Das Zugunglück von Burgrain hat 2022 ganz Deutschland geschockt. In einer ZDF-Doku der „Am Puls“-Reihe geht Moderatorin Dunja Hayali den Hintergründen auf die Spur - und erfährt von einem anonymen Lokführer der Deutschen Bahn erschreckende Details.
Dunja HayaliUntersuchungsbericht zu Bahnunglück: „Da fällt einem nicht mehr viel zu ein“

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In der „Am Puls“-Doku des ZDF geht Dunja Hayali dem Chaos bei der Deutschen Bahn auf den Grund. (Bild: ZDF / Jonny Müller-Goldenstedt)
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Die Deutsche Bahn ist ein Reizthema in Deutschland. Verspätungen, Ausfälle, sonstige Probleme - so ziemlich jeder auch nur halbwegs regelmäßige Fahrgast hat seine ganz eigenen frustrierenden Erfahrungen gemacht. In der ZDF-Doku der „Am Puls“-Reihe „Unsere Bahn: geliebt, verflucht - gefährlich?“ erfährt Dunja Hayali, dass vor allem die marode Infrastruktur für eine Vielzahl der Komplikationen verantwortlich ist.
Dass eben diese auch wirklich gefährlich sein kann, hat das Unglück am 3. Juni 2022 gezeigt. Eine Regionalbahn entgleist in Burgrain bei Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern. Fünf Menschen sterben, zahlreiche weitere werden verletzt. Dunja Hayali liegt der Untersuchungsbericht vor, „und wenn man sich den durchliest, dann ist man echt ziemlich fassungslos“, sagt sie in der ZDF-Doku.
Dunja Hayali fassungslos: „Das kann eigentlich nicht sein“
Das Gewicht des Zuges habe die Gleise auseinandergedrückt, weil mehrere Bahnschwellen darunter weggebrochen seien. Die Moderatorin berichtet: „Die Deutsche Bahn hat schon seit 2010 davon gewusst, dass es bei ganz bestimmten Betonschwellen zu einem Sicherheitsrisiko kommen kann. Denn die waren vom sogenannten Beton-Krebs befallen.“ Dieser sei erst zu erkennen, wenn sich am Beton äußerlich Risse zeigen. Innen ist die Schwelle dann schon brüchig.

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Für die „Am Puls“-Doku stellt sich Bahnchefin Evelyn Palla (rechts) den Fragen von ZDF-Moderatorin Dunja Hayali. (Bild: ZDF / Felix Korfmann)
„Laut dem Untersuchungsbericht hat die Bahn diese Informationen nicht an Mitarbeiter weitergegeben, die Schwellen kontrollieren müssen“, führt Dunja Hayali weiter aus. Zudem habe die Bahn ihre eigene Regel, dass mangelhafte Betonschwellen nach zwölf Monaten ausgetauscht werden müssen, auf 24 Monate gelockert. Der Grund: „Man wollte den Kostendruck in der Instandhaltung reduzieren.“ Die Journalistin liest weiter: „Nach unserer Einschätzung hätten risikoadäquate Maßnahmen, sagen die Gutachter, den Unfall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert.“
Der zuständige Fahrdienstleiter und der Bezirksleiter wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, Anfang dieses Jahres wurden die beiden Deutsche-Bahn-Mitarbeiter vom Landgericht München II freigesprochen. Der Streckenbeauftragte habe die marode Strecke immer wieder ausbessern wollen, doch, wie Dunja Hayali berichtet, machten die Sparpläne der Deutschen Bahn diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.
Auch das gehe aus dem internen Untersuchungsbericht hervor. „Da sind dann auch so Zitate aufgeführt und als ich die gelesen habe, habe ich gedacht, das kann eigentlich nicht sein“, berichtet die ZDF-Moderatorin. So sei einem Mitarbeiter gesagt worden, dass er sich besser „eine schusssichere Weste und einen Stahlhelm“ anziehen sollte, wenn er zum Vorgesetzten gehe. Dunja Hayali: „Da fällt einem nicht mehr viel zu ein.“
Und wie ist das Risiko jetzt - vier Jahre nach der Katastrophe? Die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, sagt dazu in der ZDF-Doku: „Sicherheit ist bei der Bahn das oberste Gebot“, die Regularien und Richtlinien seien seit 2022 nachgeschärft worden, rund zwei Millionen risikobehaftete Stellen sollen ausgetauscht worden sein. Wie viele es noch gibt, dazu macht die Deutsche Bahn keine Angaben.
Anonymer Lokführer berichtet von „Momenten, in denen ich mich überhaupt nicht wohlfühle“
Ein Lokführer, der anonym bleiben möchte, spricht mit Dunja Hayali über den Ablauf, wenn er ein Problem meldet. „Das melde ich dem Fahrdienstleiter, der nimmt das zur Kenntnis, schreibt es auf, meldet es weiter, vermutlich. Das war's. Dann hört das Wissen darüber auf“, berichtet er. Daher gebe es „auch Momente, in denen ich mich überhaupt nicht wohlfühle“, wenn er sich am Führerstand eines Zuges befinde.
Eine Umfrage seiner Lokführergewerkschaft ergab erschreckende Zahlen: Wenn eine Störung gemeldet wird, erhalten 45,1 Prozent der Befragten „nie“ eine Rückmeldung, 34,6 Prozent „selten“. Aus Sicherheitsgründen fahre der im ZDF befragte Lokführer inzwischen häufig langsamer. Die Folge: Verspätungen.
Die komplette „Am Puls“-Doku „Unsere Bahn: geliebt, verflucht - gefährlich?“ wird am Dienstag, 21. Juli, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt und ist schon jetzt in der Mediathek verfügbar. (tsch)
