Riesen-Ärger um ein KI-generiertes Blut-Foto der Polizeigewerkschaft.
Blut-Skandal bei der PolizeiGewerkschaft schockt mit Fake-Foto

Copyright: IMAGO / Bihlmayerfotografie
Wegweiser mit Aufschrift „Desinformation“ und „KI“.
In Sachsen kocht die Volksseele! Ein von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) verbreitetes Motiv, das einen blutenden Polizisten zeigt, der von Kameraden gehalten wird, löst eine massive Kontroverse aus. Im Netz hagelt es nur so vor Kritik: Worte wie „Propaganda“ und „ein Fake“ fallen immer wieder. Ein User wettert, das Motiv würde nur das „Feindbild Fußballfan“ befeuern. Auf der Plattform Bluesky meint ein anderer Nutzer: „Es ist das erste Mal, dass ich solche Bilder von seriösen Stellen sehe.“
Hintergrund für den Zorn der GdP sind heftige Krawalle beim Zweitliga-Match zwischen Magdeburg und Dresden. Fans aus Magdeburg wollten kurz vor dem Pausenpfiff gewaltsam zum Block der Gästefans vordringen. Laut offiziellen Angaben wurde die Polizei bei ihrem Einschreiten aufs Übelste angegriffen. Demnach flogen Pyrotechnik, Steine und Absperrgitter auf die Einsatzkräfte, die sogar mit einem Gullydeckel und Gehwegplatten attackiert wurden. Das erschütternde Ergebnis: 70 verletzte Beamte. Die Behörden ermitteln jetzt in drei Fällen wegen des mutmaßlichen versuchten Mordes. Das berichtet „t-online“.
Die GdP Sachsen wählte einen krassen Weg, obwohl bereits aussagekräftige Videos der Randale existieren. Ihre Empörung illustrierten sie mit dem aufwühlenden Motiv des verwundeten Polizisten. Der Knackpunkt: Das ist gar keine echte Aufnahme, sondern eine völlig überzogene Szene, die eine Künstliche Intelligenz (KI) erschaffen hat. Ein winziger Vermerk am Rand soll dies zwar aufklären, ist aber so gut wie unsichtbar. In einer Mitteilung der GdP steht zu den Verletzungen: „Einige der Beamten erlitten teils schwere Verletzungen wie Knochenbrüche und wurden sogar am Boden liegend noch weiter getreten.“
Besonders heikel ist diese Aktion, weil die Hamburger Polizei vor Kurzem selbst noch KI-Fälschungen von Polizistinnen und Polizisten scharf kritisiert hatte. Damals hieß es, solche Darstellungen würden dem „Ansehen der Polizei schaden und die Persönlichkeitsrechte realer Menschen verletzen“. Die Geschichte aus Hamburg machte auch deutlich, wie schwierig es für viele User ist, zwischen echten Aufnahmen und KI-generierten Motiven zu unterscheiden.
Eine Erklärung für dieses Vorgehen liefert der Soziologe Nils Kumkar. Er nennt derartigen Content schnell erzeugten KI-Müll („Slop“). Das Perfide daran sei, „dass die Erstellerseite damit eben ihre eigene Weltsicht fotografisch verdoppelt, also selbst nicht denkt zu lügen, sondern Wahrheiten zu illustrieren, die man bisher ‚leider‘ nicht fotografisch festhalten konnte“. Mahnende Stimmen befürchten, dass die Zuschauer durch solche Inhalte zunehmend Probleme bekommen, Realität und Fiktion auseinanderzuhalten, was am Ende nur Misstrauen und heftige Gefühle schürt.
Die Gewerkschaft wich bei einer Anfrage von t-online aus. Die Frage, ob mit dem Motiv bewusst Gefühle geschürt werden sollten, wurde nicht beantwortet. Jan Krumlovsky, der Landesvorsitzende, teilte per E-Mail mit, dass die Wahl des KI-Motivs „bewusst“ getroffen wurde, „um auf das Thema aufmerksam zu machen, ohne reale Einsatzkräfte, Beteiligte oder konkrete Einsatzsituationen abzubilden.“ Er begründete dies mit dem Schutz von Persönlichkeitsrechten, erwähnte aber nicht, dass man Gesichter auch einfach verpixeln kann.
Krumlovsky rechtfertigte die Aktion weiterhin und war der Meinung, der winzige Hinweis auf das KI-Bild sei für die bisherigen Transparenz-Anforderungen der GdP ausreichend. Welche Folgen die jetzige Debatte haben wird, ist noch offen. Die GdP Sachsen scheint Konsequenzen aber nicht völlig auszuschließen und gelobt: „Unabhängig davon nehmen wir die öffentliche Diskussion zum Anlass, unsere internen Abläufe im Umgang mit KI-generierten Inhalten weiter zu präzisieren.“ (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

