„Ich dachte, ich sterbe“: Die Brüder Valentin und Ferdinand feierten in der Unglücksnacht von Crans-Montana die Silvesternacht 2026. Beide überlebten, wenn auch körperlich und seelisch schwer gezeichnet. In einer TV-Doku erzählen sie nun ihre Geschichte.
Crans-Montana-Opfer klagt in TV-Doku„Dachte, jemand würde das Feuer ausmachen. Aber nichts“

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Beim Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana trug Valentin schwere Verletzungen davon. (Bild: SWR)
41 Tote, 115 Verletze - das ist die verheerende Bilanz der Brandkatastrophe von Crans-Montana in der Silvesternacht 2026. Für die Brüder Valentin und Ferdinand teilte die Nacht ihr Leben in ein Vorher und Nachher. Zwar überlebten beide den Brand in der Bar „Le Constellation“. Das Erlebte werden sie aber nie vergessen. In der ARD-Doku „Crans-Montana - Leben nach dem Feuer“ (ab sofort in der ARD-Mediathek) schildern sie ihr Schicksal und wie das Unglück ihren Alltag komplett auf den Kopf stellte.

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Ferdinand war in der Unglücksnacht auch in der Bar. (Bild: SWR)
„Ich bin nur froh, dass ich da bin“, berichtet Valentin. Mit Freunden war der 16-Jährige erstmals ohne Eltern auf Urlaub. An Silvester wollten sie eigentlich gar nicht mehr ausgehen, doch am Ende feierten sie doch in der Unglücksbar. Als sich das Feuer infolge einer Sprühfontäne aus einer Champagnerflasche an der Decke entzündete, schwante Valentin noch nichts Böses. „Ich dachte, jemand würde kommen und es ausmachen. Aber nichts.“ Auch einen Feueralarm gab es nicht, stattdessen lief die Musik einfach weiter.
Eltern begaben sich auf die „schlimmste Fahrt, die man sich vorstellen kann“
Innerhalb von Sekunden wurde aus dem kleinen Feuer ein sogenannter Flashover und das Feuer griff rasant um sich. „Es wurde heiß, es war ein Berg von Menschen vor dem Ausgang“, erinnert sich Valentin in dem ARD-Film. Sein Bruder Ferdinand beschreibt es folgendermaßen: „Ich habe einfach die Augen zugemacht und den Kopf reingedrückt. Ich habe wirklich gedacht, ich sterbe.“ Ferdinand schaffte es relativ schnell nach draußen. Doch sein Bruder war nicht aufzufinden, weshalb er zurück in die Feuerbrunst ging - und zahlreichen Jugendlichen einen Ausweg ermöglichte.

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Vater Frederick geht juristisch gegen die Barbetreiber vor. (Bild: SWR)
Dann, um 1.30 Uhr, noch immer ohne ein Lebenszeichen von Valentin, verständigte Ferdinand seine Eltern. „Hier ist überall Feuer. Ich weiß nicht, wo Valentin ist“, habe er Mama Julia geschildert, denkt sie im Film zurück. Sofort machte sie sich mit Vater Frederick auf eine 850 Kilometer lange Autofahrt - die „schlimmste Fahrt, die man sich vorstellen kann“. Als der Anruf eintraf, Valentin liege auf der Intensivstation, „da wäre ich fast in den Graben gefahren. Das ist wie ein kleiner Herzinfarkt“, beschreibt Julia ihr Gefühl.
„Ich könnte jeden einzelnen Toten beschreiben“
Valentin lag nach dem Brand über Wochen im künstlichen Koma. 40 Prozent seiner Haut sind verbrannt. Sein Gehör ist beeinträchtigt, ebenso seine Stimme. Auch vier Monate nach der Katastrophe ist an einen vollständigen Tag in der Schule noch nicht zu denken. „Valentin hat eine solche Stärke, da kann man nur den Hut ziehen“, meint seine Mutter. Sie sei aber auch desillusioniert. „Es ist jeden Tag schwer, seine Kinder so zu sehen“, sagt sie über den langen Weg, der Valentin zu körperlichen Genesung noch bevorsteht. Vollständig geheilt werde er erst in zwei Jahren sein, schätzt seine behandelnde Hautärztin.
Neben den sichtbaren Wunden bleiben aber auch die seelischen. „Ich könnte jeden einzelnen Toten beschreiben“, erschaudert Ferdinand bei der Erinnerung an die Unglücksnacht. Das meiste behält er aber für sich, denn: „Es wäre ja fast egoistisch, diese Bilder zu teilen.“ Sein Studium will er abbrechen, stattdessen erst einmal reisen, den Kopf freibekommen und dann anderswo neu starten.
Einen langen Atem braucht auch Vater Frederick. Er geht juristisch gegen die Barbetreiber vor. Ihn treibt seit dem Unglück die Frage um: „Wer hat die Verantwortung und wer hätte Bescheid wissen müssen?“ Für den Familienvater steht zudem fest: „Der Barbetreiber hat unsere Kinder einem Risiko ausgesetzt, dem er sie niemals hätte aussetzen dürfen.“ Bis eine Entscheidung fällt, vergehen aber wohl noch Jahre. 2026 wird nach Einschätzung von Anwalt Didier Elsig keine Anklage erhoben - „und wahrscheinlich auch nicht nächstes Jahr“. (tsch)
