15 Jahre AWZ Tatjana Clasing: „Wir dachten, dass die Geschichte in einem Jahr vorbei sei“

Tatjana Clasing lächelt in die Kamera.

Tatjana Clasing ist alles andere als böse – aber sie spielt die fiese Simone Steinkamp in „Alles was zählt“ schon sehr gerne – und kann sich auch noch mehr als 15 Jahre vorstellen. 

Wir haben mit der Schauspielerin Tatjana Clasing über 15 Jahre in der Soap „Alles was zählt“, ihre späte Ehe mit ihrem langjährigen Lebensgefährten, ihre Liebe zu Elvis und den Traumberuf ihrer Kindheit gesprochen.

Köln. Immer aufs Böse abonniert, immer bereit, anderen einen Stein in den Weg zu legen – und das seit genau 15 Jahren: Das ist die Kölner Schauspielerin Tatjana Clasing (57) als eiskalte „Simone Steinkamp“ in der Soap „Alles was zählt“ (RTL, 19.05 Uhr). Sie ist seit der ersten Folge dabei. Mit dem uns traf sie sich zum großen Jubiläums-Gespräch.

Tatjana Clasing im EXPRESS-Interview

Nach 15 Jahren und über 3500 Folgen – haben Sie noch Ihren ersten Drehtag in Erinnerung?

Tatjana Clasing: Ja, ich weiß sogar noch, wie meine erste Szene aussah. Es kam gleich zum Krach mit meinem Serienmann Richard, der begeistert von einem Engelskostüm der jungen Diana schwärmte. Fand er super und sexy. Dann entdeckte Simone eine Feder auf seinem Revers – das fand sie gar nicht lustig!

Tatjana Clasing sitzt Horst Stellmacher gegenüber.

Tatjana Clasing mit EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher

Haben Sie sich vorstellen können, dass Sie mindestens 15 weitere Jahre für Streit und Gemeinheiten zuständig sind?

Tatjana Clasing: Das konnte ich mir nicht vorstellen. „Alles was zählt“ war zunächst als Telenovela geplant, sollte anders heißen, nämlich „Dianas Traum“. Wir dachten, dass die Geschichte in einem Jahr vorbei sei. Erst während der Dreharbeiten entschied RTL, es zur langfristigen, täglichen Serie zu machen. Danach haben Sie viel Unheil angezettelt.

Wenn Sie das Revue passieren lassen – was fanden Sie privat am schlimmsten?

Tatjana Clasing: Oh da gab es einige Intrigen und Schachzüge, die sich sehen lassen können: Von Mord bis Brandstiftung alles dabei...

Wussten Sie von Anfang an, auf was Sie sich einließen?

Tatjana Clasing: Ja, ich sage bei einer neuen Rolle nie blind zu. Ich hatte Simones Biografie gelesen und mir gefiel’s, ich mag es, Frauen mit Ecken und Kanten zu spielen. Und die Böse zu spielen, macht in so einer langen Geschichte sehr viel Spaß.

Haben Sie noch Zeit in anderen Formaten mitzuspielen?

Tatjana Clasing: Da gibt es zum Glück keine Probleme. Ich bin extra mal ins Gefängnis geschrieben worden, weil ich Theater spielen wollte. Da wurden alle Gefängnisszenen vorgedreht, und ich hatte Zeit für die Bühne. Ich kam ins Gefängnis, um frei zu sein.

ALLES WAS ZÄHLT feiert 15 Jahre Liebe, Sport und Freundschaft. V.l.: Silvan-Pierre Leirich, Tatjana Clasing, Ania Niedieck, Matthias Brüggenolte, Kaja Schmidt-Tychsen, Francisco Medina

Das Team von „Alles was zählt“ (v.l.): Silvan-Pierre Leirich, Tatjana Clasing, Ania Niedieck, Matthias Brüggenolte, Kaja Schmidt-Tychsen und Francisco Medina.

Können Sie sich vorstellen, 15 Jahre weiterzumachen?

Tatjana Clasing: Ich mache keine Pläne, ich weiß ja nicht mal, was noch in diesem Jahr so anfällt. Solange es Spaß macht, möchte ich dabeibleiben. Nicht nur der Rolle, sondern auch des Umfeldes wegen. Wir sind fast eine Familie, ich komme jeden Tag mit einem freudigen Gefühl ins Studio. Das ist wichtig, denn das ist ja Lebenszeit, die ich hier verbringe.  

Sind Sie immer „die Böse“?

Tatjana Clasing: Zum Glück nicht. Ich kann auch sehr brav sein, das war schon oft zu sehen. Ich habe in vielen „Tatorten“ gespielt, ohne böse oder verdächtig zu sein. In meinem ersten „Tatort Bienzle und die schöne Lau“ – mein erster Auftritt im Fernsehen – habe ich eine singende Wirtin gespielt. Ich stand auch regelmäßig hinterm Tresen in „Der letzte Bulle“. Im Saarbrücker „Tatort“ war ich die Lebensgefährtin des liebenswerten Kommissars Max Palu und in „SK Kölsch“ durfte ich als Pathologin Marie Weiß sechs Jahre Leichen sezieren.

Da gab es den legendären Auftritt, in dem Sie einem Dudelsack eine Melodie entlockten…  

Tatjana Clasing: …obwohl ich vorher keine Ahnung vom Dudelsackspiel hatte. Ich habe von einem waschechten Schotten Unterricht bekommen. Er brachte dazu seinen alten Dudelsack mit, in den gefühlt vorher schon Generationen von Menschen reingeblasen hatten. Es war saumäßig schwer, die richtigen Töne rauszukriegen. Um mir das Proben zu erleichtern, hat er mir vor jedem Unterricht ein Schnäpschen eingeschenkt! Dann war alles umsonst. Ich konnte zwar spielen – durfte aber nicht, weil die Dudelsacktöne fürs Studio viel zu laut waren. So wurde die Musik später eingeblendet.

Palus (Jochen Senf) und Freundin Margit (Tatjana Clasing) gucken verängstig und horchen in ein Telefon.

Im Saarbrücker „Tatort“ spielte Tatjana lange die Freundin vom liebenswerten Kommissar Palu (Jochen Senf). Ihre TV-Premiere feierte die Schauspielerin auch in einem „Tatort“.

Ist das, was Sie jetzt machen, das, von dem Sie als Kind geträumt haben?

Tatjana Clasing: Als Kind wollte ich Clown werden, es ging mir nicht nur um die Komik. Ich fand auch das Melancholische, Sehnsüchtige so schön. Später habe ich davon geträumt, in Musicals wie „Cabaret“ oder „West Side Story“ zu singen, zu spielen, zu tanzen...

Hat sich dieser Traum erfüllt?

Tatjana Clasing: Glücklicherweise ja. Ich habe nach dem Abi einen Gesangswettbewerb gewonnen, erhielt ein Stipendium an der Musikhochschule Hamburg und durfte danach bei meinem ersten Engagement am Staatstheater Hannover gleich die Anita in der „West Side Story“ spielen – das war immer meine Traum-Rolle.

Zukunftsträume von Teenies zeigen sich oft in Postern. Wer war’s bei Ihnen?

Tatjana Clasing: Ich war der absolute Elvis-Fan, die Wände waren mit Elvis-Postern gepflastert. Ich habe ihn geliebt, seine Lieder rauf und runter gehört und nach seinem Tod ein Jahr lang Schwarz getragen. Mein ganz besonderer Stolz war ein Autogramm...

… das nur schwer zu bekommen war. Wie haben Sie es geschafft?

Tatjana Clasing: Das war mein Vater, er hat die Autogramm-Adresse in Graceland angeschrieben – und es klappte. Ich bekam es zu meinem Geburtstag. Es war etwas makaber, es lag eine Woche nach seinem Tod im Briefkasten...

So ungewöhnlich wie Ihr berufliches ist auch Ihr Privatleben. Sie waren 23, als Sie Ihren Mann, Regisseur und Schauspieler Thomas Goritzki, kennenlernten. Er war 35. Erst 30 Jahre später haben Sie geheiratet…

Tatjana Clasing: …und jetzt ist er bald 70, und ich stehe kurz vor der 60. Kommt mir ziemlich unwirklich vor. Ich weiß noch genau, wie es war, als wir das erste Mal zusammen in der Kneipe saßen. Füreinander werden wir wahrscheinlich immer 35 und 23 bleiben...

Was ist der Unterschied zwischen langjähriger Freundin und frischer Ehefrau?

Tatjana Clasing: Fühlt sich anders an. Die Geborgenheit ist kompletter geworden. Es hat sich was geschlossen, ohne dass was eingeschlossen wird. Es ist ein Gefühl, ich kann es nicht in Worte fassen.

Tatjana Clasing: Fürs Elvis-Musical auch auf der Bühne

Tatjana Clasing (geboren am 8. Februar 1964 in Hamburg) gewann 1983 den Bundeswettbewerb Gesang (Musical/Chanson) und den Sonderpreis des Deutschen Bühnenvereins für „Die beste Darstellung im Fach Musical“. Studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg.

Erste Engagements im Musical „Elvis“ (Hamburg), „West Side Story“ (Staatstheater Hannover) und „My Fair Lady“ (Städtische Bühnen Krefeld/Mönchengladbach). 1990 im Staatstheater Stuttgart, 1993 im Schauspiel Essen aktiv. Seit 2000 arbeitet sie freiberuflich. Seit 2006 bei „Alles was zählt“ an Bord. Seit 2017 mit Thomas Goritzki (68) verheiratet. Beide leben in Köln.

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