Wegen fehlender finanzieller Mittel legt der MDR die „Tatort“- und die „Polizeiruf 110“-Produktion drei Jahre auf Eis. Die betroffenen Schauspiel-Stars Martin Brambach und Cornelia Gröschel kritisieren die Entscheidung scharf.
Dresdner „Tatort“-Stars äußern sich „bestürzt“ über Produktions-Stopp„Fatales politisches Signal“

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Martin Brambach und Cornelia Gröschel, hier im „Tatort: Siebenschläfer“, sind von den Sparplänen des MDR direkt betroffen. (Bild: MDR/MadeFor Film/Steffen Junghans,)
In den kommenden drei Jahren soll kein neuer „Tatort“ aus Dresden gedreht werden - und kein neuer „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg. Mit dieser Ankündigung löste der Mitteldeutsche Rundfunk vor rund einer Woche Entsetzen in der TV-Branche und bei vielen Krimi-Fans aus. Als Grund nannte der ARD-Sender die ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Nun haben sich erstmals zwei der betroffenen Schauspieler zu der Entscheidung zu Wort gemeldet.
„Wir sind immer noch bestürzt über die Meldung des MDR den 'Tatort Dresden' und den 'Polizeiruf Magdeburg' in den nächsten drei Jahren nicht mehr finanzieren zu können“, schreiben Martin Brambach (58) und Cornelia Gröschel (38) in einem am Montag in den sozialen Medien geteilten gemeinsamen Statement. Brambach und Gröschel bilden beim sächsischen „Tatort“ das Ermittlergespann Schnabel und Winkler.
Die Darsteller versichern, sie verstünden, dass der MDR zum Sparen gezwungen sei. Jedoch könne man Filmproduktionen „leider nicht so einfach an- und abschalten“. Ein Film habe einen langen Vorlauf, unter anderem müssten „Autoren gesucht, Drehbücher beauftragt und geschrieben, Motive gesucht und gemietet, Regisseure, Kameraleute und Schauspieler rechtzeitig verpflichtet werden“. Bei dem beabsichtigen Produktionsstopp von drei Jahren gingen „lang aufgebaute Strukturen kaputt“. Und „auch wir Schauspielerinnen und Schauspieler (...) müssen uns natürlich um andere Projekte bemühen, um wie alle Menschen unsere Miete zu zahlen“.
Martin Brambach und Cornelia Gröschel: „Das kann und darf nicht passieren!!!“
Darüber hinaus gehen Brambach und Gröschel nicht davon aus, dass in drei Jahren genügend Geld da sei, um die Produktion der Quoten-starken ARD-Krimis aus Ostdeutschland wieder aufzunehmen. Das jedoch wäre „nicht nur traurig für die vielen tollen Fans und treuen Zuschauerinnen und Zuschauer, es wäre für die vielen Menschen, die direkt oder indirekt von so einer Produktion leben, eine Katastrophe“, schreiben die beiden „Tatort“-Stars.
Auch der Medienstandort Mitteldeutschland wäre betroffen, immerhin flössen „über 70 Prozent des Produktionsetats direkt in die Region, laut Produzentenallianz könnten bis zu 1.000 Arbeitsplätze verloren gehen“, warnen die Schauspieler.
Zum Schluss ihres Statements sprechen Brambach und Gröschel von einem „äußerst fatalen politischen Signal“, sollte „in den quotenstärksten und beliebtesten TV-Reihen im deutschen Fernsehen der Osten Deutschlands“ nicht mehr vorkommen: „Das kann und darf nicht passieren!!!“
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Der MDR hatte den geplanten Produktionsstopp am 11. Mai bekannt gegeben. „Wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1. Januar 2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen“, ließ sich MDR-Intendant Ralf Ludwig zitieren. „Doch die Realität lässt uns keine andere Wahl, wir können die seit 1. Januar 2025 fehlenden Einnahmen als MDR nicht mehr kompensieren.“
Bereits abgedrehte Folgen sowohl des Dresdner „Tatorts“ als auch des Magdeburger „Polizeirufs 110“ mit Claudia Michelsen sollen in jedem Fall gesendet werden. (tsch)
