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Harter Vorwurf trifft Lanz„Wie verzweiftelt ist die Situation wirklich?“

ZDF-Moderator Markus Lanz debattierte mit SPD-Politikerin Katarina Barley über mögliche Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

ZDF-Moderator Markus Lanz debattierte mit SPD-Politikerin Katarina Barley über mögliche Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine.

Aktualisiert

Wie lange hält die Ukraine den russischen Bombenterror in eisiger Kälte noch aus? Bei „Markus Lanz“ sprach SPD-Politikerin Katarina Barley von möglichen Kriegsverbrechen und machte deutlich, wie begrenzt Europas Handlungsspielraum derzeit ist. Der ZDF-Moderator reagierte daraufhin fassungslos.

Zerbombte Stromnetze bei eisigen Temperaturen: Russland intensiviert seine Angriffe auf die Ukraine - laut Präsident Selenskyj gezielt während des kältesten Winters, „um Menschen zu terrorisieren“. Bei „Markus Lanz“ stand am Dienstagabend nicht nur das Leid der ukrainischen Bevölkerung im Fokus, sondern auch die Frage, ob Europa in dieser Situation wirklich handlungsfähig ist.

Sicherheitsexpertin Claudia Major schlug gleich zu Beginn Alarm: „In der Ukraine ist es eigentlich gerade ein Warten darauf, wie dieser Krieg beendet werden kann.“ Laut Major sei Russland jedoch nach wie vor auf einen Sieg programmiert. Gerade deshalb betonte die Expertin eindringlich, dass die Europäer alles versuchen müssten, um „die USA irgendwie an ihrer Seite zu halten, um die Ukraine zu unterstützen.“

Lanz: „Wie verzeifelt ist die Situation tatsächlich?“

Doch von Verlässlichkeit könne keine Rede mehr sein, denn: „Sie sind kein Verbündeter mehr, sie sind ein Moderator. Manche befürchten, sie sind eigentlich auch kein Vermittler, sondern mehr auf der Seite Russlands.“ Ein harter Vorwurf, der Moderator Markus Lanz sichtlich traf: „Wie verzweifelt ist die Situation tatsächlich?“

Aus Kiew zugeschaltet berichtete Journalistin Olivia Kortas: „Seit Oktober 2022 wird die Energieinfrastruktur in den Großstädten in der Ukraine angegriffen.“ Die Journalistin erläuterte weiter, dass Russland aktiv versuche, „die Ukraine tatsächlich ins Unmenschliche zu bomben mit seinen Angriffen“.

Sicherheitsexpertin Claudia Major warnte vor einem Rückzug der USA mit Blick auf die Verteidigung der Ukraine. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Sicherheitsexpertin Claudia Major warnte vor einem Rückzug der USA mit Blick auf die Verteidigung der Ukraine.

Markus Lanz nahm dies zum Anlass, zu fragen, ob ein gezielter Beschuss gegen Zivilisten als Kriegsverbrechen eingestuft werden könne. SPD-Politikerin Katarina Barley nickte vorsichtig, es sei „ein gezielter Angriff“ auf die Zivilbevölkerung: „Das fällt normalerweise unter die Definition von Kriegsverbrechen.“ Der ZDF-Moderator nickte betroffen: „Es ist Terror, was wir da sehen.“

Sicherheitsexpertin Claudia Major sagte ebenfalls deutlich: „Das Land wird in den wirtschaftlichen Ruin bombardiert.“ Der Winter sei dabei schon jetzt „einer der härtesten, eben weil schon so viel Infrastruktur kaputt ist“.

Markus Lanz genervt: „Militärisch haben wir nichts drauf“

Doch was kann Europa gegen diese Eskalation unternehmen? Journalistin Mona Jaeger reagierte nüchtern und stellte klar, dass es kein geeintes Europa gebe: „Aber das Problem ist, dass auf formaler Ebene noch absolut so getan wird.“ Die EU falle laut Jaeger in entscheidenden Fragen immer wieder auseinander. Markus Lanz zeigte sich frustriert: „Militärisch haben wir nichts drauf.“

Katarina Barley verteidigte dennoch die Europäische Union und merkte an: „Die Europäische Union ist kein Staat!“, stellte die SPD-Politikerin fest. „Wir können nicht einfach machen, was wir wollen.“ Große Krisen wie diese könnten jedoch ein Katalysator für Einigkeit sein. Trotzdem sei klar, dass man „nicht erwarten“ könne, „dass jetzt von null auf hundert Europa in der Lage ist, eine Armee zu stellen oder gemeinsam zu verteidigen.“

Markus Lanz (links) diskutierte am Dienstagabend mit SPD-Politikerin Katarina Barley (zweite von links), Sicherheitsexpertin Claudia Major (Mitte), Journalistin Mona Jaeger (zweite von rechts) und Strategieberater Julius van de Laar.  (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Markus Lanz (links) diskutierte am Dienstagabend mit SPD-Politikerin Katarina Barley (zweite von links), Sicherheitsexpertin Claudia Major (Mitte), Journalistin Mona Jaeger (zweite von rechts) und Strategieberater Julius van de Laar.

Neben dem Ukrainekrieg sorgten auch neue Enthüllungen im Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein für Aufsehen. Rund drei Millionen neue Dokumente wurden jüngst veröffentlicht. USA-Experte Julius van de Laar erklärte: „Jetzt brodelt es auch an der Trump-Basis.“ Lanz wollte wissen: „Sind Sie überrascht, wer da alles drinsteht?“ Van de Laar antwortete ehrlich: „Ja! (...) Es ist wirklich allumfänglich.“ Aufschlussreich sei jedoch vor allem, „wie viel davon geschwärzt ist“ - rund 200.000 Seiten seien unlesbar.

Auf die Frage, wie oft Donald Trump in den Akten auftauche, meinte van de Laar: „Es gibt unterschiedliche Quellen. Die einen sagen 1.500. Andere sagen 6.000 Mal.“ Sicher sei nur: „Der Name Donald Trump taucht häufig auf.“ Katarina Barley lenkte den Blick derweil auf einen anderen Aspekt: die Perspektive der Opfer.

„Es gibt die Opfer, es gibt die Frauen. Und viele von denen haben ausgesagt“, stellte die SPD-Politikerin fest. „Die ganzen Jahre über spielen die eigentlich überhaupt keine Rolle“, so Barley. Sie ergänzte sichtlich getroffen: „Ich finde das aus Frauensicht wirklich irritierend, dass wir jetzt versuchen, aus Mails etwas zu destillieren.“ (tsch)

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