Warnung an Erdogan? Russland schickt Truppen an türkische Grenze

Kämpfer der militanten Oppositionsgruppe Haiat Tahrir al-Scham in der syrischen Provinz Idlib.

Kämpfer der militanten Oppositionsgruppe Haiat Tahrir al-Scham in der syrischen Provinz Idlib. Das Foto wurde am 7. November 2022 aufgenommen.

Geht Russland jetzt auch noch auf Konfrontationskurs mit der Türkei? Truppenbewegungen im Norden Syriens könnten dazu führen, dass sich türkische und russische Streitkräfte bald gegenüber stehen.

Russland hat am Donnerstag (1. Dezember 2022) angesichts einer drohenden türkischen Bodenoffensive in Nordsyrien Truppen zur Verstärkung in ein von kurdischen Kämpfern und syrischen Regierungssoldaten kontrolliertes Gebiet entsandt.

Bewohner der Stadt Tal Rifaat nördlich von Aleppo sagten der Nachrichtenagentur AFP, dass russische Soldaten die Stadt erreicht hätten. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge verstärkte Russland zudem seine Truppen an einem nahegelegenen Luftstützpunkt und an der Grenzstadt Kobane.

Droht Russland der Türkei mit Krieg?

Der Schritt folgt einer türkischen Militäroffensive, in deren Verlauf Ankara seit dem 20. November hunderte kurdische Ziele in Nordsyrien und dem Nordirak angegriffen hat. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte auch mit einer Bodenoffensive.

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Die russischen Verstärkungen könnten ein Versuch sein, die „türkische Offensive zu stoppen oder hinauszuschieben“, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, AFP.

Tal Rifaat liegt 15 Kilometer südlich der Grenze zur Türkei. Kurdische Kräfte kontrollieren die Stadt und die umliegenden Dörfer. Russische Soldaten sind bereits in der Gegend stationiert.

Anwohnern zufolge haben russische Streitkräfte bereits Straßensperren in Abgrenzung zu von türkischen Streitkräften und ihren syrischen Verbündeten kontrollierten Stellungen errichtet. Letztere kontrollieren Gebiete nördlich von Tal Rifaat.

Russland kämpft im Syrienkrieg seit 2015 an der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Seit 2019 ist die russische Armee nach einem Abkommen mit der Türkei auch im Nordosten Syriens präsent.

Seit 2016 startete die türkische Armee drei Offensiven überwiegend gegen kurdische Kämpfer und besetzte Gebiete im Norden Syriens, die nun von Stellvertretern Ankaras kontrolliert werden.

Wenige Tage vor Beginn der jüngsten türkischen Militäroffensive waren bei einem Anschlag in Istanbul sechs Menschen getötet worden. Ankara machte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) dafür verantwortlich; die PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG weisen jegliche Verwicklung in den Anschlag zurück. (mac/afp)

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