Bundeswehr-Übung wird zum Schock: "Ich wäre jetzt tot"
„Im Krieg wäre ich tot“Bundeswehr probt mit neuer Brigade den Ernstfall in Litauen

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Zugführer Philip und seine Männer des Zuges «Bravo».
Todes-Schock bei Bundeswehr-Übung: „Meine Frau würde einen Brief bekommen“. Litauen – Ein Manöver an der Grenze zu Belarus wird zur bitteren Lektion. Bei „Freedom Shield 2026“ spüren deutsche Soldaten die gnadenlose Härte eines möglichen Konflikts. Ein Zugführer berichtet von Momenten, die unter die Haut gehen.
Der Befehl hallt über das Feld: „Angriff, Angriff, Angriff“. Hauptfeldwebel Philip (die Familiennamen der Militärangehörigen bleiben geheim) treibt seine Einheit an. Kaum sind seine Männer aus dem gepanzerten Fahrzeug geklettert, zerreißt Gewehrfeuer die Stille. Ihr Ziel: ein gegnerisches Hindernis aus Sprengfallen und Drahtverhau. Auch wenn es nur ein Training ist, die Anspannung ist greifbar.
Philip, fast 40, kommandiert eine 34-köpfige Truppe. Er erläutert: „In Verbindung mit den Panzern haben wir Panzergrenadiere eine enorme Stoßkraft“. Aber der Erfolg ist nicht garantiert. Ein Hightech-System namens AGDUS meldet jeden Treffer gnadenlos zurück – als simulierte Verwundung oder den Tod.
Drohnen-Alarm: Deutschlands neue Brigade im Härtetest
Die neu aufgestellte Panzerbrigade 45, die den Beinamen „Litauen“ trägt, trainiert zum ersten Mal den Kampf auf litauischem Territorium. Ihre permanente Präsenz soll als Abschreckung gegenüber Russland dienen. Auf dem Militärgelände Pabrade nehmen etwa 2300 Bundeswehr-Angehörige an dem Manöver teil. Die Einheit gilt als Testfeld für die geforderte Einsatzbereitschaft, bei dem aus Patzern gelernt werden soll.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit Drohnen. Unbemannte Systeme schwirren ununterbrochen am Himmel und attackieren gepanzerte Fahrzeuge. Brigadegeneral Christoph Huber präsentiert dem Heeresinspekteur Christian Freuding innovative Ansätze für mobile Drohnen-Leitstellen. Huber fordert die Anschaffung zusätzlicher kleinerer Kamikaze-Drohnen, ein Konzept, das sich in der Ukraine bewährt hat. Seine klare Ansage: „Was wir aufklären können, wollen wir auch direkt zerstören können“.
Der unsichtbare Kampf an der Grenze zu Belarus
Die Grenze zu Belarus ist lediglich 15 Kilometer weit weg. Dort haben Experten der elektronischen Kampfführung (kurz „EloKa“) ihre Abhörgeräte positioniert. Ihre Aufgabe ist es, Funksignale aufzufangen und die eigenen Verbindungen zu sichern. In einem Konfliktfall käme es hier zu einer verborgenen Auseinandersetzung mit Störsendern, noch ehe der erste Schuss fällt.
Militärstrategen sind überzeugt, dass künftige Konflikte eine Kombination aus traditioneller und moderner Kriegsführung sein werden. Unbemannte Flugobjekte werden Panzer nicht überflüssig machen, sondern die Gefechtsführung nachhaltig beeinflussen. Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Konflikt sollen genutzt werden, aber nicht als direkte Vorlage dienen.
Eine Frau unter Männern: Fine (20) steuert den Panzer
Die Bundeswehr trainiert genau dort, wo ein Einsatz Realität werden könnte. Das Gelände mit seinem sandigen Untergrund, Kiefernwäldern und heimtückischen Sümpfen stellt eine enorme Belastung dar. Regelmäßig bleiben Fahrzeuge stecken; ein Kettenfahrzeug des Modells CV 90 kippte sogar zur Seite. Im Vorjahr kamen an diesem Ort vier amerikanische Soldaten ums Leben, nachdem ihr Panzer im Morast versunken war.
Den Puma-Schützenpanzer von Zugführer Philip lenkt die 20-jährige Fine. Ihr ursprünglicher Plan nach dem Abitur war ein Medizinstudium, doch sie entschied sich für die Streitkräfte. In ihrer Einheit ist sie die einzige Soldatin neben 33 Kameraden. Ihre Einstellung dazu ist pragmatisch: „Man soll diese Sache nicht größer machen, als sie ist.“
Zwischen Überraschungsangriff und Todesfalle
Bis zu sechs Infanteristen kauern im Heck des Puma auf engstem Raum. Innerhalb von Momenten schaltet die Gruppe von lockeren Sprüchen auf höchste Anspannung um. Dann ertönt der Befehl: „Drei, zwei, eins, Klappe auf. Raus, raus“. Gelegentlich handelt es sich um einen schnellen Vorstoß, den die Truppe als „Stierparty“ bezeichnet – ein direkter Angriff auf den Feind.
Die Atmosphäre bleibt jedoch angespannt. Ein Soldat wirft ein: „Oder es kann auch ein Himmelfahrtskommando sein“. Ein anderer ergänzt: „Das ist Soldat sein, auch wenn es wehtut weitermachen. Man will auch abliefern.“
Auf einmal läuft alles aus dem Ruder. Die Funkkommunikation zu den benachbarten Einheiten bricht ab. Die Truppe ist zum Abwarten gezwungen – ein verhängnisvoller Stillstand. Momente später schrillen die Signalgeber an den Schutzwesten. Ein simulierter Granatentreffer. Die Mehrheit von Philips Einheit gilt als ausgeschaltet, die Einsatzfähigkeit ist auf nur noch 25 Prozent gesunken.
Erschöpft und sichtlich frustriert schaut der Hauptfeldwebel auf seine Truppe. Es folgt die Aussage, die einem kalt den Rücken runterläuft: „Im Krieg wäre ich jetzt tot. Meine Frau würde einen Brief der Bundeswehr bekommen. Das ist kein normaler Beruf.“ Er pausiert einen Moment. „Aber genau darum üben wir hier.“ (dpa/red)
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