Der Rückhalt in der Bevölkerung schwindet - und selbst in der eigenen Partei scheint sich Widerstand gegen Bundeskanzler Friedrich Merz zu formieren. Oder ist die Stimmung doch besser als gedacht? Beim Polittalk von Markus Lanz wurde am Dienstagabend kontrovers diskutiert.
Markus Lanz„Da hätte man Angela Merkel öffentlich gegrillt“

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Michael Bröcker sieht Friedrich Merz mit dem Rücken zur Wand.
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Drei Wochen Sommerurlaub gönnte sich Bundeskanzler Friedrich Merz. Länger als seine Amtsvorgänger Olaf Scholz und Angela Merkel. Eine gute Idee angesichts von Waldbränden, Drohnenalarm am Leipziger Flughafen und zahlreicher weiterer politischer Herausforderungen? Markus Lanz hatte am Dienstagabend CDU-Fraktionschef Thorsten Frei, den Journalisten Michael Bröcker und die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf zum Polittalk geladen, um darüber zu diskutieren.
Gleich zu Beginn nahm sich der Moderator den Politiker vor. „Wir haben nichts gehört vom Kanzler“, konfrontierte er Frei. Dieser zeigte sich beschwichtigend: „Was den Flughafen Leipzig anbelangt, da war der Bundesinnenminister, der seinen Urlaub unterbrochen hat. Damit war alles geregelt und gelöst, was man von politischer Seite machen kann.“ Überhaupt halte er die Urlaubs-Debatte um den Kanzler für künstlich und nicht besonders substanziell. Es käme schließlich auf das Ergebnis an. Auch Frauke Brosius-Gersdorf sah das Thema nicht kritisch. Sie hofft, er habe Kraft gesammelt „für die wichtigen Reformen in diesem Land“, vor allem in Sachen Wirtschaft und Soziales.
Michael Bröcker sieht Friedrich Merz mit dem Rücken zur Wand
Michael Bröcker, Chefredakteur von „Table Media“, würde dem Kanzler auch fünf Wochen Urlaub gönnen, solange er danach „tatsächlich mal relevante, nachvollziehbare, große Entscheidungen für Deutschland trifft“. Allein, ihm fehle der Glaube. „Der Mann ist so unter Druck wie nie zuvor. Seine Regierung entscheidet nicht oder schwach oder zu spät. Er hat das Gespür für die Menschen offensichtlich verloren“, da nur zwölf Prozent der Bevölkerung seine Arbeit für vertretbar halten würden, so Bröcker.

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Thorsten Frei versuchte bei Markus Lanz, den Bundeskanzler zu verteidigen.
Ein weiterer Tiefpunkt war für den Journalisten der „Rentenaufstand“ der drei CDU-Ministerpräsidenten aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Michael Kretschmer, Sven Schulze und Mario Voigt hatten vor allem eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren scharf kritisiert. Diese war kurz zuvor als Teil der Rentenreform der Bundesregierung beschlossen worden. „Aus reiner Panik vor den Wählern“ hätten die drei Politiker den Renten-Kompromiss der Bundes-Koalition angeprangert. Laut Bröcker ein weiterer Hinweis auf die schwindende Autorität des Kanzlers: „Das ist doch das Dramatische.“
Als Thorsten Frei die Rentenreform ein „Jahrhundertprojekt“ nannte, hakte Markus Lanz provozierend nach: „Und diese drei verstehen das nicht?“ Ein „bisschen irritiert“ sei er schon gewesen, räumte der CDU-Fraktionschef immerhin ein.
Dramatische Umfragewerte: „Da hätte man Angela Merkel öffentlich gegrillt“
Nicht nur den Widerstand aus den eigenen Reihen, auch die Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner sieht Michael Bröcker kritisch. Haben der Bundeskanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil überhaupt noch die Stabilität und das Zutrauen zueinander, fragte er. „Sie stehen so unter Druck, dass in ihren Parteien über ihre Ablösung diskutiert wird.“
Eine Personaldebatte um den Kanzler gebe es nicht, versicherte Thorsten Frei auf Nachfrage von Markus Lanz. Das wollte der Journalist Bröcker so nicht stehen lassen. Ob Friedrich Merz mit diesen Umfragewerten diese Legislaturperiode beenden könne, sei Thema „in jeder Landesregierungszentrale, in der Fraktionsführung und sicherlich auch im Kopf von Thorsten Frei“. Bei den Umfragewerten des Kanzlers und der Wahlprognose für Sachsen-Anhalt – die CDU liegt bei circa 20 Prozent – „hätte man Angela Merkel öffentlich gegrillt“, meinte Bröcker.
Frei beharrte jedoch weiter darauf, dass eine Personaldiskussion nicht hilfreich sei. „Die innen- und außenpolitischen Herausforderungen sind enorm, und die gehen ja auch nicht dadurch weg, dass sie ein anderer bearbeiten würde.“ Auch Friedrich Merz selbst habe niemals in Erwägung gezogen, aufzugeben. Eine These, die Michael Bröcker nicht teilen wollte. (tsch)

