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US-Angriffe auf VenezuelaKölner Experte: „Putin wird das nicht freuen“

Aktivisten in Indien zeigen sich solidarisch mit Venezuelas Regime und verbrennen während einer Kundgebung in Kalkutta eine Puppe von US-Präsident Donald Trump, um gegen den jüngsten Angriff der USA zu protestieren.

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Aktivisten in Indien zeigen sich solidarisch mit Venezuelas Regime und verbrennen während einer Kundgebung in Kalkutta eine Puppe von US-Präsident Donald Trump, um gegen den jüngsten Angriff der USA zu protestieren.

Aktualisiert

Seit Langem ist Erdöl ein wichtiger Streitpunkt zwischen den USA und Venezuela. Ein Kölner Experte erklärt, worum es Trump bei dem Angriff in Venezuela wirklich geht.

Es fing im September mit Angriffen auf mutmaßliche Drogenschmuggelboote an, dann blockierten die USA Tanker mit Öl aus Venezuela, jetzt haben sie bei einem Angriff nach Angaben von Präsident Donald Trump den langjährigen Staatschef Nicolás Maduro gefangengenommen und außer Landes gebracht.

Die Regierung in Caracas sieht darin nichts anderes als den Versuch, „sich Venezuelas strategischer Ressourcen zu bemächtigen, insbesondere seines Erdöls und seiner Mineralien“.

„Das ist nur der Vorhang, der das eigentliche Ziel verhüllen soll“

Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt. Der Rohstoff ist in den Beziehungen der beiden Staaten schon seit Langem Anlass für Konflikte. Der Kölner Politikwissenschaftler Thomas Jäger von der Uni Köln erklärte im Interview mit der „Wirtschaftswoche“, worum es Trump bei dem Angriff wirklich geht. Und welche Auswirkungen er haben wird.

„Die USA begründen das Ganze mit einem Kampf gegen die Drogen – doch das ist nur der Vorhang, der das eigentliche Ziel verhüllen soll“, so Jäger. Wenn es beispielsweise wirklich um Fentanyl gehen würde, hätten die USA Mexiko angreifen müssen. Das sei also nur Vorwand.

Venezuela besitzt gigantische Ölvorkommen

Trump, so Jäger, gehe es „ums Geschäft“. „Das ist ziemlich simpel, Venezuela besitzt gigantische Ölvorkommen“.

Seit Entdeckung der ersten Ölfelder in den 1920er Jahren fördern US-Unternehmen Erdöl in Venezuela. Viele Raffinerien in den USA wurden speziell für die Verarbeitung des schweren venezolanischen Rohöls konzipiert und sind auch heute noch darauf ausgerichtet.

Bis 2005 war Venezuela einer der wichtigsten Öllieferanten der Vereinigten Staaten, mit monatlichen Importen von bis zu 60 Millionen Barrel. Die Lage änderte sich dramatisch, nachdem der damalige sozialistische Staatschef Hugo Chávez 2007 die Industrie weiter verstaatlichte und den Besitz von US-Firmen beschlagnahmte.

Nach einem Höchststand von mehr als drei Millionen Barrel pro Tag Anfang der 2000er Jahre produzierte Venezuela zuletzt etwa eine Million Barrel pro Tag - rund zwei Prozent der weltweiten Gesamtmenge.

2019 verbot Trump die Einfuhr venezolanischen Öls im Rahmen von Sanktionen gegen Maduro. Für den US-Konzern Chevron gilt jedoch eine Ausnahme: Mit einer Sonderlizenz fördert er etwa zehn Prozent der venezolanischen Gesamtmenge und darf als einziges Unternehmen Öl in die Vereinigten Staaten liefern.

„Das will Trump ändern“

Jäger: „US-amerikanische Ölunternehmen haben venezolanische ausgebeutet, mit den 1940er Jahren aber hat sich die Politik der Dekolonisation und Verstaatlichung der venezolanischen Ölindustrie sukzessive ausgeweitet. Nach 2000 hat sich das noch weiter verschärft, seit 2007 ist Chevron der einzige große US-Ölkonzern, der trotz Sanktionen noch in Venezuela tätig ist.“

Das wolle Trump ändern, „und das Ganze eben nicht mit der venezolanischen Regierung absprechen. Er will diktieren, wer am Ende was bekommt.“

„Die Lage erleichtert die Dinge für russische Öl-Exporte nicht“

Noch hätten sich Auswirkungen auf den globalen Ölmarkt in Grenzen gehalten. „In Zukunft könnten die US-Unternehmen, die kräftig exportieren, aber nun noch dominanter auf diesen Märkten werden. Wladimir Putin wird das nicht freuen: Die Lage erleichtert die Dinge für russische Öl-Exporte nicht.“

Trump gehe laut Jäger mit dem Angriff aber auch ein großes Risiko ein, denn „auch in seiner MAGA-Blase gibt es einen großen Anteil an Menschen, die überhaupt keinen Militäreinsatz befürworten, außer es geht um die nationale Sicherheit.“ (afp/mg)

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