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Den Davidstern verstecktNeue Umfrage zeigt, wie unsicher sich Juden in Deutschland fühlen

Mann mit Kippa

Copyright: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Einige Juden zeigen ihre Kippa nicht mehr in der Öffentlichkeit. (Archivbild)

Schock-Umfrage: So groß ist die Angst der Juden bei uns.

Polizeischutz vor Synagogen, offene Feindseligkeit, purer Hass: Für viele Jüdinnen und Juden in Deutschland ist das Leben zweieinhalb Jahre nach dem Hamas-Terrorangriff auf Israel eine tägliche Belastung. Eine brandneue Umfrage des Zentralrats der Juden legt die schockierende Wahrheit offen: 68 Prozent von 102 jüdischen Gemeinden sagen klipp und klar, dass es für sie gefährlicher geworden ist als vor dem 7. Oktober 2023. Zwar ist die Zahl seit 2024 (damals 82 Prozent) etwas gefallen, aber sie ist immer noch erschreckend hoch.

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats, findet dafür drastische Worte: Er spricht von einer „neuen Normalität“. Das sei „eine Lage, in der Jüdische Gemeinden permanent geschützt werden müssen und der Antisemitismus als Teil des öffentlichen Raums eine Normalisierung erfahren hat“, erklärte Schuster zur Erhebung. Wenn in Berlin auf Wände geschmiert wird, dass Juden ermordet werden sollen, bleibe der große Aufschrei aus. Schusters Fazit ist unmissverständlich: „Diese Zustände sind unhaltbar.“

Neue Umfrage zeigt erschreckendes Lagebild

Die Zahlen belegen dieses Gefühl knallhart. Seit der Attacke der Hamas auf Israel ist auch hierzulande die Zahl der gemeldeten antisemitischen Zwischenfälle explodiert. Allein für das Jahr 2024 zählte der Bundesverband Rias (Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus) 8.627 solcher Taten. Das ist ein Plus von 77 Prozent gegenüber 2023. Ein riesiger Teil davon, nämlich 5.857 Vorfälle, wurde in die Kategorie „israelbezogener Antisemitismus“ eingeordnet.

Genau deshalb hat der Zentralrat jetzt zum dritten Mal sein „Lagebild“ für die jüdischen Gemeinden angefertigt. Dafür wurden die Verantwortlichen der Gemeinden befragt. Die beiden vorherigen Erhebungen nach dem gleichen Schema fanden Ende 2023 und im Oktober 2024 statt. Die ganz frischen Ergebnisse stammen aus dem März 2026.

Krieg im Iran verschärft die Situation

Das Ergebnis ist alarmierend: Bundesweit meldete beinahe jede zweite jüdische Gemeinde (genau 46 von 102) antisemitische Zwischenfälle innerhalb der letzten zwölf Monate. Bei 49 Prozent davon handelte es sich laut den Angaben um Vandalismus oder Schmierereien an Gebäuden. Doch auch Beschimpfungen, offene Anfeindungen, Drohungen am Telefon oder Proteste direkt vor der Haustür gehören zum Alltag. Die Situation war 2024 kaum anders.

Selbst die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas vom Oktober 2025 brachte kaum Entspannung: Für 61 Prozent der Gemeinden hierzulande hat sich die Situation dadurch nicht geändert. Nur 18 Prozent sahen eine Besserung, während 13 Prozent sogar von einer Zuspitzung sprachen. Der Konflikt zwischen Israel und den USA mit dem Iran seit Februar hat die Lage für 62 Prozent der Gemeinden in Deutschland nach deren eigener Bewertung noch weiter verschlimmert.

Gemeinden fühlen sich zunehmend allein gelassen

Immerhin: Neun von zehn Gemeinden bewerten die Kooperation mit den deutschen Sicherheitsbehörden als gut – das ist nur ein ganz kleiner Rückgang im Vergleich zu 2023 und 2024. Aber: 33 Prozent der Gemeinden sehen bei ihren eigenen Schutzkonzepten trotzdem noch deutliche Lücken.

Synagoge in Frankfurt am Main

Copyright: Arne Dedert/dpa

Jüdische Gemeinden müssen permanent von der Polizei geschützt werden. (Archivbild)

Was besonders wehtut: Der Rückhalt aus der Gesellschaft scheint zu schwinden. Nur noch 35 Prozent der befragten Gemeinden spüren Unterstützung – ein dramatischer Einbruch gegenüber Ende 2023 (62 Prozent) und 2024 (39 Prozent). Obendrauf berichten 45 Prozent von einem schlechteren Verhältnis zu Moscheen und anderen muslimischen Organisationen.

„Trage Davidstern nicht mehr offen“: Die Angst im Alltag

Zwar geht das religiöse und soziale Leben in fast allen Gemeinden (95 Prozent) mit nur kleinen Abstrichen weiter. Doch in der Öffentlichkeit verstecken viele Jüdinnen und Juden ihre Zugehörigkeit. „Ich trage aus Sicherheitsgründen meinen Davidstern nicht mehr offen“, zitiert der Zentralrat einen Teilnehmer der Umfrage, der anonym bleiben wollte.

Ein anderer Betroffener schildert den seelischen Druck: „Dinge, die früher selbstverständlich waren - das offene Tragen religiöser Symbole, der unbeschwerte Weg zur Synagoge - sind heute oft begleitet von Vorsicht und einem bewussteren Abwägen. Gleichzeitig hat die Belastung auf emotionaler Ebene stark zugenommen.“ Der 7. Oktober hat tiefe Wunden gerissen – verstärkt durch die Wahrnehmung, „dass antisemitische Haltungen wieder sichtbarer und lauter geworden sind“. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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