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Pop-Wissenschaftler enthülltIsi Glücks Hit „Delfin“ stammt aus dem 17. Jahrhundert

Isi Glück brachte 2023 ihr Hit „Delfin“ das große Glück. Der Hit, sein Klanggerüst, ist allerdings schon viel älter. (Bild: ZDF/Marius Fuchtmann)

Copyright: ZDF/Marius Fuchtmann

Isi Glück brachte 2023 ihr Hit „Delfin“ das große Glück. Der Hit, sein Klanggerüst, ist allerdings schon viel älter. (Bild: ZDF/Marius Fuchtmann)

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Isi Glück ist einer der schillerndsten Partyschlager-Stars. Mit ihrem Hit „Delfin“ gelang ihr der Durchbruch. Das war vor drei Jahren. Aber: Die zugrunde liegenden Akkordfolgen sind schon ein bisschen älter. Über 300 Jahre, wie eine ZDF-Doku aufdeckt.

„Ich hab nen Delfin in meiner Bauchtasche“. Wenn Isi Glück (35, bürgerlich Isabel Gülck) auf der Bühne im Megapark auf Mallorca oder beim Schlagerfestival im Ruhrpott ihren Superhit singt, eskaliert verlässlich die Stimmung.

2023 schaffte die „Miss Germany 2012“ damit ihren großen Durchbruch. Aber ihr Hit stammt eigentlich aus dem 17. Jahrhundert!

Warum lieben wir Schlager?

In der am Sonntag ausgestrahlten Reportage „Terra Xplore: Warum lieben wir Schlager?“ von und mit Leon Windscheid enthüllt Musikwissenschaftler Dr. Markus Henrik alias Dr. Pop das Geheimnis um den „Uralt-Hit“, von dem nicht nur Isi Glücks „Delfin“, sondern auch zahllose andere moderne Hits abstammen.

„Schlager muss einen berühren“, erläutert Dr. Pop das Geheimnis um die Sogwirkung von Schlagern. „Und das hat Musik schon im 17. Jahrhundert getan“. Vor allem der „Kanon und Gigue in D-Dur“ des Nürnberger Barock-Komponisten Johann Pachelbel (1653-1706). Das Werk, möglicherweise zur Hochzeit von Johann Christoph Bach (dem älteren Bruder von Johann Sebastian) am 23. Oktober 1694 komponiert, hinterließ so viel Eindruck, dass sogar Wolfgang Amadeus Mozart sich ein knappes Jahrhundert später für seine „Zauberflöte“ einer Akkordfolge „bediente“.

Und dabei blieb es nicht.

Hunderte von Hits folgen ein und demselben Akkord-Schema

Musikfachlich gesprochen handelt es sich um die zweitaktige Akkordfolge D - A - h - fis - G - D - G - A. Das sagt den wenigsten etwas. Aber sie wurde als „Pachelbel-Schema“ berühmt. Das Internet ist voll von Videos, in denen Künstler auf der Bühne demonstrieren, welche Songs auf dieser Harmoniefolge oder Teilen davon aufbauen.

Das demonstrierte Dr. Pop in der ZDF-Reportage mit „Delfin“, aber es gibt unzählige weitere Hits von großen Künstlern, die das Pachelbel-Gerüst verwendeten.

Dr. Markus Henrik alias Dr. Pop erklärt in der ZDF-Dokumentation „Terra Xplore: Warum lieben wir Schlager?“ (ZDF), wie Schlagermusik funktioniert - und das Geheimnis um die wohl erfolgreichste Akkord-Folge der Musikwelt. (Bild: ZDF/Marius Fuchtmann)

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Dr. Markus Henrik alias Dr. Pop erklärt in der ZDF-Dokumentation „Terra Xplore: Warum lieben wir Schlager?“ (ZDF), wie Schlagermusik funktioniert - und das Geheimnis um die wohl erfolgreichste Akkord-Folge der Musikwelt. (Bild: ZDF/Marius Fuchtmann)

So nutzten die Bee Gees („Spicks And Specks“), Village People („Go West“) oder auch Rapper Coolio („C U When U Get There“) die jahrhundertealte Vorlage. Ebenso findet sie sich vollständig, noch häufiger aber in Teilen - meist der sogenannten „Four-Chord-Progression“ - in „Halo“ (Beyoncé), „Let Her Go“ (Passenger), „Perfect“ von Ed Sheeran oder „Don't Look Back In Anger“ von Oasis. Auch die Puhdys nutzten das Pachelbel-Schema für „Wenn ein Mensch lebt“.

Leon Windscheid durfte Isi Glück zu einem Auftritt begleiten und hinter die Kulissen des Schlager-Spektakels blicken. (Bild: ZDF/Marius Fuchtmann)

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Leon Windscheid durfte Isi Glück zu einem Auftritt begleiten und hinter die Kulissen des Schlager-Spektakels blicken. (Bild: ZDF/Marius Fuchtmann)

Auch bei Stimmungshits wie „Barbie Girl“ (Aqua) oder „Cotton Eye Joe“ (Rednex) stand Pachelbel musikalisch Pate. Da ist es kein Wunder, dass auch der deutsche Schlager die Magie von Pachelbel entdeckte. So kommt auch in einem der größten Schlagerhits aller Zeiten, „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer, die Vier-Akkord-Folge vor.

Dass sich so viele von seiner Komposition „inspirieren“ lassen, würde Johann Pachelbel nicht stören dürfen. Er hatte die Klang-Idee nämlich selbst nicht als Erster. Sie gehört zur Familie der noch älteren barocken Bassmodelle (Romanesca, Folia, Passamezzo). Pachelbel hat sie nicht erfunden, sondern besonders elegant verwendet. (tsch)