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„Bares für Rares“Experte zerlegt Antiquität: „Ich mach Chaos“

Am Donnerstag fand ein ungewöhnliches Objekt den Weg zu „Bares für Rares“ - samt eines Verkäufers in außergewöhnlichem Outfit. (Bild: ZDF)

Am Donnerstag fand ein ungewöhnliches Objekt den Weg zu „Bares für Rares“ - samt eines Verkäufers in außergewöhnlichem Outfit. (Bild: ZDF)

Aktualisiert

Mit Volldampf ging es am Donnerstag bei „Bares für Rares“ zur Sache: Gleich drei betagte Stücke aus dem 19. Jahrhundert rollten an. Vor allem eines sorgte für Chaos im Expertenraum.

Horst Lichter blickte in der Donnerstagsausgabe seiner Trödelsendung skeptisch drein: Der Experte hantierte angestrengt mit einem störrischen Objekt. Helfen durfte der Gastgeber jedoch nicht. Nur „beten“, dass nichts kaputtgehen würde ...

Schon rein äußerlich war der Gast bei „Bares für Rares“ ein echter Hingucker: Seine Uniform erinnerte verdächtig an einen Offizier. Oder war es lediglich ein Kostüm? Und was war das für ein seltsames Ding in seinen Händen?

„Bares für Rares“-Händler sichert sich Rarität - und lobt Outfit des Verkäufers

Verkäufer Daniel war Mitglied eines Museumseisenbahn-Vereins und schlüpfte dort regelmäßig in diesen historischen Dienstanzug der Deutschen Reichsbahn aus DDR-Zeiten (um 1980). Also tatsächlich: Eisenbahnuniform statt Faschingsgag.

Die Öllampe hing einst in einem Personenzug. (Bild: ZDF)

Die Öllampe hing einst in einem Personenzug. (Bild: ZDF)

Daniel hoffte, dass der Zug für ihn an diesem Tag nicht allzu früh abfuhr. Die entscheidende Frage für Horst Lichter (rechts) und das Publikum blieb jedoch: Was führte er eigentlich mit sich?

Im Gepäck hatte er eine Öllampe für Personenzüge, die der Noch-Besitzer einst von einem befreundeten Eisenbahner bekommen hatte. Früher sah man im Waggon lediglich den Ring an der Decke, den Experte Detlev Kümmel präsentierte. Der eigentliche Lampenkörper blieb den Fahrgästen verborgen und wurde vom Bahnmitarbeiter einstmals vom Zugdach aus befüllt. Unter anderem mit Walfett.

Gespannt beobachtete Horst Lichter die Expertise. (Bild: ZDF)

Gespannt beobachtete Horst Lichter die Expertise. (Bild: ZDF)

Das gute Stück stammte von der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn-Gesellschaft (MHE), datierte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts - und brachte es damit auf stolze 175 Jahre und mehr. Schnell wurde jedoch klar: Das komplexe Objekt ließ sich nicht so leicht zerlegen, um den Tank und das interessante Innenleben freizulegen. „Soll ich irgendwas tun?“, bot Horst Lichter hilfsbereit an. „Ja, beten“, konterte Kümmel lachend - schließlich wollte er auf keinen Fall Schaden anrichten. Entschuldigend fügte er hinzu: „Ich mach Chaos.“

Deutlich mehr als die erhofften 250 Euro seien laut Expertise möglich: 500 bis 700 Euro. (Bild: ZDF)

Deutlich mehr als die erhofften 250 Euro seien laut Expertise möglich: 500 bis 700 Euro. (Bild: ZDF)

Würde die antike Lampe aus der Zeit um 1850 die erhofften 250 Euro einfahren? Laut Expertise waren sogar 500 bis 700 Euro für Sammler drin. Horst Lichter wusste von einem Händler im Nebenraum, der zahlreiche Zirkuswagen besaß. Das klang doch nach einem passenden Abnehmer! „Vielleicht bohrt der sich ein Loch ins Dach?“

Gemeint war Roman Runkel, der seine zunächst rätselnden Kollegen rasch aufklärte: Zu Verkauf stand eine antike Eisenbahnlampe. Drei Händler lieferten sich ein Rennen um das Objekt. Runkel ging leer aus. Für 350 Euro wechselte die Lampe schließlich zu Jos van Katwijk, der dem Verkäufer noch ein Kompliment mitgab: „Ich find es toll, wie Sie so aussehen.“

Gemälde von 1850 verdoppelt bei „Bares für Rares“ Expertise

Als Nächstes wurde ein Objekt feilgeboten, das zeitlich gut zur Lampe passte: Die Geschwister Barbara und Christoph trennten sich von einem besonderen Gemälde aus der Zeit um 1850. Vor allem das Motiv aus einer anderen Welt und Epoche zog in den Bann: „Die jungen Raucher“, in Öl auf Malplatte gemalt von dem Münchner Künstler Franciszek Streitt. Die Expertise lag bei 1.200 bis 1.500 Euro. Im Händlerraum war das Interesse an dem Werk groß. Zwischen Benjamin Leo Leo und David Suppes entbrannte ein hitziges Bietergefecht. Bei 3.500 Euro fiel der Hammer zugunsten von Suppes.

Jos van Katwijk (links) gab 350 Euro für die Eisenbahnlampe aus. (Bild: ZDF)

Jos van Katwijk (links) gab 350 Euro für die Eisenbahnlampe aus. (Bild: ZDF)

Jürgen wollte sprichwörtlich einen Kelch weiterreichen, um Platz für Neues zu schaffen. Der Flohmarktfund bestand aus Silber und stammte - wie die vorherigen Stücke - aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Expertin taxierte ihn auf 300 bis 350 Euro. Mehr als ein Gebot trudelte zwar nicht ein, aber der Verkäufer gab sich mit 300 Euro von Susanne Steiger zufrieden.

Eine feine Brosche aus der Zeit um 1910 erzählte laut Wendela Horz eine bewegte Familiengeschichte. Verschiedene Punzen aus Österreich, Ungarn, Polen und Russland belegten ihren weiten Weg. Ob dafür 800 bis 1.000 Euro möglich waren? Mit Diamanten, Smaragden und unterschiedlichen Legierungen wusste das Schmuckstück besonders David Suppes zu gefallen. Mehr als 600 Euro war ihm die Brosche allerdings nicht wert.

Aus einem Münchner Auktionshaus auf den Expertentisch gelangte zu guter Letzt ein sogenannter Ewiger Kalender. Die Firma Seilwerke Heinrich Puth hatte ihn einst zu Werbezwecken anfertigen lassen. Entstanden war das Blechobjekt in den 1950er-Jahren, der Hersteller blieb unbekannt. Die Schätzung lag bei 50 bis 80 Euro. Die Gebote starteten deutlich oberhalb der Expertise. Roman Runkel setzte sich durch und zahlte schließlich 150 Euro für den Kalender. (tsch)