800 Millionen Euro investiert, doch das Bahn-Chaos geht weiter. Jetzt schickt NRW-Minister Krischer einen Brandbrief.
Auf sanierter Köln-StreckeMassive Störungen, Kunden wütend – auch Minister tobt

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An der Wupperbrücke der Strecke Köln-Wuppertal zwischen Opladen und Leichlingen wurde ein Schaden entdeckt, weshalb eins der beiden Gleise nicht genutzt werden kann. Wie lange, ist unklar. Foto: Ralf Krieger
Ein Vermögen von 800 Millionen Euro floss in die Modernisierung der Bahnlinie zwischen Köln und Hagen. Das Ergebnis? Eine nicht enden wollende Kette von Pannen.
Dem Verkehrsminister von NRW, Oliver Krischer (Grüne), reicht es laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ jetzt: „Statt einer garantiert leistungsfähigen Strecke für die nächsten Jahre bekommen wir eine neue Baustelle.“
Fünf lange Monate mussten Reisende auf der Verbindung von Köln über Wuppertal nach Hagen ausharren. Nun ist ihr gewohnter Bahn-Alltag zurück, aber die Realität entspricht kaum den Hoffnungen von Philipp Nagl.
Der Vorstandsvorsitzende der DB InfraGo hatte bei der Zeremonie zum Ende der umfassenden Modernisierung am Leverkusener Bahnhof Manfort noch Besserung gelobt. Ein stabiler und weniger pannenanfälliger Betrieb wurde in Aussicht gestellt, für den fast 800 Millionen Euro investiert wurden.
Brückenschaden bei Opladen sorgt für Stillstand
Nicht einmal einen Tag später folgte die Ernüchterung: Auf der Wupperbrücke, die Leichlingen und Opladen verbindet, musste ein Gleis aufgrund von Schäden gesperrt werden. Sowohl der Grund als auch das genaue Ausmaß waren selbst am Dienstag noch unklar. Die Pechsträhne, die durch die teure Sanierung eigentlich beendet werden sollte, setzt sich fort. Am selben Tag verursachten Störungen an Signalen zwischen dem Hauptbahnhof Wuppertal und dem Stadtteil Oberbarmen sowie im Hauptbahnhof von Hagen weitere Verspätungen und Ausfälle im Regionalverkehr.
Wegen der beschädigten Brücke werden die ICE-Züge zwischen der Hauptstadt und Köln nun über das Ruhrgebiet geleitet und beenden ihre Fahrt in Düsseldorf. Für Wuppertal bedeutet dies eine erneute Abkopplung vom Fernverkehrsnetz. Auch der RE 7 (Rheine – Köln – Krefeld) verkehrt ab Wuppertal über Düsseldorf und Neuss anstelle der üblichen Route über Köln. Bei der Regionalbahnlinie 48 fällt zudem jede zweite Verbindung zwischen Wuppertal und der Domstadt aus.
Wut in Düsseldorf: Minister schickt Brandbrief an die Bundesregierung
Jetzt ist das Maß voll. Am Dienstag verlor der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) die Geduld. In einem Schreiben an den Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), das unserer Redaktion exklusiv vorliegt, heißt es: „Leider zeigt sich, dass die DB InfraGo zwar den Zeitplan der Generalsanierung formal einhalten konnte, dass die Sanierungsmaßnahmen aber weder vollständig abgeschlossen sind noch das Versprechen der Verlässlichkeit und weitgehender Störungsfreiheit eingelöst werden kann“. Die seit Samstag blockierte Brücke nahe Opladen nannte er „ein besonders negatives Beispiel“.
Es sei den Reisenden nicht mehr zu erklären, warum nach monatelangen Streckensperrungen „notwendige und sinnvolle Maßnahmen nur teilweise umgesetzt werden können“.
Krischer übte zudem scharfe Kritik an der Informationspolitik der Deutschen Bahn. Erst kurz vor dem Start der Bauarbeiten im Februar sei die Information durchgesickert, dass die besonders pannenanfälligen Stellwerke gar nicht Teil des Sanierungspakets seien.
Zeitbomben im Gleisbett: Uralte Stellwerke nicht saniert
Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ bereits am 17. Januar meldete, bleiben acht Stellwerke entlang der Route, die allesamt „schlechte bis katastrophale Noten“ erhalten haben, von einer Erneuerung verschont. Zwei dieser Anlagen in Wuppertal-Oberbarmen und Wuppertal-Steinbeck wurden sogar mit der Note 6 bewertet, was einen jederzeitigen Totalausfall bedeuten könnte.
Ein Zustand gilt bereits ab der Note 4 als mangelhaft. Darunter fallen auch die Stellwerke in Schwelm (4,5), Solingen (4,6) und Hagen (4,7). „Es sind durch die DB InfraGo AG keine Maßnahmen vorgesehen“, lautete die damalige Auskunft aus dem Bundesverkehrsministerium. Erst kürzlich sorgten kaputte Stellwerke im Raum Wuppertal dafür, dass über zwei Wochen lang kaum ein Zug verkehrte.

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Ein mit Schotter beladener Güterzug fährt durch den Wuppertaler Hauptbahnhof. Die Stadt ist seit Samstag erneut vom Fernverkehr abgeschnitten.
Die Deutsche Bahn plant, die marode Technik erst in den 2030er-Jahren zu ersetzen. Daraufhin beschuldigte Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) das Unternehmen in einem zornigen Schreiben des „Missmanagements“. Die Rathauschefin formulierte: „Die Probleme der letzten Tage, Wochen und Monate untergraben die Akzeptanz in den öffentlichen Verkehr als Ganzes“.
Zweifel am Sanierungs-Konzept werden lauter
Der Verkehrsminister von NRW äußerte sich auch kritisch zur Tatsache, dass die S-Bahn-Linie zwischen Düsseldorf, Wuppertal und Hagen – von einer kurzen Pause abgesehen – bis Anfang September blockiert bleibt. Für das nächste Jahr sind wegen der Modernisierung von sechs Stationen weitere Sperrungen auf der S-Bahn-Strecke zwischen Düsseldorf und Hagen angekündigt.
In dem Schreiben heißt es weiter, er unterstütze Schnieders Forderung, das komplette Konzept der Generalsanierungen auf den Prüfstand zu stellen. Diesen Ball nahm Bahn-Chefin Evelyn Palla auf. Sie musste am vorigen Mittwoch in der Hauptstadt zugeben, dass die Modernisierung der Strecke Nürnberg-Regensburg nicht wie vorgesehen am 10. Juli abgeschlossen sein wird. Wegen der Sicherheitsprüfung von zwei Stellwerken verzögert sich das Projekt bis zum Start der bayerischen Sommerferien am 3. August.
„Auch ich bin verärgert, dass das nicht geklappt hat“, sagte Palla am vergangenen Mittwoch in Berlin. „Deshalb habe ich mich entschieden und das mit dem Herrn Bundesminister besprochen, dass wir die Art und Weise, wie wir mit der Korridorsanierung umgehen, wie wir planen, wie wir umsetzen, wie wir in Betrieb nehmen, nochmal umfassend auf den Prüfstand stellen wollen. Es ist klar, dass wir Fristen und Kosten der Korridorsanierungen immer und voll umfänglich einhalten wollen. Das ist unser Anspruch.“
Internes Problem: Der Bahn fehlen die Planer
Laut Branchenkennern liegen die Schwierigkeiten der DB InfraGo bei den Mammutprojekten nicht am Budget, den Baufirmen oder fehlenden Fachkräften. Das eigentliche Problem seien die mangelnden Kapazitäten für die Planung innerhalb des Unternehmens. „Die Bahn hat einfach zu wenig Planer für eine derart große Anzahl an Bauprojekten“, sagt ein Branchenvertreter, dessen Unternehmen an mehreren der Großprojekten beteiligt. „Was genau gemacht werden muss, was alles unter die Sanierung fällt, steht wegen des Personalmangels viel zu spät fest.“
Diese Situation betreffe auch die Modernisierung des Korridors auf der rechten Rheinseite zwischen Troisdorf und Wiesbaden, die am Freitag startete und bis Mitte Dezember andauern soll. Bei einem eng gestrickten Zeitplan mit insgesamt 40 Großprojekten sei dies kaum verwunderlich und eine schnelle Lösung sei nicht in Sicht. (red)
