Welche Hausarbeit sie gerne Kai Wiesinger überlässt und warum das Fernsehen zu oft aufs falsche Pferd setzt, hat uns Bettina Zimmermann im großen Interview erzählt.
Bettina Zimmermann„Ich brauche keinen Alkohol, um locker zu sein“

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Ansteckendes Lachen: Bettina Zimmermann ist als Schauspielerin sehr gefragt. Viele kennen sie zusammen mit Kai Wiesinger auch aus der TV-Werbung.
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Kein Wunder, dass Bettina Zimmermann (50) alias Tierärztin Dr. Maja Freygang („Zwei Frauen für alle Felle“) so gut mit Vierbeinern kann. Aufgewachsen auf dem platten Land in Niedersachsen gehörten Hasen, Hamster, Schildkröten und Pferde zu ihrem Alltag damals einfach dazu.
Sie hatte als Landei auch ohne Internet und Handy eine schöne Kindheit. Deshalb macht sich die Schauspielerin in der aktuellen Debatte auch für ein neues Jugend-Mediengesetz stark.
Bettina Zimmermann macht sich für weniger Medienkonsum bei Jugendlichen stark
Sie sind auf dem platten Land groß geworden. Was sind die schönsten Kindheitserinnerungen?
Bettina Zimmermann: Auf dem Heuboden spielen, durch Kuhställe rennen, sich ohne Sattel auf den Pferderücken schwingen. Aufzuwachsen mit Hunden, Katzen, Hamstern, Meerschweinchen, Schildkröten und vielen Wildvögeln, die meine Mutter, die beim NABU aktiv war, zu Hause aufpäppelte. Ich hatte wirklich eine unbeschwerte Kindheit ganz ohne Telefon und Internet. Wir konnten unserer Fantasie freien Lauf lassen, ohne vorgefertigte Bilder zu sehen.
Machen Sie sich deshalb so stark für die Einschränkung des Medienkonsums Jugendliche?
Bettina Zimmermann: Ich hoffe, dass auch in Deutschland wie in Australien ein Gesetz verabschiedet wird, so dass Schulen handyfrei und die Nutzung sozialer Medien eingeschränkt wird. Aber vor allem müsste es in der Schule eine ganz andere Heranführung geben, ein richtig digitales Schulfach. Wie gehe ich mit sozialen Medien um? Wie recherchiere ich? Und nicht den Kindern gleich ein komplettes Tablet in die Hand drücken, wie es oft passiert. Mittlerweile ist es hierzulande gang und gäbe, dass in der sechsten oder siebten Klasse plötzlich WhatsApp-Klassen-Gruppen aufgemacht werden.

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Kommt tierisch gut an: „Zwei Frauen für alle Felle“ (ARD) mit Bettina Zimmermann (l.) und Meriel Hinsching. Neue Folge am 6. März 2026.
Als Tierärztin gehen Sie in der Serie beherzt zur Sache. Gibt es Tiere, mit denen die Produktion Ihnen besser nicht kommen dürfte?
Bettina Zimmermann: Also, wenn mir die Produktion eine Ratte, eine Schlange oder ein Chamäleon in die Hand drücken würden, hätte ich damit kein Problem. Auch nicht mit einer behaarten Vogelspinne aber auch nicht diese kleinen Krabbelspinnen, die sind nicht mein Ding.
Finden Sie, dass Tiere heute zu sehr vermenschlicht werden?
Bettina Zimmermann: Es ist völlig legitim, mit Tieren zu sprechen. Das tue ich auch mit unserem Hund. Ein Tier ist ein Familienmitglied, für das man Verantwortung trägt. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, dem Hund jeden Tag einen anderen Pulli anzuziehen oder eine Fashion-Ikone aus dem Hund zu machen.
Apropos Fashion. Man sieht Sie und ihren Lebensgefährten Kai Wiesinger öfter auf dem roten Teppich. Sind Modetrends für Sie wichtig?
Bettina Zimmermann: Das ist das Schöne am Älterwerden, dass man sich sagt: ‚Hey, das brauche ich nicht, das steht mir nicht oder das bin ich nicht‘. Ich will mich nicht verkleiden und alle sagen dann, ‚oh, das sieht aber toll aus‘, aber ich komme mir vor wie ein Papagei. Nein, ich bin deshalb niemand, der jedem Trend hinterherhechelt, stehe – wie in meiner eigenen Modekollektion – eher auf das Minimalistische. Dass man zum Beispiel mit fünf Teilen wunderbar ein Wochenende auskommt. Dass man die Sachen tagsüber bei einem Städtetrip mit dem Turnschuh anziehen und abends mit High Heels dann noch in die Oper oder ins Theater gehen kann.
Bettina Zimmermann finanzierte Schauspielschule mit dem Modeln
- Bettina Zimmermann (geboren am 31. März 1975 in Großburgwedel) finanzierte sich nach dem Abitur die Schauspielschule in Hamburg mit Modelaufträgen.
- Ihr Debüt gab sie in dem Streifen „Fisimatenten“, es folgten Komödien wie „Mondscheintarif“ und „Erkan und Stefan gegen die Mächte der Finsternis“.
- Doch die Schauspielerin kann auch ernste Rollen – wie sie etwa in „Die Luftbrücke“ und „Die Sturmflut“ bewies.
- Mit dem Kameramann Vladimir Subotic hat sie einen Sohn, der 2008 zur Welt kam. Seit zwölf Jahren ist sie mit Schauspielkollege Kai Wiesinger liiert, 2015 bekam das Paar Nachwuchs. Seit 2015 stehen die beiden auch gemeinsam in der Comedy-Webserie „Der Lack ist ab“ vor der Kamera – und machen gemeinsam Werbung.
- Eine große Fangemeinde hat Zimmermann seit 2025 als Tierärztin in „Zwei Frauen für alle Felle“ gewonnen.
Sie sind 50 – was wohl keiner vermuten würde. Wie gehen Sie mit dem Alter um?
Bettina Zimmermann: Mit der Zahl musste ich mich schon erst mal anfreunden. Irgendwie surreal. Wo kommt die denn her, habe ich mich gefragt. Aber es ist eben eine Zahl. Und eigentlich bin ich dankbar dafür, dass ich so alt werden durfte, ohne Krankheiten. Ich sehe es als Privileg. Aber klar, muss man sich aufraffen und was tun. Auch im Alltag: Mein Mann und ich versuchen zum Beispiel, jeden Aufzug zu umgehen und lieber die Treppe zu nehmen.
Wird jetzt in der Fastenzeit auch auf Alkohol und Fleisch verzichtet?
Bettina Zimmermann: Damit hatte ich noch nie ein Problem. Ich mag Fleisch einfach nicht im Mund haben, und das ist schon seit meinem 20. Lebensjahr so. Und ich habe schon als Kind leidenschaftlich gern Berg- oder Quellwasser getrunken, Alkohol hat mir auch später nie geschmeckt. Da hatte ich höchstens mal ein Anstandsglas zum Anstoßen in der Hand. Viele brauchen ja Alkohol, um locker zu werden. Ich nicht. Mein Mann sagt immer: ‚Egal, wo man dich hinsetzt, du fängst sofort an zu reden‘. Außerdem habe ich schon immer gern Fisch gegessen, am liebsten Heringssalat zum Frühstück. Heute weiß man, dass das eine hervorragende Quelle für Omega-3-Fettsäuren ist. Deshalb ist es bei mir wohl schon immer eher eine glückliche Kombination von Dingen, die ich gerne mag, gewesen, als irgendein Trend, den man unbedingt mitmachen muss.
Wenn Ihnen eine Rolle als Großmutter angeboten würde ...
Bettina Zimmermann: ... wäre ich begeistert. Es kommt natürlich auf die Rolle an, wie die Oma dargestellt ist. Die Rolle müsste so angelegt sein, wie es heute auch im wahren Leben der Fall ist. Früher mit 50, das waren Frauen mit Faltenrock, Dauerwelle und grauen Haaren. Ich glaube, noch nie waren die 50-, 60- und 70-Jährigen so fit, so mutig, so agil und auch so offen für Neues wie heute. Und das ist es, was mich so ärgert. Bei neuen Projekten heißt es ja oft, wir müssen jünger, jünger, jünger werden. Nein, Ihr müsst nicht jünger werden, sondern moderner und zeitgemäßer. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die 45- bis 70-Jährigen, jetzt gehen die Babyboomer in Rente. Und die sind weiterhin lebenshungrig. Aber die werden von der Marktforschung einfach abgetan, die sich nur für 14- bis 49-Jährige interessiert. Warum? Wir haben doch die größte Kaufkraft. Wir haben die größten Möglichkeiten – und Zeit, Dinge noch mal richtig auszuprobieren.
Was steht noch auf Ihrer persönlichen To-do-Liste für die nächsten Jahre?
Bettina Zimmermann: Nichts Spektakuläres. Neugierig bleiben, alles ausprobieren im Alltag, das finde ich wichtig. Wie meine Mutter, die hat auch mit 85 das Kind in sich noch nicht verloren. Das ist mein Ziel. Wie jüngst im Urlaub einfach mal Zip-Lining auszuprobieren, also an einem Stahlseil hängend durch die Luft zu gleiten. Einfach sagen: Sieht interessant aus, probiere ich, und wenn es nur neue Sportarten sind wie bei uns im Urlaub Paddelball. Demnächst will ich unbedingt den Weinweg im Saale-Unstrut-Gebiet gehen, obwohl ich gar keinen Wein trinke. Aber ich habe die Gegend rund um Naumburg beim Dreh lieben gelernt. Sie ist so wunderschön, die hat ja kaum einer auf dem Schirm ich hatte sie vorher nicht auf dem Schirm.
Schauspielerin, Designerin, Podcasterin, Model, Mutter. Muss Ihr Mann kräftig mit anpacken im Haushalt?
Bettina Zimmermann: Glücklicherweise habe ich kein fünftes Kind zu Hause, sondern einen Mann, der dann zupackt, wenn er etwas sieht und nicht denkt, ach, das wird irgendwann schon mal gemacht. Ganz ehrlich: Man wird von mir bestimmt nie den Satz hören, dass mein Mann im Haushalt mithilft. Wieso denn helfen? Das war schon die Devise meiner Eltern: Es ist ein gemeinsamer Haushalt, also macht man den auch gemeinsam und spricht einfach darüber, wer was am liebsten macht. Ich zum Beispiel räume gern auf, Kai ist eher fürs Technische zuständig, hat aber für unsere gemeinsame Podcast Webserie „Bei aller Liebe“ mal eine Folge geschrieben, in der meine Figur die Löffel angeblich falsch in die Spülmaschine einsortiert hätte. Da hab ich schon gedacht, ob er mir damit was sagen will ...


