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„Ich war verzweifelt“ Merkel nimmt in Doku ihre Maske ab – doch ARD streicht sie aus dem Programm

Szene aus der neuen Doku „Angela Merkel – Im Lauf der Zeit“ von Torsten Körner, die ab 20. Februar in den Mediatheken zu sehen ist.

Szene aus der neuen Doku „Angela Merkel – Im Lauf der Zeit“ von Torsten Körner, die seit dem 20. Februar in den Mediatheken zu sehen ist.

Angela Merkel war 16 Jahre lang Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Vor der Kamera, in den Augen der Bürgerinnen und Bürger, nach außen, da war sie die eher nüchterne und gefühlskalte Merkel. Eine neue Doku zeigt nun: Merkel hat in Wirklichkeit zwei Gesichter.

Es ist nicht nur ein Rückblick in ein bewegendes Leben, es ist eine Spurensuche: Wer ist Frau Dr. Angela Merkel? Und wer war die Kanzlerin Angela Merkel? Wer ist die öffentliche Person, die mit allerlei Krisen umgehen – und sie dem Volk irgendwie erklären musste? Und wer die Merkel, die auch lustig, auch impulsiv sein kann?

Dokumentarfilmer Torsten Körner hat sich auf die Suche nach diesen Antworten gemacht – und zwischen Mai und Dezember 2021 zwei Interviews mit der damaligen Noch-Kanzlerin gemacht. Und nicht nur ihren Weg ins Kanzleramt nachgezeichnet, sondern auch Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt gegeben. Und mit Weggefährten gesprochen, die andeuten, wie Merkel tickte, wenn sie nicht die Kanzlerin gab.

Es sind vor allen Dingen die Journalistin Kristina Dunz und der Schauspieler Ulrich Matthes, die in der Dokumentation „Angela Merkel – Im Lauf der Zeit“ (jetzt in der Mediathek, am 22. Februar um 20.15 Uhr bei Arte)

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ARD streicht Doku mit Angela Merkel aus dem Programm

Eigentlich sollt die Doku mit der Kanzlerin auch am 27. Februar um 21.45 Uhr im Ersten zu sehen sein. Doch wer mehr über die private Merkel erfahren wollte, wurde enttäuscht.

Wegen des Krieges in der Ukraine änderte die ARD kurzfristig ihr Programm und zeigte ab 22 Uhr eine Ausgabe von Anne Will. Für Merkel-Fans gab es den Hinweis, dass die Dokumentation in der Mediathek abrufbar sei. Ein neuer Sendetermin steht noch nicht fest.

Angela Merkel: Von „Kohls Mädchen“ zur Kanzlerin

Eine Politikerin, die als „Helmut Kohls Mädchen“ in einer paternalistischen Welt nach ihrem Platz in der Politik gesucht hat. Und auf Männer traf, die Merkel „mit Verächtlichkeit gegenüber traten“, wie es Ursula von der Leyen (CDU) in der Doku formuliert. „Sie wusste, wie wichtig es ist, strategische Geduld zu haben.“

Und die hatte sie durchaus: Wie ein U-Boot blieb sie unter der Oberfläche, lange unbemerkt von männlichen Kollegen und Kontrahenten. Und wurde schlichtweg unterschätzt – bis sie am Ende Kanzlerin wurde. Wäre sie in der männlichen geprägten Politik früher aufgetaucht, so eine These in der Doku, dann hätten die Männer vielleicht Angst vor ihr gehabt und sie es hätte es nicht so weit gebracht.

Schaffte sie es auch aufgrund dieser Nüchternheit, dieser emotionslosen, pragmatischen Art ins Kanzleramt?

Angela Merkel: Emotionale Corona-Rede vom 9. Dezember 2020

Tatsache ist, dass sie für viele Deutsche genau deshalb für Stabilität und Kontinuität gestanden hat. Auch wenn ihre etwas unterkühlte Art kurz nach ihrem Amtsantritt für Schlagzeilen wie „Die Eiskönigin“ oder „Nach ihr die Finsternis“ gesorgt hat.

Doch das ist nur die Kanzlerin Angela Merkel. Denn in der Dokumentation nimmt sie diese Maske der „Eiskönigin“ ab. Corona war für die Kanzlerin, die so viele Krisen überstand, eine besonders schlimme Tragödie. Das traf sie auch persönlich. In der Doku ist noch einmal eine Szene vom 9. Dezember 2020 zu sehen, als eine sichtlich müde Kanzlerin Merkel am Pult im Bundestag steht. Und etwas tut, das Kanzlerin Merkel nur selten tut: Sie wird emotional. Damals argumentierte sie energisch für eine härtere Corona-Gangart.

Angela Merkel: In Doku urteilt sie ehrlich über sich selbst

„Bis Weihnachten sind es noch 14 Tage genau von heute – 14 Tage! Und wir müssen alles tun, damit wir nicht wieder in ein exponentielles Wachstum kommen.“ Merkels Stimme bebt, sie bricht fast in Tränen aus. „Ich will nur sagen: Wenn wir jetzt bis Weihnachten zu viele Kontakte haben, und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben, das sollten wir nicht tun, meine Damen und Herren.“

Auf diese Rede angesprochen, erklärt Angela Merkel: „Es war der Versuch, durch eine starke Emotionalität in Erinnerung zu rufen, wie berechenbar das Virus ist. Es ist ja sehr simpel, was das Virus macht.“ Dann sagt sie weiter: „Ich war damals verzweifelt darüber, dass das eigentlich alles so einfach zu sehen ist. Aber viele wollten es nicht wahrhaben. Das hat mich zu diesem emotionalen Auftritt geführt.“

Angela Merkel nimmt in der Doku ihre Maske ab

Anschließend nimmt Merkel die Maske ab, urteilt über sich selbst, über ihren Politikstil und erkennt: „Allerdings muss ich sagen, dass die Wirksamkeit nicht besser war, als wenn ich sehr kühl und emotionslos gesprochen hätte. Was immer viele sagen – wäre sie nur emotionaler, würden ihr viel mehr folgen – ist überhaupt nicht richtig.“

Sie selbst demontiert damit das Bild der „Eiskönigin“. Sie könnte emotionaler – klar – aber am Ende hätte aus ihrer Sicht eben nichts geändert.

Angela Merkel: Im kleinen Kreis war sie völlig anders

In ihrer Zeit als Kanzlerin gab es nur wenige emotionale Merkel-Szenen wie jene vom Winter 2020. Allein im kleinen Kreis, im Privaten, zeigte sie die andere Merkel. Das bedauert Journalistin Dunz, wie sie in der Doku sagt. „Dass diese Selbstironie, die die Kanzlerin auch hat, den Bürgerinnen und Bürgern nicht gezeigt wird. Weil sie sich da verschließt.“

„Ich muss gestehen, da gibt es eine Differenz, eine Diskrepanz“, sagt auch Schauspieler Matthes. „Privat ist sie so viel impulsiver, lustiger, wir kichern manchmal extrem viel miteinander“, erinnert er sich. „Sie macht dann Leute nach, sie ist ja eine weltberühmte Sarkozy-Imitatorin.“

Sie habe mal mitbekommen, dass er Liebeskummer hatte, so Matthes. „Dann haben wir eine Stunde lang über meinen verwackelten Seelenzustand gesprochen. Dann hat sie mich in den Arm genommen und wirklich geknuddelt. So ist sie.“ Auch das ist eben Angela Merkel.

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