Wut & Gewalt: Lage vor US-Abschiebezentrum eskaliert
„Sie behandeln sie wie Tiere“Proteste in den USA eskalieren – schwere Vorwürfe gegen Trump

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Vor Bundesbeamten der Einwanderungsbehörde ICE haben Demonstrierende ein großes Schild mit der Aufschrift «ICE out» drapiert.
Wut, Gewalt und schwere Vorwürfe: Vor einem Abschiebezentrum im US-Bundesstaat New Jersey eskaliert die Lage. Mittendrin: Demonstranten und schwer bewaffnete Beamte, die sich unversöhnlich gegenüberstehen.
Der Schauplatz: ein Industrieareal in Newark. Seit einer Woche versammeln sich auf dem Parkplatz des Abschiebezentrums namens Delaney Hall Gegner der strengen Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump. Dort sehen sie sich dem massiven Widerstand der Einwanderungsbehörde ICE ausgesetzt.
Nachdem es zu Jahresbeginn in Minnesota zu stark kritisierten Zwischenfällen bei Operationen von ICE kam, bei denen zwei amerikanische Staatsbürger durch Schüsse von Bundespolizisten ums Leben kamen, bahnt sich eine neue Auseinandersetzung an. Diese befeuert die Diskussion um Trumps Migrationspolitik vor den entscheidenden Zwischenwahlen im Herbst von Neuem.

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Demonstranten und ICE-Beamte stoßen während einer Demonstration mitten auf der Straße vor dem Delaney Hall Detention Center zusammen.
Eskalation mit Pfefferspray und Schlagstöcken
Die Atmosphäre vor dem kontroversen, niedrigen Gebäude ist geladen. Eine Formation von maskierten und in Tarnuniform gekleideten ICE-Kräften steht einer bunten Gruppe von Protestierenden gegenüber. Ihr Protest äußert sich in Gesängen, Parolen oder Beschimpfungen. Sobald sich ein Auto bewegt, kommt es zu Handgemengen. Eine Aktivistin schreit den Inhaftierten per Megafon auf Spanisch entgegen: «Wir sind alle hier für euch.»
Laut Zeugenaussagen gab es in den letzten Tagen mehrfach gewalttätige Konfrontationen. Sicherheitskräfte sollen dabei auch Reizgas und Schlagstöcke genutzt haben. Der X-Account des Heimatschutzministeriums zeigte Bilder, wie mittlerweile Beton-Barrieren vor der Einrichtung aufgestellt werden.
«Sie behandeln sie wie Tiere»
Aktivisten, Anwaltsvereinigungen und Politiker der Demokraten verlangen die Stilllegung der Anstalt. Sie prangern inhumane Zustände im Inneren an, berichten von madenverseuchter Nahrung und einer unzureichenden medizinischen Versorgung.

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Menschen protestieren vor dem Abschiebezentrun in Newark im US-Bundestaat New Jersey.
Was sich tatsächlich hinter den Gittern von Delaney Hall abspielt, ist Gegenstand eines Informationskrieges. Während Juristen und Aktivisten von einem Hungerstreik der Gefangenen sprechen, stempelte das Heimatschutzministerium dies auf X als Falschinformation ab. US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin stellte klar, das Abschiebegefängnis sei eben kein «Holiday Inn». Trump warf den Demonstrierenden vor, sie seien gekauft.
Am Samstag machten sich zwei Kongressabgeordnete der Demokraten aus New Jersey selbst ein Bild von der Anstalt und sahen die Anschuldigungen bestätigt: schmutzige Waschräume, übergriffiges Personal und eine mangelhafte ärztliche Betreuung. «Sie behandeln sie wie Tiere», sagte eine Verwandte eines Insassen. Die private Firma Geo Group, die für den Betrieb zuständig ist, ließ eine dpa-Anfrage bisher unbeantwortet.
Seit Jahren brutale und unmenschliche Bedingungen
Die Bürgerrechtsgruppe American Civil Liberties Union (ACLU) in New Jersey informierte, dass die Anstalt seit ihrer Inbetriebnahme von gravierenden Mängeln betroffen sei. «Die in Delaney Hall Inhaftierten sind brutalen und unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt.» Schon im Juni 2025 gab es aufgrund der katastrophalen Lage Aufruhr, wobei vier Männer fliehen konnten.
Nach Angaben der ACLU kommt alle sechs Tage eine Person in ICE-Haft ums Leben. Ende August 2025 waren in Delaney Hall etwa 890 Personen untergebracht, obwohl 1.000 Plätze zur Verfügung stehen. Im Zuge des Hungerstreiks ist in Medienberichten von derzeit 300 Gefangenen die Rede.
Trumps harte Linie wird zur Belastung
Trump hat das Migrationsthema zum Angelpunkt seiner zweiten Präsidentschaft erklärt und bezeichnet Personen ohne Aufenthaltsrecht als eine «Bedrohung für die nationale Sicherheit». Unter seiner Führung kletterte die Zahl der Inhaftierten in Abschiebeeinrichtungen von 30.000 bis 40.000 auf circa 62.000 (Stand: Ende März).
Statistiken aus New York City untermauern ebenfalls die verschärfte Gangart: Die Zahl der Verhaftungen aufgrund vermuteter Verstöße gegen Einwanderungsgesetze ist seit Trumps zweiter Amtsperiode um 70 Prozent in die Höhe geschnellt. Im Zeitraum vom 20. Januar 2025 bis zum 10. März 2026 handelte es sich um 5.567 Personen. Viele von ihnen werden nach Delaney Hall gebracht.
Der harte Kurs in der Migrationsfrage verhalf Trump 2024 zum Sieg bei der Wahl. Aber die Aufnahmen von brutalen Razzien und zornigen Protesten werden immer mehr zur Hypothek für den Präsidenten, der im November bei den Kongresswahlen erfolgreich sein möchte. Sollte er auch nur in einer der beiden Parlamentskammern die Mehrheit verlieren, kann er seine Agenda so gut wie nicht mehr durchsetzen. (dpa/red)
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