Monarchie in Gefahr? Krisentreffen beim König: Prinzessin Märtha wegen Liebe zu Schamane immer unbeliebter

Prinzessin Märtha Louise (r-l) und ihr Verlobter Durek Verrett kommen zur Regierungsfeier anlässlich der Feierlichkeiten zum 18. Geburtstag von Norwegens Erbprinzessin Ingrid Alexandra.

Prinzessin Märtha Louise (r.) und ihr Verlobter Durek Verrett (M.), hier gemeinsam im Juni 2022, sorgen mit ihrer Beziehung in ganz Norwegen für Wirbel.

Er glaubt, Corona mit Medaillons heilen zu können und sie kann laut eigenen Aussagen mit Engeln sprechen. Eine Romanze plagt Norwegen: Prinzessin Märtha liebt einen Hollywood-Schamanen. Ist die Monarchie in Gefahr?

Eine Prinzessin, die mit Engeln kommuniziert, dazu ein Wunderheiler, der Medaillons gegen Corona-Erkrankungen verkauft: Die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen der ältesten Tochter des norwegischen Königspaars, Märtha Louise, und Hollywood-Guru Durek Verrett begeistert die Boulevardmedien, nicht aber die Bürger des Landes.

17 Prozent der Teilnehmer und Teilnehmerinnen an einer Umfrage gaben im vergangenen Monat an, dass das Königshaus in ihrem Ansehen gesunken sei – und fast alle nannten als Grund die Schlagzeilen um die 51-jährige Märtha Louise und ihren 47-jährigen Verlobten Verrett.

Bringt Märtha Louise die norwegische Monarchie zu Fall?

Die Romanze kommt in Norwegen nicht gut an, weil der afroamerikanische „Schamane der sechsten Generation“ in seinem Buch „Spirit Hacking“ behauptet hat, dass Menschen selbst entscheiden, ob sie an Krebs erkranken. Und weil er auf seiner Website für 222 Dollar ein Medaillon namens „Spirit Optimizer“ anbietet, das ihn von Covid-19 geheilt haben soll.

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„Er ist ein Hochstapler, ein Scharlatan und Quacksalber“, sagt der Kolumnist und Humorist Dagfinn Nordbo über Verrett, der unter anderem von Gwyneth Paltrow und Antonio Banderas unterstützt wird.

Die Stimmung im Land passt zur derzeitigen Debatte über die Rolle der – auch kostenintensiven – Monarchien in Europa. Mehrere Königshäuser haben bereits Konsequenzen angekündigt: Dänemarks Königin Margrethe II. will ihren Haushalt verkleinern und streicht deshalb einigen ihrer Enkel die Titel Prinz oder Prinzessin. Auch Schwedens Königshaus spart und Großbritanniens König Charles III. erwägt Berichten zufolge dasselbe.

Die norwegische Monarchie genießt bislang breite Unterstützung im Volk. Das liegt vor allem an der Bodenständigkeit des Königspaars: Der selbst mit einer Bürgerlichen verheiratete 85-jährige König Harald ist bekannt dafür, dass er die gesellschaftlichen Entwicklungen in seinem fortschrittlichen Land stets mitträgt.

Seiner Tochter hat er seinen Segen zur Verlobung gegeben. Ansonsten aber äußert er sich nur wenig zu ihrem Partner.

Durek Verrett angefeindet: Wollen „keinen Schwarzen in der königlichen Familie sehen“

Einer der wenigen, die das Paar unterstützen, ist Oslos ehemaliger Bürgermeister Fabian Stang: Heilende Medaillons zu verkaufen gehe zwar zu weit, „aber es ist schon seltsam, dass so viele von denen, die Durek hassen, nichts gegen den Snasa-Mann hatten“, schrieb Stang auf Facebook unter Anspielung auf einen im vergangenen Jahr verstorbenen norwegischen Wunderheiler.

Verrett selbst sagt, er verstehe, dass seine Überzeugungen manche Menschen beunruhigen könnten. Gleichzeitig sieht er sich als Opfer von Rassismus – ähnlich wie die Afroamerikanerin Meghan Markle nach ihrer Hochzeit mit Prinz Harry.

Er erhalte Hassbotschaften und Morddrohungen, weil Weiße „keinen Schwarzen in der königlichen Familie sehen wollen“, sagte er nach seiner Verlobung im Juni in einem Instagram-Video. Märtha Louise zeigte sich „schockiert“, wie Verrett und „Menschen mit dunkler Hautfarbe behandelt werden“.

Märtha Louise behauptet, mit Engeln sprechen zu können

Märtha Louise ist die Nummer vier in der Thronfolge nach ihrem jüngeren Bruder, Kronprinz Haakon, und dessen beiden Kindern. Es ist nicht das erste Mal, dass sie für Kontroversen sorgt. Als Anhängerin alternativer Therapien behauptet sie, mit Engeln sprechen zu können, eine Gabe, die sie mit Büchern und Kursen vermarktet.

Den Titel „Ihre Königliche Hoheit“ gab sie bereits vor 20 Jahren auf, als sie sich von ihren königlichen Pflichten zurückzog, um Hellseherin zu werden. Und vor drei Jahren stimmte sie zu, ihren Prinzessinnentitel nicht für kommerzielle Zwecke zu verwenden.

Mehrheit der Norweger und Norwegerinnen fordern: Märtha soll Titel aufgeben

Diesmal allerdings scheint den Bürgern und Bürgerinnen die Verschrobenheit der Prinzessin und ihres Verlobten zu weit zu gehen. „Die meisten Norweger verabscheuen es, wenn man mit dem Gütesiegel einer Prinzessin Geld mit Dingen verdient, die sie für Unsinn halten“, sagt der Historiker Trond Noren Isaksen.

„Die Königsfamilie sollte eine einigende Kraft sein – jenseits vor Kontroversen“, fügt er hinzu. Das Problem sei, dass Märtha Louise und Durek Verrett genau das Gegenteil seien: kontrovers und polarisierend. „Etwas muss getan werden“.

Mehr als die Hälfte der Norweger wollen inzwischen, dass die 51-Jährige ihren Prinzessinnentitel ganz aufgibt. Medienberichten zufolge ging es bei „Krisentreffen“ zwischen König Harald mit seiner Tochter und Kronprinz Haakon bereits genau um diese Frage. (afp)

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