitet haben“.
Gleichzeitig, so Linnemann, solle Klimaschutz über eine „Grün-Gas-Quote“ abgesichert werden. Lanz hakte sofort nach, was damit konkret gemeint sei: „Biogas oder synthetischer Diesel?“ Linnemann bestätigte: „Exakt. (...) Das sind so die Hauptzulieferer.“

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Markus Lanz (links) sprach am Mittwochabend mit Carsten Linnemann und Ulrike Herrmann.
Journalistin Ulrike Herrmann ließ diese Argumentation nicht gelten. Für sie sei das Konzept grundsätzlich nicht tragfähig: „Das ganze Ding funktioniert gar nicht.“
Herrmann verwies darauf, dass die Koalition zwar erkläre, am Klimaschutzgesetz festzuhalten, doch genau daran scheitere das Modell, weil es nicht genügend Alternativen gebe. Konkret mangele es laut Herrmann an „Biogas oder Bio-Diesel“. Das Urteil der Journalistin fiel entsprechend hart aus: „Es klappt nicht. Das ist, (...) man muss es sagen, totaler Schrott.“
„Sie glauben das nicht? Sind Sie sich sicher?“
Auch Lanz blieb skeptisch, stellte das Thema jedoch als soziale Frage in den Raum: „Warum sind eigentlich immer die, die im Grunde am wenigsten haben, am Ende die Gelackmeierten bei dieser Art von Reform und Gesetzgebung?“ Linnemann widersprach: „Ich glaube es nicht.“ Als Lanz nachsetzte - „Sie glauben das nicht? Sind Sie sich sicher?“ - führte der CDU-Politiker aus, viele Menschen mit Gasheizung lebten „mit dem Habeck'schen Gesetz“ in dauernder Angst, „Zehntausende (...) von Euros (...) in eine neue Heizungsanlage“ investieren zu müssen.
Lanz räumte ein: „Da haben Sie einen Punkt. Aber Sie könnten ja sagen, wir helfen denen.“ Linnemann antwortete mit ernstem Blick: „Das machen wir auch.“ Ulrike Herrmann blieb dennoch bei ihrer Kritik und verwies erneut auf die Grenzen der Verfügbarkeit: „Es wird trotzdem nicht mehr Biogas geben. (...) Das sind alles Energiepflanzen und die Flächen werden nicht mehr.“ Man könne „jetzt einen Markt organisieren, es gibt aber nicht mehr Biogas“. (tsch)

