Der WDR muss zugleich sparen und investieren – das bekommen Zuschauerinnen und Zuschauer schon bald im Programm zu spüren. Zudem wird jede dritte durch Verrentung frei werdende Stelle bis 2030 nicht neu besetzt.
Kahlschlag beim WDRKölner Sender streicht 76 Angebote und plant Stellenabbau

Copyright: WDR / Annika Graeff
Das Magazin „Frau TV“, hier mit Moderatorin Lisa Ortgies, läuft seit 1997 und wird demnächst eingestellt.
Aktualisiert:
„Schlanker, stärker, digitaler in die Zukunft“ – unter diesen Schlagworten hat der Westdeutsche Rundfunk am Freitag (25. September) über seine Reformvorhaben informiert.
Dahinter verbirgt sich allerdings eine Maßnahmenliste, die nicht zuletzt mit Streichungen und Einsparungen verbunden ist. Das betrifft sowohl die Belegschaft des öffentlich-rechtlichen Senders als auch das Programm.
Festangestellte und Freiberufler vom WDR-Sparkurs betroffen
Bereits im Frühjahr hatte der WDR entschieden, sein Programmportfolio von heute etwa 600 auf 300 Angebote im Jahr 2030 zu reduzieren. Nun wurde konkret gemacht, welche bestehenden Formate unter anderem wegfallen sollen. Der vielleicht prominenteste Fall ist das Magazin „Frau TV“, das seit 29 Jahren im WDR-Fernsehen läuft und nach dem Ende von „ML Mona Lisa“ (ZDF) das letzte Frauenmagazin im deutschen Fernsehen ist.
Die beliebte Naturdoku-Reihe „Erlebnis Erde“, bislang ein Primetime-Produkt unter anderem am Montagabend im Ersten, wird „komplett ins Digitale“ verlagert. Bisherige Digitalangebote wie „studio M“, „Lisas Paarschitt“ und „Doc Esser“ werden gestrichen.
Insgesamt sollen 76 Angebote in einem ersten Schritt eingestellt werden. „Es handelt sich um lineare und auch digitale Angebote, die ihre Zielgruppe nicht gut genug erreichen oder die nicht zu den strategischen Schwerpunkten des WDR gehören“, heißt es in der Mitteilung. Im Frühjahr 2027 soll die Entscheidung über weitere Programmstreichungen fallen.
Wie alle öffentlich-rechtlichen Sender leidet auch der WDR unter steigenden Ausgaben, während die ersehnte Erhöhung des Rundfunkbeitrags nicht beschlossen wurde. „Die Mediennutzung verändert sich rasant, unsere Finanzierung ist ungewiss, unsere Kosten steigen“, lässt sich WDR-Intendantin Katrin Vernau in der Mitteilung ihres Hauses zitieren. Gleichzeitig benötige man mehr Mittel für digitale Angebote. Denn der sogenannte Kipppunkt in der Mediennutzung weg vom linearen TV-Konsum komme „früher als bisher angenommen“.
„Angesichts des real sinkenden Etats bei nominal derzeit konstantem Beitragsaufkommen werden auch die Personalkosten gesenkt“, heißt es weiter in der WDR-Mitteilung. Wie der Personalabbau vonstattengehe, macht das Schreiben ebenfalls transparent: „Jede dritte durch Verrentung frei werdende Stelle soll bis 2030 nicht neu besetzt werden. Auch Beauftragungen freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden weniger werden.“
Zudem sollen „Prozesse in Produktion, Technik und Verwaltung (...) stärker standardisiert, gebündelt und zentralisiert“ und überdies Fixkosten für die Infrastruktur gesenkt werden. Bis Ende 2028, schreibt der WDR, wolle man die genutzten Büro- und Produktionsflächen um rund 100.000 Quadratmeter gegenüber 2017 senken. (tsch)
Wie ist eure Meinung zum WDR? Jetzt hier schnell und einfach kommentieren.
Hau raus!
Werde Leserreporter/in
Du hast Fragen zu unserem Leserreporter-Programm?
Hier geht's zu den F.A.Q.