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Tragödie von Crans-MontanaErster Blick in die Todes-Bar

Aktualisiert

Eine fröhliche Silvesterparty endete in einer Tragödie. Dutzende Menschen verlieren in einer Bar ihr Leben. Jetzt gibt es erste Bilder aus der Todes-Bar von Crans-Montana.

Es müssen unerträgliche Minuten für die Besucher und Besucherinnen der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana gewesen sein. Sie wollten das neue Jahr fröhlich beginnen – dann wurden Dutzende von ihnen jäh aus dem Leben gerissen.

Im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana laufen die Aufräumarbeiten und Ermittlungen nach der Tragödie mit so vielen Toten, darunter offenbar auch zahlreiche Touristen und Touristinnen. Es stehen die drängenden Fragen im Raum: Wie und warum konnte das passieren?

Erste Fotos aus der Todes-Bar

Erste Fotos aus der Bar zeigen die Verwüstung. Zu sehen ist die Terrasse. Sie liegt im Untergeschoss der Bar. Mehr als hundert Gäste sollen sich zum Zeitpunkt des Unglücks hier aufgehalten haben.

Sie mussten sich ihren Weg in die Freiheit bahnen – viele vergeblich. Die Polster sind wild durcheinander geworfen. Offenbar waren sie im Weg, als die Menschen panisch die Bar verlassen wollten. Auch Schuhe liegen auf dem Boden Ein Schuh liegt am Boden, auf der Flucht verloren.

Der einzige Ausgang war offenbar viel zu klein. Wie die Schweizer Zeitung „Blick“ berichtet, schlugen Gäste ein Fenster ein. Außerdem gibt es Aussagen, das Feuer sei durch eine Geburtstags- oder Wunderkerze ausgelöst worden, die auf einer Champagnerflasche befestigt war.

Als eine Frau die Flasche in die Höhe hielt, entzündete die Kerze offenbar die Decke, die Flammen breiteten sich rasch aus.

Das Innere der Bar und Lounge „Le Constellation“, wo nach einer Explosion in den frühen Morgenstunden der Silvesternacht ein Feuer ausgebrochen ist.

Das Innere der Bar und Lounge „Le Constellation“, wo nach einer Explosion in den frühen Morgenstunden der Silvesternacht ein Feuer ausgebrochen ist.

Wie mehrere junge Frauen dem französischen TV-Sender BFMTV übereinstimmend berichteten, herrschte Chaos. In der Bar sei „absolute Panik“ ausgebrochen, sagten sie. Alle hätten geschrien.

Drama im Nobel-Skiort: Anwohnende und Touristen unter Schock

Das Unglück in dem bekannten Touristenort löste bei Anwohnern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. „Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Alptraum“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. Bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ sind nach Angaben der Polizei zudem rund 100 Menschen größtenteils schwer verletzt worden. Über die Identität der Todesopfer und Verletzten ist bislang nichts bekannt.

Crans-Montana ist einer der bekanntesten Touristenorte in den Schweizer Alpen und über Feiertage wie Weihnachten und Neujahr mit tausenden Besuchern aus aller Welt meist ausgebucht. Es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Opfern ausländische Gäste seien, so die Polizei. Ob Deutsche betroffen sind, war zunächst unklar. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. „Ein Anschlag kann absolut ausgeschlossen werden,“ sagte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud bei einer Pressekonferenz.

Eine Besucherin aus Stuttgart steht unter Schock: „Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert“, sagte Christina Lutz der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.“

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. „Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht“, schrieb er auf X. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: „Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat“, schrieb er auf X.

Anschlag ausgeschlossen: Verpuffung erst nach dem Brand

Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler sagte. Die Explosionen, von denen Anwohner berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.

„Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an“, sagte Anwohner Jeoffrey d'Amecourt dem Sender RTS. Das Gebäude, in dem sich die Bar befand, sei schwer beschädigt worden. Die Polizei hat das Gelände rund um die Bar auf der Hauptstraße des Ortes weiträumig abgesperrt.

Die Polizei hat eine Telefonauskunft für Angehörige eingerichtet. Die Medienwebseite der Kantonspolizei brach nach der ersten Mitteilung dort angesichts der zahlreichen Abrufe zusammen.

Viele offene Fragen

Zur Brandursache konnte Staatsanwältin Pilloud zunächst keine Angaben machen. Ebenso äußert sie sich auf Nachfrage nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten.

Was wir wissen

Das Unglück: In der Silvesternacht ist es im Schweizer Ferienort Crans-Montana (Kanton Wallis) zu einem schweren Brand in der Bar „Le Constellation“ gekommen, diese hatte nach eigenen Angaben eine Kapazität von 300 Plätzen.

Die Opfer: Nach Polizeiangaben sind bei dem Feuer Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Rund 100 seien zum Großteil schwer verletzt worden, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler.

Die Uhrzeit: Nach Angaben der Kantonspolizei Wallis brach das Feuer gegen 1.30 Uhr aus.

Die Hintergründe: Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben von einem Unglück und nicht von einem Anschlag aus.

Der Ablauf: Das Feuer ist ersten Erkenntnissen zufolge nicht durch eine Sprengsatz-Explosion verursacht worden. Der Brand habe eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer.

Die Rettungsarbeiten: Nach Polizeiangaben war der Rettungs- und Löscheinsatz am Vormittag noch im Gange. Ein Rettungsarzt sagte dem Westschweizer Sender RTS, dass Menschen mit schweren Verbrennungen in umliegende Krankenhäuser gebracht worden seien.

Was wir nicht wissen

Exakte Zahl der Opfer: Wie viele Menschen genau ums Leben gekommen oder verletzt worden sind, ist unklar. Ebenso ist nicht bekannt, wie schwer die Verletzungen der Betroffenen sind.

Die Ursache: Was den Brand verursacht hat, ist unklar. Ob bauliche, sicherheitstechnische oder organisatorische Mängel in der Bar eine Rolle gespielt haben, ist ebenfalls offen.

Die Identität der Opfer: Über die Identität der Todesopfer und Verletzten ist bislang nichts bekannt. Auch ob Deutsche von dem Feuer betroffen waren, ist offen. Da Crans-Montana Gäste aus aller Welt habe, seien „wahrscheinlich“ Ausländer unter den Opfern, sagte Polizeichef Gisler.

Der Alarm ging bei der Polizei gegen 1.30 Uhr ein. In der Bar feierten noch zahlreiche Besucher der Silvesterparty in das neue Jahr. Die Einsatzkräfte seien innerhalb von Minuten vor Ort gewesen, so die Behörden. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte unter anderem auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe.

Der Nobel-Skiort Crans-Montana

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar und Anfang Februar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer. (susa mit dpa)