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Anna Schudt„Geburten sind spannender als jeder Krimi“

Anna Schudt bei der ARD Blue Hour 2026

Copyright: IMAGO/Future Image

Anna Schudt bei der „ARD Blue Hour 2026“ im eleganten Abendkleid. Für die neuen Folgen ihrer ZDF-Serie „Push“ war es eher die praktischere Garderobe, die nötig war. 

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Schauspielerin Anna Schudt hat mit uns über ihre Hebammen-Serie „Push“, die besonders bei Männern ankommt und ihre Heimatstadt Düsseldorf gesprochen.

Mit 17 brach sie die Schule ab, um Schauspielerin zu werden – und seitdem steht sie fast unentwegt auf einer Bühne oder vor der Kamera: Die in Düsseldorf lebende Anna Schudt (52) ist eine der fleißigsten (über 70 große Kino- und TV-Filme) und erfolgreichsten (viele große Preise) deutschen Schauspielerinnen.

Und weiter geht’s ohne Pause: Ab dem 27. Mai 2026 erleben wir sie in der neuen Staffel der Hebammen-Serie „Push“ (ZDFneo, bereits in der ZDF-Mediathek), am 16. Oktober hat sie im Tschechow-Klassiker „Die Möwe“ Premiere am Schauspielhaus Düsseldorf.

Anna Schudt über die beflügelnde Arbeit an „Push“

War von Anfang an klar, dass es zur zweiten „Push“-Staffel kommt, oder kam das für Sie überraschend?

Anna Schudt: Das war gar nicht klar. Erst als die erste Staffel ausgestrahlt wurde, und das Feedback dazu so umfangreich und positiv war, haben wir begonnen, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Denn der Dreh hatte uns große Freude gemacht, das Gefühl, etwas Sinnvolles und Ungewöhnliches zu drehen, hat uns alle beflügelt. Als dann der Auftrag für die zweite Staffel wirklich kam, waren wir sehr glücklich.

Was war für Sie so besonders an „Push“?

Anna Schudt: Es gibt selten Themen, in die ich inhaltlich so eintauchen kann und möchte, wie bei „Push“. Durch meine eigenen Geburten hatte ich praktisches Vorwissen, aber als ich die Drehbücher zur ersten Staffel bekam, habe ich festgestellt, dass ich Geburten spannender finde als jeden Krimi. Es ist ein weltbewegendes Thema.

Sie haben schon so viel gedreht. Wie würden Sie diese Serie in Ihrer persönlichen Bedeutungstabelle einordnen – weiter oben oder unten?

Anna Schudt: Sie ist vielleicht nicht die wichtigste Serie meiner bisherigen Laufbahn – aber auf jeden Fall die schönste. Es ist so glückvoll, ich könnte „Push“ das ganze Jahr über drehen.

Eine Hebamme horcht mit einem Instrument nach den Herztönen eines Babys

Copyright: ZDF/Andrea Hansen

Als Hebamme Anna hilft Schudt in der ZDF-Serie „Push“ (hier mit Kollegin Aenne Schwarz).

Haben Sie selbst mal davon geträumt, Hebamme zu werden?

Anna Schudt: Die Hebammerei hat mich immer interessiert. Ich hätte mir den Beruf vielleicht nicht gleich als junge Frau ausgesucht, aber spätestens nach meinem ersten Kind wäre es eine Alternative gewesen.

Unter den Zuschauern waren 60 Prozent Männer. Haben Sie so etwas erwartet?

Anna Schudt: Nein, die Zahl überrascht mich. Es gefällt mir, dass sich Männer für das Thema interessieren, es ist wichtig zu wissen, wie Kinder getragen werden, wie sie auf die Welt kommen, was davor und danach passiert, was unsere Rollen dabei sind und wie wir diese Rollen am besten ausfüllen. Und zudem erfährt man auch was über die Probleme, die erfüllte oder nicht erfüllte Kinderwünsche partnerschaftlich und beziehungstechnisch mit sich bringen.

Ist das, was wir hier sehen, wirklich das, was auch im wahren Leben im Kreißsaal passiert – oder wurde geschönt?

Anna Schudt: Ich habe zwei Geburten zu Hause gemacht und eine im Kreißsaal, und meiner Erfahrung nach haben wir alles richtig beschrieben. Ich würde das alles unterschreiben, auch wenn natürlich jede Geburt anders ist. Aber natürlich ist das, was wir zeigen, Fiktion. Unsere Babys sind nicht neugeboren, sie sind etwas älter, und einige der erstaunlichen Schauspielerinnen, die die werdenden Mütter spielen, haben noch kein Baby geboren. Sie haben sich da voller Inbrunst und mit allem Risiko reingeworfen – da möchte ich vor jeder einzelnen den Hut ziehen.

Ist noch eine dritte Staffel geplant?

Anna Schudt: Ich wünsche es mir sehr, aber geplant ist noch nichts. Wir warten auf das Feedback und die Zuschauerzahlen, dann wird entschieden.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Anna Schudt: Da ist einiges schon fertig, einiges noch in der Planung – aber sorry, darüber darf ich noch nicht sprechen.

Anna Schudt: Endlich wieder Theater in Düsseldorf

Gerade ist bekannt geworden, dass Sie wieder Ensemble-Mitglied am Düsseldorfer Schauspielhaus sind. Wann sehen wir Sie dann wieder?

Anna Schudt: Die Premiere meines ersten Stückes ist Mitte Oktober. Ich werde Arkadina in „Die Möwe“ von Tschechow spielen. Es ist ein wunderbares Stück, und es ist toll, mal wieder in der Stadt spielen zu können, in der man auch lebt, die der Lebensmittelpunkt ist.

Vor rund vier Jahren sind Sie aus dem Dortmund-„Tatort“ ausgestiegen, in dem Sie die etwas schräge Kommissarin Martina Bönisch spielten. Werden Sie heute noch darauf angesprochen?

Anna Schudt: Ja, aber es wird langsam weniger.

Mit Ihrem „Tatort“-Kollegen Jörg Hartmann sind Sie immer noch beruflich verbunden. In der Berliner Schaubühne spielen Sie mit ihm das wunderbare Stück „changes“, und Sie sind mit ihm in der szenischen Lesung „Love Letters“ auf wechselnden Bühnen. Sie waren damit aber noch nie im Rheinland. Warum eigentlich nicht?

Anna Schudt: Das weiß ich auch nicht, wir hätten große Lust! Aber vielleicht klappt es ja noch mal – vielleicht reagiert ja jemand in der richtigen Position auf dieses EXPRESS-Interview.

Kino, Fernsehen, Bühne, Hörbücher, Lesungen – Sie sind in vielen Projekten dabei. Haben Sie da überhaupt noch Zeit für Ihr eigenes, ganz privates Leben?

Anna Schudt: Das, was ich jetzt mache, ist mein Leben. Diese Mischung ist für mich total perfekt. Anders würde ich es nicht wollen. Ich habe das Glück, dass mir mein Beruf so viel Freude macht, dass ich das alles nicht als Arbeit empfinde. Es war immer mein Traum, zu spielen und davon leben zu können. Dass das funktioniert, ist ganz wundervoll. Wäre es anders, würde ich mich umorientieren, aber das stand bisher nicht an. Ich bin froh und glücklich, dass es so ist. Gute Laune steckt an, positive Energie vermehrt sich!

Was machen Sie eigentlich privat? Haben Sie überhaupt mal Zeit für Urlaub mit der Familie?

Anna Schudt: Ja natürlich! Meist fahren wir weg, wenn es gerade passt. Planen auf lange Sicht macht wenig Sinn, aber wir haben zum Beispiel viele Freunde in anderen Städten, die wir immer besuchen, wenn es geht, ich habe Familie am Bodensee und irgendwie fällt uns immer etwas Schönes ein. Muss nicht lang sein, kurze Urlaube finde ich auch schön, ich bin ja sowieso so viel unterwegs.

Das Ehepaar Anna Schudt, Schauspielerin, und Moritz Führmann, Schauspieler, kommen zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2024 ins Coloneum.

Copyright: picture alliance/dpa

Anna Schudt und Ehemann Moritz Führmann 2024 im Coloneum.

Sie sind Schauspielerin, Ihr Mann ist Schauspieler. Haben Sie Ihre Kinder mit Ihrem Beruf angesteckt?

Anna Schudt: Nein. Sie haben bisher kein Interesse an der Schauspielerei, für sie gibt es wichtigere Sachen. Das finde ich gut! Schauspielerei ist ein zwar sehr schöner Beruf, aber erst dann, wenn man erwachsen ist. In diesem Alter, in dem sie jetzt sind, halte ich es für ausgesprochen ungesund, da einzusteigen.

Was spricht dagegen?

Anna Schudt: Es ist ein fragiles Alter, in dem sich viel Charakter bildet, in dem man noch nicht verstehen kann, warum die Menschen beim Film alle so nett sind. Dass Erfolg nicht so sehr viel mit der eigenen Großartigkeit zusammenhängt. Die Gefahr, nach einer Arbeit, wenn alle sich wieder in alle Winde verstreuen und man wieder ganz langweilig und normal in seinem Zimmerchen sitzt, traurig zu werden, ist groß.

Wie war das damals bei Ihnen?

Anna Schudt: Ich war 19, als ich angefangen habe. Das ist alt genug, und ich wollte das unbedingt machen. Mir hat damals aber kein Mensch eine Schiene gelegt, auf der ich fahren konnte. Das hat mir gutgetan, und war wichtig für mich, denn es ging nicht alles glatt. Es ist hilfreich, wenn man ein paar Hindernisse überwinden muss, bevor man anfängt auf der Bühne zu stehen. Denn der Beruf braucht Nerven und eine stabile innere Welt. Sonst wird man da nicht froh.

Anna Schudt: Vom Bodensee ins Rheinland

Anna Schudt (geboren am 23. März 1974 in Konstanz) verließ das Gymnasium nach der 11. Klasse, begann als 17-Jährige ihre Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Ab 19 Jahren u. a. bei den Münchner Kammerspielen, an der Berliner Schaubühne, im Bayerischen Staatsschauspiel. 2010 spielte sie in „Anna Karenina“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. 2012 bis 2022 war sie im Dortmund-„Tatort“ dabei.

2018 spielte sie Komikerin Gaby Köster im TV-Film „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ (International Emmy Award). Ab Spielzeit 2026/27 wieder am Schauspielhaus Düsseldorf (ab 16. Oktober in „Die Möwe“). Anna Schudt ist seit 2010 mit Schauspieler Moritz Führmann (47) verheiratet (zwei Söhne). Sie hat einen weiteren Sohn aus einer früheren Beziehung mit Jens-Daniel Herzog (60), Intendant am Staatstheater Nürnberg. Die Familie lebt in Düsseldorf.

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