Drohnen aus der Ukraine verwandeln eine Ölraffinerie in Russland in ein Flammenmeer. Moskau kocht vor Wut.
Raffinerien und Öldepots angegriffenFlammenmeer in Russland nach Drohnenhagel – „Moskau wird fallen“

Copyright: Screenshot/X/Anton Geraschtschenko
Ein Screenshot aus einem in den sozialen Netzwerken kursierenden Video soll eine Rauchsäule über Wolgograd zeigen.
Der Krieg kommt mit voller Wucht zurück nach Russland. Drohnen aus der Ukraine verwandeln eine Ölraffinerie und Lager in ein Flammeninferno. Während man in Kiew feiert, brodelt in Moskau die Wut.
Ein Feuersturm in der Millionen-Metropole Wolgograd. Fluggeräte aus der Ukraine setzten dort eine Öl-Anlage sowie ein Warenlager des Internet-Versandhändlers Wildberries in Brand. Der Gouverneur Andrej Botscharow hat die Treffer bestätigt und über den Nachrichtendienst Telegram von fünf verletzten Personen durch die Attacken berichtet. Aufnahmen, die auf russischen Kanälen kursieren, dokumentieren riesige Feuer und eine massive Rauchentwicklung über der Ortschaft.
Russlands Wirtschaft gezielt im Fadenkreuz
Er teilte mit, dass außer den Industrieanlagen in der Metropole, die ehemals Stalingrad genannt wurde, ebenfalls ein Mehrfamilienhaus und ein Einfamilienhaus in Mitleidenschaft gezogen wurden. Aufgrund des Ausmaßes der Brände mussten weitere Kräfte zur Brandbekämpfung angefordert werden, wie die Behörden später bekannt gaben. Der Online-Händler Wildberries räumte den Einschlag in seinem Depot ebenfalls ein.
Russland befindet sich seit etwa viereinhalb Jahren im Kriegszustand mit der Ukraine. Die attackierte Nation setzt sich gegen die Invasion zur Wehr, in letzter Zeit vermehrt durch Drohnenangriffe, welche die Auseinandersetzung auf das Territorium des Angreifers verlagern. Die Öl-Wirtschaft Russlands ist seit einiger Zeit ein Hauptziel für die ukrainischen Streitkräfte: Zahlreiche Raffinerien und Treibstofflager sind schon attackiert worden. Kiews Absicht dahinter ist es, die Versorgung der russischen Armee mit Kraftstoff zu stören und die Finanzierung des Krieges durch den Kreml zu behindern.
Zusätzlich nimmt die Ukraine seit 14 Tagen gezielt die Depots von Wildberries, dem größten russischen Internet-Versandhaus, ins Visier. Mittlerweile wurden elf Niederlassungen der Firma, die auch als „Russlands Amazon“ bezeichnet wird, komplett oder zum Teil ein Raub der Flammen. Als Grund für die Angriffe nennt Kiew, dass über die Verkaufsplattform auch Ausrüstung für die russischen Streitkräfte an der Kampflinie vertrieben werde.
Am Freitagmorgen (31. Juli) gab es auch Berichte über Detonationen aus der Gegend um Tatarstan. Der russische Telegram-Kanal Astra meldete aufsteigenden Rauch über einem Logistik-Standort von Wildberries in Zelenodolsk. Eine offizielle Bestätigung für eine ukrainische Attacke lag anfangs weder von der Firma noch von den lokalen Behörden vor. Die „Kyiv Post“ schreibt, dass sich in dem Gebiet auch Öl-Anlagen befinden; Anwohner sollen in sozialen Medien von über 30 Detonationen gesprochen haben.
Kiew feiert: „Moskau wird fallen“
Unterdessen informierte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj über total drei Attacken auf Wildberries. Selenskyj schrieb auf der Online-Plattform X: „Insbesondere wurden heute Maßnahmen gegen drei Logistikzentren in verschiedenen Regionen der Russischen Föderation ergriffen – in Sarapul, Kasan und Wolgograd, die in Entfernungen von etwa 500 bis fast 1300 Kilometern liegen“.
In der Ukraine zeigte man sich währenddessen unverhohlen erfreut über die anscheinend geglückten Attacken. Die 414. Brigade für unbemannte Flugsysteme, die häufig bei Drohnen-Operationen die Führung übernimmt und aufgrund des Spitznamens ihres Kommandeurs Robert Brovdi („Magyar“) auch als „Magyars Vögel“ firmiert, witzelte über eine „Missernte an Wildbeeren“.

Copyright: Screenshot/Telegram/Supernova+
Ein Screenshot aus einem Video soll ein brennendes Wildberries-Lagerhaus in Russland zeigen. (Archivbild)
Diese Bemerkung ist wohl eine Anspielung auf die Vernichtung vieler Wildberries-Depots in Russland. „Wir werden standhalten“, verkündeten die Drohnen-Einheiten außerdem in den sozialen Medien. Es wurde hinzugefügt: „Moskau wird fallen und die Krim wird aufgerichtet und wieder aufgebaut“.
Frust in Russland: „Leute, das ist komplett beschissen“
In der russischen Bevölkerung macht sich derweil weiter Fassungslosigkeit über die vielen geglückten ukrainischen Angriffe breit. In sozialen Medien monieren russische Bürgerinnen und Bürger wiederholt das angebliche Fehlen jeglicher Flugabwehr.
Ein Clip, der am Freitag die Runde machte, zeigt beispielsweise einen jungen Russen, der angesichts der Drohnen-Attacken zornige Ausdrücke verwendet. „Leute, das ist komplett beschissen. Entschuldigt die Kraftausdrücke“, sagt die Person in dem Video und spricht anschließend von „herumfliegenden Vögeln“, was sich vermutlich auf ukrainische Drohnen bezieht.
Moskau bereitet sich vor: Schutzbunker-Karten veröffentlicht
Offenbar bereitet man sich in Russland derweil auf zusätzliche große Angriffe aus der Ukraine vor – auch im Gebiet der Hauptstadt Moskau. Russische Amtsstellen haben am Donnerstag zum ersten Mal Pläne publiziert, die die Lage von Luftschutzräumen zeigen. Dieses Verzeichnis beinhaltet die Keller von Wohnhäusern, unterirdische Parkhäuser, Postfilialen und sonstige befestigte Anlagen im Untergrund, die der Sicherheit der Zivilisten dienen sollen.
Der Kreml hat seinen kriegerischen Kurs in der laufenden Woche mehrmals untermauert. Zuerst hob Wladimir Putin hervor, dass Moskau die komplette Ostukraine für sich beansprucht, und sagte dem angrenzenden Staat den totalen Zusammenbruch voraus.
Außenamtschef Sergej Lawrow wählte anschließend scharfe Töne – und stimmte die russische Bevölkerung auf eine Weiterführung der Auseinandersetzung ein. Für Russland sei eine Alternative zu einem Triumph über die Ukraine nicht denkbar, führte Lawrow aus, „wenn wir unsere russische Zivilisation bewahren wollen“. (red mit dpa)
