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Abrechnung mit True CrimeNRW-Opferbeauftragte kritisiert TV-Formate als Grenzüberschreitung

Vorstellung Opferbeauftragte - Schulze-Lange

Copyright: Oliver Berg/dpa

Die scheidende Opferbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Barbara Havliza, hält mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg.

NRW-Opferbeauftragte rechnet mit True-Crime-Shows ab.

Barbara Havliza, die scheidende Opferbeauftragte von NRW, hat in drei Jahren im Amt und nach über 30 Jahren im Richterdienst enormes Leid gesehen und spricht sich klar gegen sensationslüsterne True-Crime-Sendungen aus. Zahlreiche Betroffene reagierten schockiert, wenn sie ihre eigene Leidensgeschichte in solchen Formaten entdecken, äußerte die 68-Jährige bei ihrem offiziellen Abschied in Düsseldorf.

„Sie erleben dann alles noch mal und es wird alles wieder hochgeholt“, erklärte die frühere Justizministerin von Niedersachsen. „Das ist ganz schwierig für Opfer, die schlimme Sachen erlebt haben.“ Aus diesem Grund könne sie nur zu mehr Sensibilität aufrufen.

Show-Obduktionen in den Medien – „eine Grenzüberschreitung“

Eine rote Linie wird laut Havliza bei Sendungen überschritten, die einzig dem Zweck dienen, mit dem Label „Das ist jetzt was Echtes“ das Krimi-Publikum zu fesseln. „Und das triggert die Betroffenen und Angehörigen, wenn es Tötungsdelikte waren“, unterstrich die langjährige Juristin. „Stellen Sie sich mal vor, einer aus Ihrem Familienkreis wäre ermordet worden und Sie fänden das fünf Jahre später als True-Crime-Story reißerisch aufgemacht im Fernsehen wieder.“

Als Tabubruch wertet sie es ebenfalls, wenn Forensiker Autopsien medienwirksam inszenieren. „Ich weiß nicht, ob man sich keine Gedanken darüber macht, was man damit anrichtet bei denen, die es angeht“, äußerte Havliza ihr Unverständnis.

Lob für einen TV-Dauerbrenner

Für die TV-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ bricht die in Dortmund geborene Frau jedoch eine Lanze. Das sei „ein Klassiker“, so Havliza. „Das ist kein True Crime, das ist ja im Grunde nur eine öffentliche Fahndung.“

Vorstellung Opferbeauftragte

Copyright: Oliver Berg/dpa

Die langjährige Siegener Landgerichtspräsidentin Dagmar Schulze-Lange hat ihr neues Amt als Opferbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen angetreten.

Amtsübergabe: Die Nachfolgerin stammt aus Siegen

Seit März 2023 hatte Havliza die Position der Opferbeauftragten für NRW inne und wurde Mitte April von Dagmar Schulze-Lange, der langjährigen Präsidentin des Landgerichts Siegen, abgelöst. Nordrhein-Westfalen hatte bereits Ende 2017 eine Vollzeit-Institution für die Belange von Verbrechensopfern eingerichtet und die Position 2022 mit dem Opferbeauftragtengesetz gesetzlich festgeschrieben.

Die Amtsinhaberin agiert unabhängig, ist ausschließlich dem Gesetz verpflichtet und verfügt über umfassende Auskunftsansprüche. Ihre Dienststelle dient als zentrale Anlaufstelle, die Menschen nach Gewalttaten sowie deren Familien an fachkundige Hilfsangebote weiterleitet. Sie stimmt zudem die Zusammenarbeit von Opferhilfe-Vereinen ab und lenkt bei großen Katastrophenfällen – wie dem Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund in Solingen im Sommer 2024 – die psychosoziale Notfallversorgung des Bundeslandes. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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