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Bedrohliche StimmungAfD-Politiker Siegmund und ZDF-Reporter geraten aneinander

Ulrich Siegmund wird von Fabian Köster interviewt

Copyright: IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Ulrich Siegmund wird von Fabian Köster interviewt.

Aktualisiert:

Ulrich Siegmund und ZDF-Reporter Fabian Köster geraten im Landtag aneinander. Es ist nicht das erste Mal.

Runde zwei zwischen dem ZDF-Satiriker und dem AfD-Politiker: „Heute Show“-Reporter Fabian Köster und Ulrich Siegmund haben sich im Landtag von Sachsen-Anhalt erneut einen Schlagabtausch geliefert.

Die knapp zwei Minuten lange Aufnahme entstand nach der konstituierenden Sitzung des Parlaments in Magdeburg. Noch bevor das ZDF die Szene ausstrahlte, verbreiteten die AfD-nahen Kanäle bereits Mitschnitte davon im Netz.

Heikles Thema fand Siegmund gar nicht witzig

Köster begann mit einem heiklen Thema: Unregelmäßigkeiten und Strafermittlungen bei AfD‑Abgeordneten. Als Beispiel diente ihm Philipp-Anders Rau aus dem Jerichower Land. Der AfD-Politiker wurde wegen Urkundenfälschung und Diebstahls verurteilt. Gestohlen hatte er unter anderem Handtücher und Bettlaken in großen Mengen. Über den Fall hatte unter anderem die Magdeburger „Volksstimme“ berichtet.

Ob Siegmund mit solchen Kollegen wirklich zusammenarbeiten wolle? Seine Antwort: „Selbstverständlich. Denn die lieben ihr Land. Damit haben Sie nichts am Hut.“ Köster konterte: „Ach so, als Handtuchdieb und Urkundenfälscher liebt man sein Land?“ Und das auch dann, wenn man „rechtskräftig verurteilt“ sei?

Siegmund wich aus. Köster blieb hartnäckig und wollte wissen, was Siegmund zu diesen Verfehlungen sage und wie er urteilen würde, wenn solche Politiker in anderen Parteien aktiv wären. Das müsse man sich „im Einzelfall“ anschauen, erklärte Siegmund, zumal man solche Fälle ja „jahrelang erlebt habe“. Welche er meinte, ließ er offen. Dann wurde er persönlich: „Sie zittern ja schon wieder, sind Sie nervös?“

„Kommen jetzt noch ein paar Witze?“

Danach wurde der Wortwechsel immer kleinteiliger und gereizter. Siegmund versuchte, den Spieß umzudrehen und selbst die Fragen zu stellen: „Fragen Sie mal was Politisches. Haben Sie von Politik auch überhaupt ein bisschen Ahnung?“ Köster: „Das kann ich zurückgeben.“ Siegmund: „Kommen jetzt noch ein paar Witze?“ Köster entgegnete sinngemäß, er finde das alles gar nicht „witzig“.

Siegmund nutzte die Vorlage und verwies auf den für die AfD erfolgreichen Tag. Kurz zuvor war mit Tobias Rausch erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt worden. „Ich glaube, Sie haben das hier alles noch nicht so verarbeiten können. Herzlich willkommen in einer neuen Zeit, herzlich willkommen in Sachsen-Anhalt.“

Auch die Zukunft des Satirikers nahm Siegmund ins Visier: „Was machen Sie, wenn wir dieses Jahr noch den Medienstaatsvertrag kündigen? Haben Sie sich schon einen Job besorgt?“ Der 31-jährige Köster spielte daraufhin auf die zahlreichen Fälle von Vetternwirtschaft in der AfD an: „Ja, ich hoffe halt, dass ich mit irgendeinem AfD-Kollegen verwandt bin, weil dann stellt er mich ja einfach ein.“

„Wollen Sie Pressesprecher bei uns werden?“

Als Köster wissen wollte, woher Siegmund die nötigen Stimmen für die Wahl des Ministerpräsidenten nehmen wolle, wich der AfD-Mann erneut aus: „Wollen Sie Pressesprecher bei uns werden?“ Köster konterte, dafür müsse man doch wohl in der HDJ gewesen sein. Die „Heimattreue Deutsche Jugend“ war ein rechtsextremistischer Bund, den das Bundesinnenministerium im Jahr 2009 verboten hatte. Am Ende spottete Siegmund, er werde Kösters Bewerbung auf jeden Fall „mit Priorität behandeln“.

Siegmund und Köster kennen sich bereits: Im August waren sie bei einem Wahlkampfauftritt in Oranienbaum (Sachsen-Anhalt) aneinandergeraten. Auch damals machten vorab einzelne Videoausschnitte im Netz die Runde, weil Live-Übertrager im Internet den damaligen AfD-Spitzenkandidaten nahezu rund um die Uhr begleitet hatten.

Siegmund hatte den ZDF-Mann damals gefragt: „Was machst du, wenn die GEZ weg ist? Normal arbeiten gehen, könnt ihr das?“ Eine Provokation mit Blick auf die Pläne der AfD, den Medienstaatsvertrag zu kündigen.

Köster wurde weiter bedrängt

Auch diesmal war für Köster nach dem Gespräch noch nicht Schluss. Video zeigen, wie ein Mann, der offensichtlich live streamt, dem Reporter durch das Treppenhaus und die Flure des Landtags folgt und ihm unter anderem Fragen zu seinem Gehalt stellt. Obwohl Köster klarstellte, dass er während seiner Arbeit keine Interviews gibt, ließ der Mann nicht von ihm ab.

Schon im Wahlkampf hatten AfD-nahe Aktivisten Journalisten bedrängt oder angepöbelt. Dem rechten Netz-Aktivisten „Aktivist Mann“ hatte die Partei später auferlegt, Reporter auf Veranstaltungen nicht mehr zu belästigen.

Das ZDF erklärte auf Anfrage von „t-online“, dass „das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt die im Grundgesetz garantierte Rundfunkfreiheit“ nicht beeinflusse und weiter: „Regierungen und Parteien können dem ZDF keine Vorgaben für seine Berichterstattung machen.“

Zudem nahm der Sender Stellung zu Sicherheitsfragen, erklärte, man trage stets Sorge für die Sicherheit der Mitarbeiter. Das habe „grundsätzlich hohe Priorität“ und man ergreife „geeignete Schutzmaßnahmen“ je nach Situation. Ob und wie die Szene in der „Heute-Show“ am Freitagabend zu sehen sein wird, ist noch unklar. (mg)