Abo

Kontroverser Kriegsfilm von Clint EastwoodEin amerikanischer Held - oder eher nicht?

Im Einsatz ist Chris Kyle (Bradley Cooper, rechts) immer bereit, zu töten. (Bild: RTL / 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. / Village Roadshow Films North America Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC / U.S., Canada, Bahamas and Bermuda.)

Im Einsatz ist Chris Kyle (Bradley Cooper, rechts) immer bereit, zu töten. (Bild: RTL / 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. / Village Roadshow Films North America Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC / U.S., Canada, Bahamas and Bermuda.)

Aktualisiert

Clint Eastwoods Kriegsfilm „American Sniper“ sorgte 2014 in den USA für hitzige Debatten - und angesichts seiner Inszenierung der Lebensgeschichte eines Scharfschützen muss man sagen: Die Diskussionen kamen nicht von ungefähr.

Bei „American Sniper“ (2014) handelt es sich ohne Frage um einen großartigen Kriegsfilm - spannend, ergreifend, echt. Doch ist er auch ein pazifistisches Statement, wie Regisseur Clint Eastwood behauptet? Im Mittelpunkt steht der Scharfschütze Chris Kyle, ein echter amerikanischer Held, dessen wahre Geschichte durch die Presse ging.

Eastwood rückt ihn über zwei Stunden lang in bestes Licht. Das spaltete die Gemüter in den USA: Liberale kritisierten, konservative Kräfte feierten den Patriotismus des Films, der sich dem Rest der westlichen Welt nur schwer erschlossen hatte. VOX strahlt das Werk am Samstag, 17. Januar um 22.40 Uhr aus.

Feinde ohne Gesicht

Dass das rechte Lager in „American Sniper“ eine patriotische Rechtfertigung für den „Krieg gegen den Terror“ sieht, nannte Eastwood bei einer Pressekonferenz eine „dumme Analyse“. Sein Film komme mit „der größten Anti-Kriegs-Aussage, die ein Film machen kann“.

Sein pazifistischer Ansatz zeige sich vor allem in den Szenen, in denen Hauptfigur Chris Kyle jeweils nach seinen vier Einsätzen im Irak nach Hause kehrt. Tatsächlich offenbart Eastwood hier mit scharfem Blick, wie der, von der Einheit „Die Legende“ getaufte, Soldat sich nicht wieder zurechtfindet und wie seine Familie an ihm und seiner Abwesenheit auseinanderzubrechen droht. Die Kamera hält über den ganzen Film auf den aufgepumpten Hauptdarsteller Bradley Cooper.

Chris Kyle (Bradley Cooper) ist vom Krieg gezeichnet. (Bild: RTL / 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. / Village Roadshow Films North America Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC / U.S., Canada, Bahamas and Bermuda.)

Chris Kyle (Bradley Cooper) ist vom Krieg gezeichnet. (Bild: RTL / 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. / Village Roadshow Films North America Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC / U.S., Canada, Bahamas and Bermuda.)

Viel Raum für andere Charaktere bleibt nicht. Weder Chris' Kameraden noch seiner Frau Taya (Sienna Miller), die ihn anfleht, dazubleiben und „wieder Mensch zu werden“, gibt Eastwood Luft zum Atmen.

Natürlich hat er alle Hände voll damit zu tun, den amerikanischen Kriegshelden, liebenden Vater und aufopferungsvollen Helfer hoffnungsloser Veteranen zu porträtieren. Dass er aber dem Feind, der in den Kriegsschauplätzen reihenweise umgemäht wird, kein Gesicht gibt - das war vielen ein Ärgernis. Kehrt man das zur Seite, liefert „American Sniper“ aber nicht nur packende Dramatik, sondern auch einen Blick in amerikanische Gefühlslagen, die man nun verstehen mag - oder nicht. (tsch)