Im Dezember 2022 verschwindet die hochschwangere Alexandra R. spurlos. Bis heute wurden weder ihre Leiche noch ein Tatort gefunden. Trotzdem werden im Juli 2024 zwei Männer wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Doku „Mord ohne Leiche: Der Fall Alexandra R“ greift den Prozess neu auf.
Keine Leiche, kein TatortWie die Mörder von Alexandra R. überführt wurden

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Am 9. Dezember 2022 verschwindet die hochschwangere Alexandra R. aus Katzwang bei Nürnberg spurlos.
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Am Morgen des 9. Dezember 2022 verliert sich die Spur der hochschwangeren Alexandra R. aus Katzwang bei Nürnberg. Bis heute gibt es keine Leiche, keine Mordwaffe und keinen Tatort.
Dennoch wurden im Juli 2024 zwei Männer wegen des Mordes an der 39-Jährigen verurteilt. Wie das möglich war, hat die ARD-Doku-Reihe „Mord ohne Leiche: Der Fall Alexandra R“ aufgezeigt.
Ermittler gehen schnell von einem Mordfall aus
Denn die Ermittler sowie die Staatsanwaltschaft sind sich schnell sicher, dass Alexandra R. ermordet wurde. Die hochschwangere Frau aus Katzwang verschwand im Dezember vor dreieinhalb Jahren, nachdem sie ihr Pflegekind in die Kindertagesstätte gebracht hatte.
Zunächst deutete noch einiges auf ein freiwilliges Verschwinden hin. Alexandra verschickte am Tag ihres Verschwindens mehrere Nachrichten an Personen in ihrem Umfeld, in denen sie erklärt, ihr sei alles zu viel geworden. Ihrem neuen Lebensgefährten und Kindsvater schreibt sie zudem, sie würde ihren Ex-Freund Dejan B. noch lieben.
Dejan B. - Ein Name, der schnell in den Fokus der Ermittlungen rücken sollte. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Ugur T. hatte er während der Beziehung mit Alexandra R. Immobiliengeschäfte über die Bankerin abgewickelt.
Andrea Fillinger von der Nürnberger Mordkommission erklärt: „Dejan B. hat ab 2014 auf den Namen von Alexandra R. und auch auf das volle Risiko von Alexandra R. ein Immobiliengeschäft aufgezogen.“ Alexandra R. stellte ihren Namen und ihre Kreditwürdigkeit zur Verfügung, hatte mit den eigentlichen Geschäften jedoch nichts zu tun. Der Ex-Freund soll so seinen luxuriösen Lebensstil finanziert haben.

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Nachdem Alexandra R. ihre Pflegetochter zu einer Kindestagesstätte gebracht hat, verschwand die hochschwangere Frau.
Im März 2022 trennte sich die 39-Jährige dann nach einem heftigen Streit von Dejan B., sperrte ihn aus ihren Konten aus und erstattete Anzeige wegen Betrugs. Zeitweise flüchtete sie sogar in ein Frauenhaus. Fillinger ist überzeugt: „Sie hatte Angst vor ihm.“
Eine erste Spur liefert Alexandras Handy, das zuletzt in Südtirol geortet werden kann. Als die Polizei schließlich jemanden erreicht, meldet sich jedoch ein Lkw-Fahrer, der das Telefon auf seinem Sattelzug gefunden hatte. Für die Staatsanwaltschaft ergibt sich aufgrund der Vorgeschichte zwischen Dejan B. und Alexandra R. ein Anfangsverdacht, der sich durch weitere Indizien immer weiter zuspitzen sollte.
Die Polizei kann mithilfe von Überwachungskameras in der Nachbarschaft schließlich nachvollziehen, wohin Alexandra R. nach der Kita gefahren war. Sie besuchte eine ihrer Immobilien, um diese für einen Mietinteressenten vorzubereiten. Auf den Aufnahmen ist zu erkennen, wie Alexandra R. dabei von einem zweiten Wagen verfolgt wird. Einige Zeit später - vermutlich nach dem Besuch der Immobilie - machen sich beide Autos gemeinsam auf den Rückweg. Die Aufnahmen zeigen: Im ersten Wagen sitzt nun Ugur T., der Geschäftspartner von Dejan B.
Die Indizien gegen die Beschuldigten verdichten sich immer mehr
Die Ermittler durchsuchen daraufhin die Immobilien und entdecken Klebeband, an dem sich Haare befinden. Bei einer näheren Untersuchung stellt sich heraus: Die Haare wurden herausgerissen und stammen von Alexandra R. Für die Ermittler spricht alles dafür, dass Alexandra in dem Haus überwältigt, geknebelt und entführt wurde. Die Hauptbeschuldigten: Dejan B. und Ugur T.

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Die Spur führte die Ermittler unter anderem zu einer Lagerhalle, etwa 40 Kilometer entfernt von Nürnberg.
Auch ein Motiv sehen die Ermittler: „Ab dem Moment der Trennung und des Aussperrens aus den Konten, hatten beide Beschuldigte keine finanziellen Mittel mehr“, erklärt Simon Ernstberger von der Mordkommission Nürnberg. Dafür spricht auch der zeitliche Ablauf, denn Alexandra R. verschwand sechs Tage, bevor es zwischen ihr und Dejan B. zum Prozess kommen sollte.
Und die Hinweise gegen die beiden Männer verdichteten sich immer mehr. Auf dem Handy von Dejan B. finden die Ermittler das Foto einer leeren Lagerhalle. Dieses wurde ihm kurz nach Alexandras Verschwinden von einem Mitarbeiter zugesendet. Die Ermittler machen sich auf den Weg in die rund 40 Kilometer von Nürnberg entfernte Halle. Außer einem Besen ist der neu verputzte Raum leer. Jedoch: An dem Besen werden Haare von Alexandra R. gefunden. Da die Halle vor dem Zeitpunkt ihres Verschwindens noch nicht existierte, gilt dies als weiteres wichtiges Indiz. Für Haftbefehle reicht die Beweislage jedoch noch nicht.
Dies sollte sich ändern, als die Staatsanwaltschaft plötzlich ein Schreiben erreicht. Es ist an das Landesgericht Nürnberg adressiert - und stammt von Alexandra R. In dem Brief vom 9. Dezember 2022, dem Tag ihres Verschwindens, erklärt die Vermisste, sie wolle alle Anzeigen und Vorwürfe gegen Dejan B. fallen lassen. Zwar bestätigen Gutachter Schrift und Unterschrift als echt, gehen aber davon aus, dass das Schreiben unter Druck diktiert wurde.
Leiche von Alexandra R. wurde bis heute nicht gefunden
Das bestätigt sich, als die Ermittler im Auto von Dejan B. Druckerpapier finden, auf dem sich das Schreiben von Alexandra R. durchgedrückt hatte. Offenbar wurden die Blätter als Unterlage für das Anzeigerücknahme-Schreiben verwendet. „Das war fast vollständig erkennbar“, erinnert sich Filinger. „Wir hatten damit die eindeutige Zuordnung zu unserem Beschuldigten.“
„Es waren viele Indizien, die da ineinander gespielt haben“, fasst es Oberstaatsanwältin Alexandra Hussennether zusammen. Und so kam es schließlich zu einem Indizienprozess. Dejan B. und Ugur T. werden festgenommen und später wegen gemeinschaftlichen Mordes, Freiheitsberaubung mit Nötigung sowie Schwangerschaftsabbruchs mit Todesfolge angeklagt. Obwohl beide schweigen und weder Leiche, Tatwaffe noch Tatort gefunden werden konnten, verurteilt das Gericht sie aufgrund der Vielzahl an Indizien zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Die Staatsanwaltschaft geht von einem blutarmen Mord aus. Wo sich ihre Leiche befindet, ist bis heute unklar.
Im März 2026 wird Alexandra R. mehr als drei Jahre nach ihrem Verschwinden für tot erklärt. Simon Ernstberger vermutet: „Ich fürchte, dass der Leichnam gefunden wird, entweder aus Zufall oder weil jemand, der noch etwas über den Fall weiß, eines Tages doch noch zu der Erkenntnis kommt, das offenlegen zu wollen.“ (tsch)
