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Milliarden-Abzocke im NetzExperte schlägt Alarm: Deutschland verschläft die Betrugs-Pandemie

Hand hält Smartphone mit Text auf dem Bildschirm

Copyright: IMAGO / Guido Schiefer

Hand hält Smartphone mit Text auf dem Bildschirm.

Eine riesige Betrugs-Lawine trifft Deutschland, und die Politik schaut weg.

Ein Tsunami digitaler Verbrechen erfasst den Globus, aber Deutschland wirkt wie gelähmt. Experten schlagen Alarm. Nino Goldbeck, der als Oberstaatsanwalt eine Einheit bei der „Zentralstelle Cybercrime Bayern“ führt, sagt: „International ist es Konsens, dass wir eine ‚Scamdemie‘ erleben, eine Pandemie des Onlinebetrugs“. Auch Europol warnt: Diese Art von Betrug droht, jede andere Form von organisiertem Verbrechen zu übertreffen.

Als einer von Deutschlands Top-Ermittlern in diesem Bereich jagt Goldbeck die global agierenden, professionellen Banden. Mit immer ausgeklügelteren Tricks erleichtern sie Menschen um ihre Ersparnisse. Der Fachmann erklärt: „Das geschieht zunehmend aus dem Bürohochhaus statt aus dem Kellerloch“. Schätzungen zufolge könnte der Schaden pro Jahr allein hierzulande schon mehr als zehn Milliarden Euro betragen. Dieses Kapital verlässt den nationalen Wirtschaftskreislauf und landet häufig bei Gruppierungen wie der chinesischen Mafia. Das berichtet „t-online“.

Die brutale Abzocke des „Pig Butchering“

Eine besonders hinterhältige Methode ist der „Pig butchering scam“. Bei dieser Betrugsart werden die Opfer erst umgarnt und dann finanziell ausgenommen, wie bei einer Schlachtung. Die Kriminellen erschleichen sich über Monate in sozialen Medien Vertrauen. Danach bringen sie ihre neuen „Freunde“ dazu, ihr Geld in gefälschte Anlagen zu stecken. Goldbeck hat bei einem Einsatz in einer solchen Betrugs-Hölle auf den Philippinen das ganze Ausmaß gesehen: Menschen werden dort versklavt und gezwungen, andere online zu betrügen. Damit werden die Täter selbst zu Opfern.

Der Ermittler, der als Wegbereiter gilt, war ebenso bei Razzien in einem Callcenter in Georgien beteiligt. Von diesem Standort aus wurden Deutsche durch Fake-Werbung, in der Stars für Krypto-Anlagen warben, um Hunderttausende Euro gebracht. In Bamberg ist Goldbecks Mannschaft inzwischen auf 30 Staatsanwälte und vier IT-Spezialisten gewachsen. Das Team bereitet sich auf eine weitere Zunahme vor, denn Goldbeck warnt: „Künstliche Intelligenz wird es noch viel leichter und profitabler machen, an Daten zu gelangen und Opfer zu manipulieren“.

„Diese Abzocke ruiniert Existenzen“

Die menschlichen Dramen hinter den Zahlen sind verheerend. Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern berichtet aus der Beratung: „Betrugsopfer zu werden, zerstört Familien.“ Deshalb fordert Goldbeck ein spezielles Anti-Scam-Zentrum für Deutschland, in dem Ermittler, Finanz- und Telekommunikationsbranche zusammenarbeiten – so wie es in Ländern wie Australien, Kanada oder Singapur bereits üblich ist. Verbraucherschützer Straub unterstützt den Plan: „Der Bankraub findet heute direkt beim Kunden statt. So etwas wie ein Anti-Scam-Zentrum muss vorangetrieben werden.“

Jetzt macht auch die Politik Tempo. Carsten Brodesser, Obmann für die Union im Finanzausschuss, findet klare Worte: „Es fehlt nicht an Erkenntnis bei den Praktikern, sondern am politischen Willen, daraus Konsequenzen zu ziehen. Zögern können wir uns angesichts der rasant zunehmenden und immer professioneller organisierten Betrugsformen nicht länger leisten.“ Die Bundesrepublik benötige eine „zentrale, schlagkräftige Struktur“.

Diese Ansicht vertritt auch Till Steffen, der Sprecher für Verbraucherschutzpolitik der Grünen-Fraktion. Er räumt ein, dass die Bundesrepublik im Rückstand ist. Er mahnt: „Wir müssen dringend an dieses Thema ran“. Bayerns Justizministerium sieht für ein derartiges Zentrum zwar den Bund in der Pflicht, erwägt jedoch eigene Schritte. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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