Nach jahrelanger Sanierung werden die Kölner Bühnen eröffnet. Doch die Spitzenpolitik glänzt durch Abwesenheit.
Nach Mammut-SanierungFestakt im Kölner Opernhaus ohne Promis

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Blick in das sanierte Kölner Opernhaus.
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Die feierliche Einweihung der Kölner Oper am Offenbachplatz steht nach jahrelanger Sanierung endlich auf dem Spielplan der Stadt. Doch beim großen Ereignis fehlen Polit-Promis aus Düsseldorf und Berlin.
Nach schier endlosen 5223 Tagen seit jener Aufführung am 7. Juni 2012 in der früheren Oper lädt die Domstadt am 24. September zum offiziellen Festakt für das erneuerte Gebäude – nach sage und schreibe 14 Jahren, 3 Monaten und 18 Tagen. Offiziell bezeichnet die Stadtverwaltung das Event als „feierlichen Anlass“.
Prominente Absagen zum Eröffnungsfest
Aber die Spitzenpolitik lässt sich im Kölner Opernhaus gar nicht erst blicken – ganz im Gegensatz zum Elbphilharmonie-Start in Hamburg im Januar 2017. Damals trat Staatsoberhaupt Joachim Gauck (parteilos) ans Rednerpult, während auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mitfeierte.
Fast ein Jahrzehnt später sieht die Lage am Rhein ganz anders aus: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Kanzler Friedrich Merz (CDU) sowie NRW-Regierungschef Hendrik Wüst (CDU) glänzen beim Kölner Event durch Abwesenheit – trotz ergangener Einladung.
Aus dem Bundespräsidialamt verlautet, Steinmeier begleite den Bauabschluss voll Sympathie. „Gleichwohl kann er der Einladung aus terminlichen Gründen leider nicht folgen.“
Ein Sprecher des Bundeskanzlers wiegelte ab: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu internen Planungen nicht äußern. Die Termine des Bundeskanzlers geben wir in der Regel am Freitag der Vorwoche bekannt.“ Laut Berichten soll Merz allerdings ebenfalls nicht kommen.

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Bei der Eröffnung der Elbphilharmonie war die Politprominenz vertreten.
Regierungschef Wüst sagte ebenfalls ab, da tags darauf eine Sitzung des Bundesrats in der Hauptstadt ansteht. Stattdessen vertritt Kulturministerin Ina Brandes (CDU) das Land NRW.
Anstelle der Bundespromi-Riege redet nun Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) vor dem Publikum, gefolgt von Carsten Brosda (SPD), dem Kultur-Senator aus der Hansestadt Hamburg und Chef des Deutschen Bühnenvereins. Die langjährige „Kölner Treff“-Gastgeberin Bettina Böttinger führt als Moderatorin durch das Programm.
Im Opernhaus soll kein Stuhl frei bleiben. Laut Stadtverwaltung heißt es: „Eingeladen wurden und vertreten sein werden nationale und internationale Gäste, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Kölner Partnerstädte, der vielschichtigen Kunstszene der Bundesrepublik sowie aus den Nachbarländern, beispielsweise Frankreich oder Österreich.“ Neben Abgeordneten kommen auch Promis der lokalen Kultur-Szene.
An der Elbe hielten 2017 noch der damalige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Gauck die Festreden. Der Ex-Präsident lobte das „großartige Ergebnis“, warnte jedoch zeitgleich davor, Fehler sowie Pannen bei der Realisierung zu verdrängen.

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Die Baustelle der Bühnen am Offenbachplatz im Mai.
„Wir wollen wenigstens, dass unsere Beamten sich das merken. Gerade wer den Mut hat, Neues, Unerprobtes zu schaffen, muss sich, wenn Steuergeld im Spiel ist, rechtzeitig Gedanken machen, wie Risiken einzuhegen sind.“
Elbphilharmonie und Kölner Bühnen im Vergleich
Aufgrund der gewaltigen Kostenexplosionen und der Jahre dauernden Verzögerungen vergleicht man beide Großprojekte seit langem miteinander – obschon die Kölner Verantwortlichen diese Gegenüberstellung energisch zurückweisen. Schließlich seien beide Bauvorhaben völlig unterschiedlich.
Auf ihrer Webseite erklären sie explizit: „Bestandsbauten aus der Nachkriegszeit und aktuelle Neubauten, in denen der umfangreiche Platzbedarf neuer Gebäudetechnik gleich in die Entwurfsplanung einfließen kann, lassen sich kaum miteinander vergleichen.“
Trotzdem erhofft man sich am Rhein eine ähnlich positive Wende wie nach dem Start des Hamburger Prachtbaus im Januar 2017. Dort geriet der langanhaltende Ärger um Finanzen rasch in Vergessenheit – das Bauwerk wurde stattdessen zum stolzen Wahrzeichen.
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) betonte bereits im Februar: „Die Hamburger Elbphilharmonie war anfangs auch umstritten, heute ist sie eine der großen Attraktionen der Stadt.“
Die Domstadt sicherte sich sogar die Dienste derselben Werbeagentur (Jung von Matt), die schon den Elbphilharmonie-Start begleitete. Mittels der Werbeaktion „Deine Bühne, Köln“ soll die ehemals schlechte Stimmung gekippt werden.
In den Unterlagen von 2023 hieß es, die Kommunikationsstrategie stehe wegen der enormen Ausgaben vor „besonderen Herausforderungen. Es gilt, die seit über zehn Jahren eher negativ geprägte bundesweite Berichterstattung umzukehren.“
Das Hamburger Kulturbauwerk auf dem historischen Kaispeicher umfasst neben den Sälen eine Aussichtsplattform, ein Nobelhotel plus 45 Wohneinheiten. Nach Querelen startete der Betrieb 2017. Exakt 866 Millionen Euro verschlangen Entwurf und Errichtung, wobei auch Spenden flossen. Eine erste Analyse von 2005 nannte Gesamtausgaben von 186 Millionen Euro, ein Jahr darauf lagen sie bei 241,3 Millionen Euro. Heute fungiert das 110 Meter hohe Gebäude als wahrer Touristenmagnet.
Am Kölner Offenbachplatz werden seit 2012 Oper, Schauspielhaus, Kleines Haus sowie Kinderoper komplett erneuert. Was einst mit veranschlagten 253 Millionen Euro und einer Eröffnung für 2015 begann, geriet zum Desaster mit kompletter Neuanplanung. Mittlerweile belaufen sich die Kosten für Bau und Vorbereitung auf 798,6 Millionen Euro. Rechnet man Interimsspielstätten sowie Zinsen hinzu, summieren sich die Ausgaben auf schockierende 1,465 Milliarden Euro. (red)


