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„Tut weh“ - „Bares für Rares“-Verkäuferin trennt sich nach 70 Jahren von Wegbegleiter

„Ich werden ihn vermissen“, gestand die Verkäuferin in der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“ mit Horst Lichter. (Bild: ZDF)

„Ich werden ihn vermissen“, gestand die Verkäuferin in der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“ mit Horst Lichter. (Bild: ZDF)

Erst sorgte die besondere Skulptur von „Bares für Rares“-Verkäuferin Ingeborg für Verwirrung in der ZDF-Sendung - und dann für einen berührenden Moment: „Der ist geliebt worden.“

„Ich werde ihn vermissen“, gestand die Verkäuferin in der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“ mit Horst Lichter. Sie trennte sich nur schweren Herzens von ihrer finnischen Keramik, die sie ihr ganzes Leben begleitet hat. Auch im Händlerraum wurde es emotional - trotz flapsiger Papageien-Witze.

Ingeborg aus Dormagen brachte eine außergewöhnliche Tierskulptur mit, die sie bereits seit 70 Jahren begleitet. (Bild: ZDF)

Ingeborg aus Dormagen brachte eine außergewöhnliche Tierskulptur mit, die sie bereits seit 70 Jahren begleitet. (Bild: ZDF)

Ingeborg aus Dormagen brachte eine außergewöhnliche Tierskulptur mit, die erstmal Rätsel aufgab: Handelte es sich um einen Pinguin, Adler oder doch Papagei? Die Verkäuferin sorgte schnell für Klarheit. Denn über ihre Adlerskulptur wusste sie bestens Bescheid - schließlich begleitete sie der Vogel bereits seit 70 Jahren.

1958 erhielt die Familie die Skulptur von einer finnischen Austauschschülerin. Die Verkäuferin kannte aber nicht nur die Herkunft des Stücks, sondern auch den Künstler Ulf Tikkanen sowie die Manufaktur Arabia - „eine der bekanntesten Keramikfabriken Finnlands“. Bianca Berding nickte und auch Lichter war beeindruckt: „Du bist gut vorbereitet.“

Auch Expertin Bianca Berding zeigte sich angetan und bezeichnete das minimalistische Design als „zeitlos“. (Bild: ZDF)

Auch Expertin Bianca Berding zeigte sich angetan und bezeichnete das minimalistische Design als „zeitlos“. (Bild: ZDF)

Der finnische Vogel habe ihr in jungen Jahren „zum ersten Mal gezeigt, dass es andere Länder und Menschen gibt, die anders reden und anders leben“, erzählte Ingeborg. Für sie wurde die Skulptur zu einem Wegweiser durchs Leben. „Er hat mir gesagt: Schau dir die Welt an, die Welt ist schön, lass dich nicht einsperren. Und das habe ich auch gemacht.“

Rarität begleitet Verkäuferin Ingeborg bereits 70 Jahre

Ingeborg gab schwermütig den Zuschlag und gestand nach der Sendung etwas traurig: „Ich werde den Adler vermissen.“


 (Bild: ZDF)

Ingeborg gab schwermütig den Zuschlag und gestand nach der Sendung etwas traurig: „Ich werde den Adler vermissen.“ (Bild: ZDF)

„Ich finde ihn ganz toll gemacht - er ist kein harter Adler, sondern ein weicher“, schwärmte Ingeborg weiter. Nun möchte sie für den „schnörkellosen“ Vogel ein neues Zuhause finden - „sonst habe ich Angst, dass er auf dem Schrott landet“. Auch Expertin Berding zeigte sich angetan und bezeichnete das minimalistische Design als „zeitlos“.

Charakteristisch für skandinavische Tierplastiken war die Konzentration auf das Wesentliche, die „Essenz des Tieres“. Der Adler war erhaben, majestätisch und monumental. „Und der Sockel hebt ihn nach mehr in die Höhe, wie ein Denkmal“, so Berding. Der Künstler Tikkanen hatte sich sogar ausschließlich auf die Darstellung von Vögeln spezialisiert.

Als weiteres Objekt der Sendung wurde ein Kamera-Set „Rapid Photo-Hobby“ von Agfa, samt Entwickler-Box vorgestellt.
 (Bild: ZDF)

Als weiteres Objekt der Sendung wurde ein Kamera-Set „Rapid Photo-Hobby“ von Agfa, samt Entwickler-Box vorgestellt. (Bild: ZDF)

„Der ist geliebt worden“, erklärte die Verkäuferin verträumt, als Berding auch den „tadellosen“ Zustand ansprach. Ingeborg wünschte sich zwischen 250 und 300 Euro für ihren treuen Vogel. Das ergaben auch Auktionsergebnissen, die sie im Vorfeld recherchiert hatte. Berding schätzte den Wert der Adlerskulptur sogar auf 300 bis 500 Euro.

„Das fühlt sich nicht sehr schön an und tut ein bisschen weh, diesen Adler zu verlieren. Denn der hat richtig mit mir gelebt - 70 Jahre ist eine lange Zeit“, wurde Ingeborg traurig, bevor sie in den Händlerraum ging. Dort stritt man sich hingegen, um welches Tier es sich eigentlich handelte. Julian Schmitz-Avila vertrat die Meinung: ein Pinguin.

„Mir gefällt die Geschichte mehr als der Vogel“

Diesen Ring aus 750er Gold, mit großem Rubellit und Diamanten datierte Heide Rezepa-Zabel in den 1960er Jahren.  (Bild: ZDF)

Diesen Ring aus 750er Gold, mit großem Rubellit und Diamanten datierte Heide Rezepa-Zabel in den 1960er Jahren. (Bild: ZDF)

Kollege David Suppes tippte eher auf Adler. „Wunderschön“, fand er die glasierte Keramik aus den 1950er Jahren - vor allem die berührende Geschichte dazu, die Ingeborg auch im Händlerraum erzählte: „Der Vater der Austauschschülerin war ein jüdischer Kaufmann, der aus Estland nach Finnland fliehen musste. Von ihm ist das Gastgeschenk.“ „Tolle Geschichte“, fühlte Suppes mit Ingeborg mit. „Da haben Sie etwas Gutes geschenkt bekommen, denn das stammt von Arabia, der größten Keramikfirma Finnlands“, ergänzte Schmitz-Avila. Doch Lehnertz bot als Erster. 80 Euro „für den Papagei“, pöbelte er, denn: „Mir gefällt die Geschichte mehr als der Vogel.“ Die Verkäuferin schaute irritiert.

Dieser Kerzenleuchter war laut Bianca Berding ein Jugendstil-Objekt des bekannten deutschen Keramikers Max Laeuger. (Bild: ZDF)

Dieser Kerzenleuchter war laut Bianca Berding ein Jugendstil-Objekt des bekannten deutschen Keramikers Max Laeuger. (Bild: ZDF)

„Tiere sind immer sehr gesucht“, nahm Elisabeth Nüdling die Skulptur in Schutz und erhöhte auf 100 Euro. „Der ist minimalistisch und passt überall hin“, unterstützte auch Suppes und bot gleich danach 120 Euro. Jos van Katwijk hatte ebenfalls Interesse an dem Stück, doch da pflaumte Lehnertz wieder: „Nach Holland geht der nicht.“

Nachdem die Verkäuferin den Preis aus der Expertise verraten hatte, kam noch mehr Schwung in das Bietergefecht. Am Ende bot Suppes 310 Euro „für das wunderschöne Design und auch für den Hintergrund des Objekts“. Ingeborg gab schwermütig den Zuschlag und gestand nach der Sendung etwas traurig: „Ich werde den Adler vermissen.“

Elisabeth Nüdling kauft Ring für 3.300 Euro

Bei einem Gartenzwerg (“Gnome“) handelte es sich um einen Hocker mit Namen „Napoleon“ vom Design-Unternehmen Kartell aus Mailand.
 (Bild: ZDF)

Bei einem Gartenzwerg (“Gnome“) handelte es sich um einen Hocker mit Namen „Napoleon“ vom Design-Unternehmen Kartell aus Mailand. (Bild: ZDF)

Als weiteres Objekt der Sendung wurde ein Kamera-Set „Rapid Photo-Hobby“ von Agfa, samt Entwickler-Box, um Fotos zu Hause zu entwickeln, von Sven Deutschmanek zwischen 1965 und 1973 datiert. Gewünscht wurden 95 Euro. Der Experte schätzte den Wert auf 80 bis 100 Euro. David Suppes zahlte sogar 300 Euro.

Einen Ring aus 750er Gold, mit großem Rubellit (39 Karat) und Diamanten (0,8 Karat) datierte Heide Rezepa-Zabel in den 1960er Jahren. Der Wunschpreis lag bei 4.000 bis 5.000 Euro. Die Expertin schätzte 5.000 bis 6.500 Euro und Elisabeth Nüdling zahlte schließlich 3.300 Euro.

Der Kerzenleuchter war laut Bianca Berding ein Jugendstil-Objekt des bekannten deutschen Keramikers Max Laeuger. Als Wunschpreis für den handgemalten Leuchter der Tonwerke Kandern (1910-1913) nannte die Verkäuferin 500 Euro. Berding taxierte 500 bis 600 Euro und David Suppes zahlte 450 Euro.

Bei einem Gartenzwerg (“Gnome“) handelte es sich um einen Hocker mit Namen „Napoleon“ vom Design-Unternehmen Kartell aus Mailand (Entwurf Philippe Starck). Für den Gnome-Hocker aus den 1990er Jahren wünschte sich die Verkäuferin 50 bis 80 Euro. Deutschmanek taxierte 150 bis 200 Euro. Walter Lehnertz zahlte 120 Euro. (tsch)

Horst Lichter hat eine Hand auf die Schulter des Verkäufers gelegt.

Schnappatmung bei „Bares für Rares“

Horst Lichter muss Verkäufer nach Expertise hinausbegleiten