Kölner Survival-“Tatort“Darum boomt die Prepper-Szene - und darum wird sie beobachtet

Dass es die Kölner Routiniers Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Schenk (Dietmar Bär) in ihrem 96. Fall mal mit Preppern zu tun bekommen, hätten sie zu Beginn ihrer „Tatort“-Karriere 1997 auch nicht gedacht. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

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Dass es die Kölner Routiniers Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Schenk (Dietmar Bär) in ihrem 96. Fall mal mit Preppern zu tun bekommen, hätten sie zu Beginn ihrer „Tatort“-Karriere 1997 auch nicht gedacht. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

Der 96. Krimi mit Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) verknüpfte zwei gute Ideen: die Täter-Hatz in einer aufgrund einer Bomben-Entschärfung leeren Stadt und Prepper, die für die Endzeit trainieren. Wie realistisch war „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“?

Der neue Krimi mit den Ermittlern Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) spielt in einem teils menschenleeren Köln - und in der Prepperszene. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

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Der neue Krimi mit den Ermittlern Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) spielt in einem teils menschenleeren Köln - und in der Prepperszene. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

Zwei an sich gute Ideen verknüpfte der „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“ zu einem etwas lahmen Thriller. Diese Plot-Konstruktion versprach im Vorfeld mehr Spannung: Weil eine Weltkriegsbombe gefunden wird, müssen große Teile der Kölner Innenstadt evakuiert werden. Eben dort müssen die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) Prepper ausfindig machen, die - ohne Kenntnis der Bombe - unter der Erde das Überleben in der Endzeit proben.

Warum werden immer noch Weltkriegsbomben in deutschen Städten gefunden? Ging die Entschärfung bis jetzt immer gut? Und warum sind Prepper eigentlich so angesagt?

Worum ging es?

Kursteilnehmerin Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) und Survivaltrainer Moritz Zechmann (Florian Stetter) haben kein Vertrauen ineinander. Wer spielt hier welches Spiel? (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

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Kursteilnehmerin Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) und Survivaltrainer Moritz Zechmann (Florian Stetter) haben kein Vertrauen ineinander. Wer spielt hier welches Spiel? (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

Am Rand eines Kölner Parks wird einem Mann nachts die Kehle durchgeschnitten. Zur gleichen Zeit versucht seine Schwester Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) verzweifelt, ihn zu erreichen. Offenbar hatten die Geschwister im „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“ gemeinsam etwas vor. Doch nur Elara steigt in ein Auto, das Teilnehmer zu einem Prepperkurs in einem Kölner Bunker bringt. Geleitet wird das Survivaltraining von Moritz Zechmann (Florian Stetter), der auch seinen Sohn Mats (Paul Ahrens) mitgebracht hat. Warum wollten die Geschwister an diesem Kurs teilnehmen - und warum musste der Bruder vorher sterben?

KTU-Fachkraft Natalie Förster (Tinka Fürst) untersucht den Tatort im aktuellen Fall der Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, Mitte) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

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KTU-Fachkraft Natalie Förster (Tinka Fürst) untersucht den Tatort im aktuellen Fall der Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, Mitte) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Während Ballauf und Schenk die Familienverhältnisse des Opfers durchleuchten, sorgt der Fund einer Weltkriegsbombe im Stadtgebiet für zusätzliche Brisanz: Die Ermittler müssen den Ort des Survivaltrainings finden, da dort der Schlüssel zum Mordfall liegen dürfte - doch weite Teile Kölns sind wegen der Bombe gesperrt.

Worum ging es wirklich?

Birgit Heitkamp (Ann-Kathrin Kramer) unterhält außerhalb von Köln einen Gnadenhof für betagte Tiere. Sie ist die Cousine des Mordopfers.
 (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

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Birgit Heitkamp (Ann-Kathrin Kramer) unterhält außerhalb von Köln einen Gnadenhof für betagte Tiere. Sie ist die Cousine des Mordopfers. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

Das erfahrene Drehbuchehepaar Eva und Volker Zahn - wohnhaft in Köln - verbindet in seinem neuen „Tatort“ zwei reizvolle Ideen: ein Porträt der Prepper-Szene mitsamt ihrer Beweggründe und die dystopische Vision einer menschenleeren Stadt. Beide Motive greifen ineinander, denn Prepper bereiten sich genau auf solche Ausnahmezustände vor - auf eine Welt, in der die öffentliche Ordnung und Versorgung zusammengebrochen sind.

Ironisch dabei: Die unter der Erde abgeschotteten Prepper bekommen von der Evakuierung nichts mit, da sie zu Kursbeginn ihre Handys abgeben mussten - ein weiterer gelungener Einfall. Trotzdem kommt der „Tatort“ weder als Spannungsstück noch als Prepper-Porträt in Fahrt. Zu klischeehaft sind die Figuren, zu öde gebaut der Thriller-Plot. Tiefgründiger geht es im Film darum, ob man extreme Herausforderungen gemeinsam bewältigen will - oder das „Survival of the Fittest“-Prinzip ausruft.

Wie gefährlich sind Weltkriegsbomben-Funde?

Moritz Zechmann (Florian Stetter, rechts) hat seinen Sohn Mats (Paul Ahrens) zum Survivalkurs mitgebracht.
 (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

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Moritz Zechmann (Florian Stetter, rechts) hat seinen Sohn Mats (Paul Ahrens) zum Survivalkurs mitgebracht. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

Schätzungsweise 1,9 Millionen Tonnen Bomben wurden während des Krieges auf Deutschland abgeworfen - vermutlich war jede zehnte davon ein Blindgänger. Diese gewaltige Zahl erklärt, warum heute immer noch Bomben meist bei Bauarbeiten gefunden werden. Die größte Bombenentschärfung im Nachkriegs-Deutschland ist noch keine zehn Jahre her: 2017 wurde in Frankfurt eine britische 1,8-Tonnen-Bombe des Typs HC 4000 gefunden, wegen derer bis zu 70.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen mussten - die größte Evakuierung im Nachkriegsdeutschland.

Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) nimmt an einem Prepperkurs teil, obwohl diese Szene wohl eigentlich nicht so ihr Ding ist.  (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

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Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) nimmt an einem Prepperkurs teil, obwohl diese Szene wohl eigentlich nicht so ihr Ding ist. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

Auch Köln ist immer wieder betroffen: 2024 wurde dort der größte Blindgänger des Jahres gefunden, eine amerikanische 20-Zentner-Bombe bei Bauarbeiten im Bereich der Gereon-Kaserne, und im Juni 2025 mussten in Köln gleich drei Weltkriegsbomben gleichzeitig entschärft werden.

Nicht immer ging bei Entschärfungen alles gut: Der schwerste Zwischenfall ereignete sich 2010 in Göttingen. Dort starben drei Arbeiter und sechs wurden verletzt, als eine 500 Kilo schwere alliierte Bombe explodierte. Die Bombe detonierte überraschend, kurz bevor mit der eigentlichen Entschärfung begonnen werden sollte.

Warum sind Prepper derzeit so populär?

Survivaltrainer Moritz Zechmann (Florian Stetter) ruft eine neue Übung aus. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

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Survivaltrainer Moritz Zechmann (Florian Stetter) ruft eine neue Übung aus. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost)

Die Szene wuchs vor allem seit der Corona-Pandemie stark, als leere Supermarktregale Lieferkettenprobleme offenlegten und viele Menschen erkannten, wie verletzlich das „Just in time“-Versorgungssystem eigentlich ist. Dazu kamen seither weitere Krisen wie Kriege, Naturkatastrophen und Inflation, die das Interesse zusätzlich befeuerten. Auch der Staat trägt zum Prepper-Boom bei: Was vor zehn Jahren als übertrieben galt, steht heute in offiziellen Empfehlungen - das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rät mittlerweile offiziell zu einem Vorrat für mindestens zehn Tage. Die Bewegung ist dabei längst auch ein Wirtschaftsfaktor mit eigenen Zulieferern für Notfallausrüstung.

Die Bundeszentrale für politische Bildung verortet die Popularität von Survivalkursen und Preppertum in einem pessimistischen Zeitgeist sowie in deutschen Abstiegsängsten. Prepping wird als Versuch gedeutet, sich angesichts diffuser gesellschaftlicher Verunsicherung ein Stück Kontrolle zurückzuholen.

Gleichzeitig gibt es eine politisch brisante Facette: Teile der Prepper-Szene stehen seit 2017 unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, nachdem ein rechtsextremes Netzwerk aufgedeckt wurde, das den Sturz der Regierung am „Tag X“ geplant haben soll. Dadurch erscheint der Prepper in den Medien oft als ambivalente Figur - zwischen paranoidem Spinner, faszinierendem Exoten und potenziellem Sicherheitsrisiko.

Wie geht es beim Kölner „Tatort“ weiter?

Fest stehen bereits die nächsten beiden Fälle aus Köln. Folge 97, „Tatort: Die guten Leute“ (Arbeitstitel), wurde schon im Oktober 2025 abgedreht. Ballauf und Schenk klären einen Raubmord auf - im Fokus steht die etablierte Kölner Bio-Bäckerei „Bernds Backhaus“, ein Familienunternehmen, dessen heile Fassade trügt. Das Drehbuch stammt von Johannes Rotter, Regie führte Katrin Schmidt.

Folge 98 trägt den Arbeitstitel „Tatort: Der Glücklichmacher“ (Arbeitstitel), auch dieser Film ist unter der Regie von Torsten C. Fischer bereits abgedreht worden, das Drehbuch stammt wie bei „Die Schöpfung“ von Wolfgang Stauch. Es geht um ein Familiendrama im noblen Kölner Villenviertel Hahnwald. Ein ehemaliger Modefürst und Lebemann der Upper Class wird tot im Wald gefunden, die Ermittler erleben eine zerrüttete Familie mit alten Verletzungen und tiefem Misstrauen. (tsch)

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