Lauterbach besorgt „Hoffe, dass wir ähnlich drastische Maßnahmen wie in Österreich noch verhindern können“

Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsexperte, nimmt am 18.11.2021 an der Sitzung des Bundestags teil.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet mit ähnlichen Schritten wie in Bayern und Sachsen auch in anderen Bundesländern.

Sachsen und Bayern ergreifen  drastische Maßnahmen gegen die steigende Corona-Inzidenz. Könnte in anderen Bundesländern Ähnliches drohen?

Berlin. Mit harten Gegenmaßnahmen wie in Sachsen oder Bayern ist nach Ansicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach lokal auch in anderen Bundesländern zu rechnen.

Zuvor hatte bereits der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, vor der nächsten Welle in der Corona-Krise gewarnt, falls Gegenmaßnahmen nicht schneller umgesetzt werden. „Wenn das Verringern der Kontakte und das Impfen nicht intensiv gelingt, werden wir nach den jetzigen Modellierungen auch noch eine fünfte Welle bekommen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erreichte am Samstag, 20. November 2021, erneut einen Höchststand.

„Der weitere Verlauf des Winters hängt stark davon ab, was jetzt geschieht“, sagte Wieler. „Es muss jetzt rasch dafür gesorgt werden, dass flächendeckend in Deutschland die Kontakte der Menschen eingeschränkt werden.“

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RKI-Chef Wieler: Impfen und 2G reicht nicht mehr aus

Impfen und 2G reichen seiner Ansicht nach nicht mehr aus. Wieler fordert schon seit Tagen, dass große Feiern, Großveranstaltungen und große Menschenansammlungen in Innenräumen vermieden werden sollten.

„In den Bundesländern, in denen die Zahlen jetzt noch niedrig sind, haben wir mit Kontaktbeschränkungen die Chance, die Zahlen auch niedrig zu halten. Dort, wo die Zahlen hoch sind, ist es eigentlich sehr spät, wenn nicht zu spät“, sagte der RKI-Präsident.

Besonders harte kurzfristige Gegenmaßnahmen hatten die stark betroffenen Bundesländer Sachsen und Bayern am Freitag angekündigt. In Sachsen sollen von Montag, 22. November 2021, an für drei Wochen weite Teile des öffentlichen Lebens eingeschränkt werden. Geschlossen werden Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Bars, Clubs und Diskotheken. Weihnachtsmärkte und touristischen Übernachtungen sind nicht mehr erlaubt, und Restaurants bekommen begrenzte Öffnungszeiten.

In Bayern sollen ab Mittwoch, 24. November 2021, für Ungeimpfte strikte Kontaktbeschränkungen gelten. Clubs, Diskotheken und Bars müssen für die nächsten drei Wochen schließen, Weihnachtsmärkte soll es nicht geben. Bei Kultur- und Sportveranstaltungen wird die Zuschauerzahl deutlich begrenzt. In extremen Hotspots werden zudem weite Teile des öffentlichen Lebens heruntergefahren.

Karl Lauterbach über Lockdown und Kontaktbeschränkungen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet mit ähnlichen Schritten auch in anderen Bundesländern. „Wir sind in eine so schwierige Lage gekommen, dass es auch in anderen Bundesländern - zumindest in Teilen anderer Bundesländer - so hohe Fallzahlen geben wird, auch Hospitalisierungen geben wird, dass wir dort auch also lokal Dinge schließen müssen“, sagte er am Samstag im Deutschlandfunk.

Dem Portal „t-online“ sagte er: „Ich hoffe wirklich, dass wir ähnlich drastische Maßnahmen wie in Österreich noch verhindern können. Aber das heißt eben auch: Wir müssen jetzt wirklich richtig Ernst machen. Anders wird es uns nicht gelingen.“ Ganz Österreich geht ab Montag in einen erneuten Lockdown, der für Geimpfte und Genesene spätestens am 13. Dezember enden soll.

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen mit 362,2 an. Am Vortag hatte der Wert bei 340,7 gelegen, vor einer Woche bei 277,4 (Vormonat: 80,4). Binnen eines Tages wurden 63 924 Corona-Neuinfektionen gemeldet und 248 Todesfälle. Vor genau einer Woche waren es 45 081 Ansteckungen und 228 Todesfälle.

Bei der Zahl der Neuinfektionen ist allerdings zu beachten, dass am Vortag keine Zahlen aus Sachsen gemeldet worden waren. Nun kamen von dort innerhalb eines Tages 14 735 Fälle dazu - es liegt nahe, dass darin auch die am Vortag nicht mitgezählten Fälle enthalten sind.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,34 an (Donnerstag: 5,30). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit des Vorjahres bei rund 15,5. (dpa)

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