Nach den historischen Midterm-Ergebnissen richtete sich der Blick bei „Markus Lanz“ schnell auf die Frage, wie die US-Demokraten nun weitermachen. Autor Jörg Wimalasena mahnte in der Runde zu strategischer Disziplin und warnte eindringlich davor, sich in symbolischen Machtkämpfen zu verlieren.
Experte warnt US-Demokraten bei Lanz deutlich„Das Dümmste, was man jetzt machen könnte“
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Angesichts der historischen Resultate bei den US-Zwischenwahlen nahm Markus Lanz am Mittwochabend (4. November) die politische Lage in den Vereinigten Staaten unter die Lupe. Der Moderator wollte gleich zu Beginn wissen: „Was hat sich verändert in der amerikanischen Politik?“
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ordnete die Dimension der Midterms ein und verwies auf Ergebnisse, die es so seit Jahrzehnten nicht gegeben habe: „In Kansas ist zum ersten Mal ein demokratischer Senator gewählt worden seit 1932. (...) In Texas haben wir einen demokratischen Senator zum ersten Mal seit 33 Jahren!“
Trump-Pleite: „Ist es das Ende dieser Präsidentschaft?“
Für Lanz war das die Steilvorlage, um direkt auf den Präsidenten zu schauen. Er fragte in Bezug auf Donald Trump: „Ist es das Ende dieser Präsidentschaft?“ Politologin Cathryn Clüver Ashbrook reagierte vorsichtig: „Ja, es ist zumindest eine Drohgebärde gegen diesen Präsidenten.“
Ihrer Einschätzung nach hätten viele Amerikaner das Bedürfnis gehabt, „Donald Trump einen Denkzettel“ zu verpassen. „Es war im ersten Moment tatsächlich eine Anti-Trump-Wahl“, erklärte sie. Als Lanz nachhakte, warum sich die Stimmung so gedreht habe, wurde Clüver Ashbrook deutlich: „Er hat die Institutionen entkernt, er hat die Funktionen der Demokratie entkernt. Er hat so viel Macht auf das Weiße Haus zentriert. Das wollten die Amerikaner nicht mehr.“
Lanz reagierte mit einem Lächeln und fragte: „Ist das nicht eigentlich eine echt gute Nachricht?“ Autor Jörg Wimalasena sah das grundsätzlich ähnlich, verband die Wahlschlappe für Trump jedoch auch mit konkreten Krisen. Er warnte: „Jetzt hat Trump mit dem Irankrieg für eine riesen Inflationskrise gesorgt. Es gibt auch eine riesen Gesundheits-Finanzierungskrise. (...) Das sorgt dann für solche Wahlergebnisse, die sie jetzt sehen.“
Elmar Theveßen: „Wir sehen vor allen Dingen junge Menschen, die sich abgewendet haben“
Im weiteren Verlauf wollte Lanz wissen, wie die Amerikaner selbst auf das Wahlergebnis blicken. Elmar Theveßen beschrieb eine spürbare Erleichterung und gab zu: „Man kann sehr genau sehen, dass viele hier aufatmen, weil sie eingesehen haben: System sprengen alleine reicht nicht.“ Besonders auffällig sei, dass frühere Trump-Anhänger zunehmend dem Präsidenten die kalte Schulter zeigten. „Wir sehen vor allen Dingen junge Menschen, die sich abgewendet haben“, so der Journalist.
Doch trotz des immensen Erfolgs der Demokraten seien die Handlungsmöglichkeiten begrenzt, mahnte Jörg Wimalasena. „Man kann jetzt keine Gesetze verabschieden, weil der Präsident immer noch Trump heißt und er natürlich ein Veto gegen alles einlegen kann“, erklärte er. Umso wichtiger sei es, nicht in alte Reflexe zu verfallen. Wimalasena formulierte eine klare Warnung: „Das Dümmste, was man jetzt machen könnte, ist jetzt wieder irgend so ein Impeachment - also so ein Amtsenthebungsverfahren - anzustrengen mit irgendeinem Thema, das niemanden interessiert.“
Cathryn Clüver Ashbrook: „Die Demokraten haben stark die Bringschuld“
Stattdessen müssten die Demokraten liefern, gerade bei den Themen, mit denen sie im Wahlkampf gepunktet hätten. „Lebenshaltungskosten zu senken - das ist die Agenda, mit der sie jetzt die Wahl gewonnen haben. Das ist die Agenda, die sie jetzt natürlich auch verfolgen müssen“, sagte Wimalasena mit ernstem Blick. Cathryn Clüver Ashbrook pflichtete ihm bei und zeichnete ein Bild der nächsten Monate: „Die Demokraten haben stark die Bringschuld. Und die Republikaner müssen sich zeitgleich neu erfinden.“

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Politologin Cathryn Clüver Ashbrook wagte bei „Markus Lanz“ den Blick in die Zukunft und warnte vor der Reaktion von Donald Trump in Bezug auf die Niederlage bei den Midterms. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
Ihre Prognose? „Im Land wird es die nächsten paar Monate und Jahre ordentlich rumoren.“ Gleichzeitig bleibe Trump laut der Politologin ein echter Unsicherheitsfaktor. Der Grund: Er sei „innenpolitisch sehr bedroht“, so die Expertin. Genau darin liege eine Gefahr: Trump könne „in der Außenpolitik“ ausscheren, um „große Töne anzuschlagen“ und „sein Bild von sich zu verteidigen, (...) dass er Putin kontrollieren kann und China“. (tsch)

