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Peinliche Gehalts-StudieBei Gehältern ist Deutschland im EU-Vergleich das Schlusslicht

Jobcenter - Bundesagentur für Arbeit

Copyright: Jens Kalaene/dpa

Konkrete Angaben zur Bezahlung fehlen in vielen Stellenanzeigen. (Symbolbild)

Gehalts-Frust: Deutschland ist Schlusslicht in Europa.

Wer in Deutschland einen neuen Job sucht, tappt oft im Dunkeln, was das Gehalt angeht. Eine neue Untersuchung der Jobseite Indeed bestätigt dieses frustrierende Gefühl: Nur in 12,5 Prozent der deutschen Stellenanzeigen finden sich konkrete Zahlen zur Bezahlung. Damit ist Deutschland das Schlusslicht unter sieben untersuchten europäischen Ländern.

Doch woran liegt diese Geheimniskrämerei? Lisa Feist, Ökonomin bei Indeed, hat eine klare Antwort. „Statt eines präventiven Anstiegs verzeichnen wir aktuell sogar einen Rückgang der Transparenzquote in Deutschland“, erklärt sie.

Arbeitgeber wieder am längeren Hebel

Der Grund: „Diese Entwicklung verläuft parallel zu einem Arbeitsmarkt, der spürbar abkühlt und auf dem sich die Verhandlungsmacht wieder zugunsten der Arbeitgeber verschiebt.“ Der Druck auf die Firmen lässt nach und etliche verfallen wieder in alte Gewohnheiten. Eine echte Veränderung erwartet die Expertin erst, wenn die Gesetze es vorschreiben.

Und genau das steht kurz bevor. Eine EU-Vorgabe zur Lohntransparenz muss bis zum 7. Juni in nationales Recht gegossen werden. Ihr Ziel ist es unter anderem, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen. Außerdem werden Firmen verpflichtet, die Bezahlung bereits vor einem Vorstellungsgespräch offenzulegen.

In diesen Branchen wird am meisten gemauert

Aktuell gilt in der Bundesrepublik: Je höher die Bezahlung, desto größer die Geheimniskrämerei. Während in Jobs bei Reinigungsfirmen (34,8 Prozent) oder im Transportsektor (22,3 Prozent) noch vergleichsweise häufig eine Vergütung angegeben wird, herrscht anderswo Totenstille.

In der Architektur nennen nur sechs Prozent der Ausschreibungen eine Lohnspanne, in der IT sind es sogar nur fünf Prozent. Das ist ein echtes „Wie bitte?!“-Moment, wenn man bedenkt, was sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eigentlich wünschen: Eine Indeed-Befragung ergab, dass über 60 Prozent von euch klare Lohnangaben fordern und sich mit dieser Info auch viel eher bewerben würden.

Andere Länder sind schon viel weiter

Ein Blick über die Grenzen beweist, dass es auch anders funktioniert. In Großbritannien (56 Prozent), den Niederlanden (48 Prozent) und auch in Frankreich (43 Prozent) ist die Offenlegung von Gehältern weitaus üblicher. Besonders Italien macht einen gewaltigen Sprung: Dort stieg der Anteil der Inserate mit Lohninfo binnen eines Jahres von 22 auf 36 Prozent. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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