„heute-show“ Gernot Hassknecht bekommt Morddrohungen – seine Reaktion ist einzige Lösung

Schauspieler Hans-Joachim Heist zeigt eine Faust Richtung Kamera.

Als Gernot Hassknecht poltert Hans-Joachim Heist, hier beim Musikpreis „Echo Klassik“ 2014, auf der Bühne richtig los. Manch Zuschauer befürchtete schon einen Herzkasper.

Unser Reporter sprach mit dem Mann, der den Schreihals der Nation und Ausraste-König der „heute-show“ mimt: Hans-Joachim Heist. An seiner Figur Gernot Hassknecht scheiden sich die Geister – und das bekommt der Künstler auch im Privaten zu spüren...

Nicht der Größte im Ensemble, aber der mit der größten Klappe – und wahrscheinlich auch mit dem größten Erfolg: Der hessische Schauspieler Hans-Joachim Heist (72) ist der Choleriker „Gernot Hassknecht“ der ZDF-Satire-„heute-show“.

Doch er geht mit diesem Erfolg nicht hausieren. Wenn er sein Heinz-Erhardt-Programm „Noch’n Gedicht“ abzieht (gerade wieder im Kölner Urania-Theater gefeiert), weiß kaum einer im Publikum, dass er als Hassknecht alles in Grund und Boden schreien kann.

„heute-show“ (ZDF): Gernot Hassknecht im EXPRESS-Interview

Zu Ihrem Hassknecht gehört, dass Sie in wenigen Sekunden von null auf 100 kommen und dann Ihre Meinung rausschreien müssen: Gefährdet Gernot Hassknecht Ihre Gesundheit?

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Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Es gibt Menschen, die halten das für gefährlich, warnen mich vor einem „Herzkasper“. Aber keine Angst: Es ist kein Problem, man lernt solche Ausbrüche auf der Schauspielschule. Das ist wie beim Leistungssportler! Wenn der seine höchste Leistung generiert, geht der Puls hoch und steigt der Blutdruck – aber es geht alles wieder runter, und alles ist in Ordnung.

Hans-Joachim Heist (r.) sieht zu Horst Stellmacher auf und zeigt mit dem Finger auf ihn.

Reporter Horst Stellmacher hat um einen echten Hassknecht-Anschreier gebeten.

Wie kamen Sie zu der Rolle?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Meine Agentur hatte fünf Filmchen gedreht, auf denen ich zeigte, was ich künstlerisch zu bieten habe. Auf einem war ich als cholerischer Familienvater zu sehen. Das hat der für die „heute-show“ zuständige ZDF-Redakteur gesehen. Ich wurde zum Casting eingeladen, dann ging’s los. Allerdings war mir da noch nicht klar, was diese Rolle für mich bedeutete. Es war eine Art Ritterschlag. Ich bin Hassknecht dankbar.

Gab es da den Namen Gernot Hassknecht schon?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Ja, das war die Erfindung von Oliver Welke, Olli ist der eindeutige Vater der Figur. Er schreibt auch heute noch mit dem Headautor die meisten Hassknecht-Texte.

Sie sind ziemlich spät – erst mit Anfang 60 – zu Popularität gekommen. Schon mal bedauert, dass es nicht früher passierte?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Nein. Ich weiß auch nicht, ob das gut für mich und meine Schauspieler-Laufbahn gewesen wäre. Mit einer Figur wie Hassknecht wird man schnell in eine Schublade gesteckt. Aber mit 60 so eine Rolle zu kriegen, ist ein Geschenk.

Das Team der "heute-show" Olaf Schubert (l-r), Hans-Joachim Heist, Oliver Welke und Martina Hill posiert am 13. November 2014 in Berlin bei der Verleihung des Medienpreises Bambi.

Mit der „heute-show“ konnte Heist, hier mit den Kollegen Olaf Schubert, Oliver Welke und Martina Hill, schon diverse Preise einheimsen.

Nervt’s, als „Herr Hassknecht“ angesprochen zu werden?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Im Gegenteil. Die meisten sagen dann auch noch: „Aber bitte nicht anschreien!“, aber sie lachen dabei, machen ein Selfie. Ist doch ein schönes Gefühl, wenn man aufgrund einer Rolle erkannt wird. Dann hat man nichts falsch gemacht.

„heute-show“ (ZDF): Morddrohungen gegen Gernot Hassknecht

Gibt’s auch Leute, die nicht lachen, wenn sie Sie sehen?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Klar, die Rolle polarisiert. Ich halte mich deswegen längst total aus sozialen Netzwerken raus. Da wird nicht nur viel Unsinn verbreitet, da schlägt mir oft auch offener Hass entgegen. Reichte sogar bis zu Morddrohungen, wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. Manchmal hätte ich nur noch kotzen können über das, was da zu lesen war. Brauche ich nicht mehr!

Sie sind im wunderschönen Kölner Urania-Theater mit Ihrem Heinz-Erhardt-Programm gefeiert worden – im Publikum wusste kaum einer, dass Sie Gernot Hassknecht sind. Warum verschweigen Sie es?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Natürlich sagen mir viele: „Lass beim Erhardt mal den Hassknecht raus!“ Das habe ich getrennt, weil es zwei verschiedene Figuren sind. Ich habe im Heinz-Erhardt-Programm nie ein Wort Hassknecht gebracht, im Hassknecht-Programm nie ein Wort Heinz Erhardt. So bleibt es. Hassknecht wird längst vergessen sein, wenn man noch weiß, wer Heinz Erhardt war.

Hans-Joachim Heist hält ein kleines Glas hoch und lächelt in die Kamera.

Hans-Joachim Heist im Kölner Urania-Theater. Dort wurde sein Heinz-Erhardt Programm gerade bejubelt.

Waren Sie als junger Mensch auch schon komisch?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Der Hang zur Komik war immer da, ich war Klassenclown, habe Lehrer parodiert. Später habe ich mit Parodien von Schauspielern und Politikern mein Studium verdient, daraus mein parodistisches Programm „Alles Schminke“ gemacht.

Man sagt, Politiker von einst seien leichter zu parodieren als die von heute. Warum?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Politiker von heute haben diese Eigenarten nicht mehr, die bei Willy Brandt, Franz Josef Strauß, Herbert Wehner oder Norbert Blüm da waren. Die hatten eine eigene Art in der Sprache, die haben sie gepflegt. Mit der Gleichheit der Meinungen sind sich auch die Stimmen ähnlicher geworden.

Haben Sie auch große Liebhaber gespielt?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Ich habe fast alles gespielt, aber jugendlicher Liebhaber war ich nie. Romeo ist mir nie angeboten worden. Aber ich würde gern mal einen geheimnisvollen Mörder spielen.

Hans-Joachim Heist und seine Frau Karin kommen über den Roten Teppich zur Verleihung des «Deutschen Comedypreises».

Hans-Joachim Heist mit seiner Frau Karin auf dem roten Teppich beim Comedy-Preis im Oktober 2021. Privat wird er nur selten zum Hassknecht-Typen.

Sind Sie privat wie Hassknecht?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Ich bin eher ein Heinz-Erhardt-Typ, mit Schalk im Nacken. Mir platzt ganz selten der Kragen. Aber wenn, dann bin ich wie Gernot Hassknecht.

Wann kommt das vor?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Ich wohne am Stadtrand, direkt am Wald. Zwischen Wald und Weg ist ein Streifen von zwei Meter Breite, der als Blumenwiese gedacht, aber zum größten Hundeklo der Stadt geworden ist. Ich habe die Haufen schon mit Fähnchen markiert, mit Pulver bestreut, die die Hunde abschrecken sollen. Hat nichts genutzt. Als jetzt Weihnachten wieder Frauchen und Herrchen ihre Lieblinge losließen, bin ich sehr, sehr laut geworden. Aber das wird nicht lange vorhalten.

Corona hat auch 2021 die ganze Kulturbranche gebeutelt. Sind Sie auch betroffen?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Ich war nicht viel besser dran. Allerdings war ich in der glücklichen Lage, dass ich viel Fernsehen machen durfte und nicht so sehr auf die Hilfe des Staates angewiesen war. Viele Kollegen mussten aufhören, fahren Taxi oder versuchten, in der Gastronomie zu landen. Ob sie noch ihre Miete oder beim Bäcker ihr Brot bezahlen konnten, hat viele Politiker, die lautstark Hilfe versprochen hatten, nicht interessiert.

Das seltsame Jahr 2021 – was würde Gernot Hassknecht ihm hinterherschreien?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht:Verpiss dich, aber lautlos und versuche nicht als Reinkarnation 2022 wiederzukommen!

Was wünschen Sie sich 2022?

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht: Dass Bühnenkünstler und Zuschauer wieder gemeinsame Abende verbringen dürfen. Ohne Publikum ist der Bühnenkünstler wie ein Fisch ohne Wasser!

„heute-show“-Star engagierte sich politisch für die SPD in Hessen

Hans-Joachim Heist (geboren am 11. Januar 1949 in Seeheim-Jugenheim) machte eine Installateur-Lehre, begann ein Bauingenieur-Studium und brach es wieder ab. Er wechselte zum Schauspiel-Studium in Wiesbaden. Es folgten Engagements u. a. in Marburg, Darmstadt, Frankfurt am Main, Krefeld-Mönchengladbach, Zürich und Mannheim.

Er stellte einige eigene Parodie-Programme (u. a. Heinz-Erhardt-Programm) auf die Beine und wirkte in mehr als 70 Film- und TV-Produktionen mit (u. a. Peter Däumel in „Diese Drombuschs“ und Polizeimeister Fritz Zatopek in „SOKO Köln“). Seit 2010 ist er der cholerisch schreiende Gernot Hassknecht in der „heute-show“. Heist hat zwei Kinder und lebt in Pfungstadt, wo er sich für die SPD in der Kommunalpolitik engagierte.

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