Auf Mallorca erlebt ein Mann aus Hamburg die reinste Bau-Katastrophe.
Bau-Chaos auf MallorcaHamburger verzweifelt: Behörden blockieren seit Jahren sein Traumhaus

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Gelber Helm, viele Papiere, Mallorcas Baugenehmigungen stocken (Symbolbild).
Für Bastian Bechtle aus Hamburg wurde ein Traum zum Albtraum. Seit 2018 besucht er die Insel regelmäßig mit seiner Mutter. Da ein vollständiger Umzug nach Mallorca beruflich noch nicht möglich ist, entstand der Plan: ein Haus erwerben, es auf Vordermann bringen und anschließend langfristig an Einheimische vermieten. So wollte er dem Mangel an Wohnraum auf der Insel entgegenwirken. Im Jahr 2023 schlug er zu und erwarb ein Stadthaus in Artà von 1910. Das große Problem: Das Gebäude wurde seit seiner Errichtung nie saniert und ist eine einzige Baustelle. Hier beginnt die eigentliche Misere, denn das Haus verfällt zusehends. Das macht den Nachbarn Sorgen, weil bröckelnde Teile ihre eigenen Immobilien gefährden könnten.
Der Antrag für die erforderliche „obra mayor“ wurde im Juli 2024 von seinem Architekten eingereicht. Die Reaktion eines Gemeinde-Mitarbeiters war eine kalte Dusche: 2024 passiere da gar nichts mehr, vielleicht 2025. Doch auch dieses Jahr verstrich, ohne dass Bechtle mit den Arbeiten starten konnte. Eine Mitteilung im Herbst 2025 verlangte eine Anpassung des Antrags – was laut Bechtle umgehend erledigt wurde. Seitdem herrscht wieder absolute Funkstille aus dem Rathaus. Dem Hamburger platzt langsam der Kragen, da er bereits eine fünfstellige Summe in die Planung investiert hat und seinen Bauunternehmer immer wieder vertrösten muss. In seiner Heimatstadt Hamburg, erzählt er, dauert eine Genehmigung maximal drei Monate, sonst gilt sie als erteilt. Das berichtet „Mallorca Zeitung“.
Bechtle ist mit seinem Schicksal kein Einzelfall. Überall auf der Insel stöhnen Bauherren über schier unendliche Wartezeiten. Der Schweizer Unternehmer Thomas Barbier spricht von wahren Horror-Fristen von mehr als drei Jahren. Für ein Projekt in Llucmajor, das im August 2022 beantragt wurde, ließ die Rückmeldung ganze drei Jahre und drei Monate auf sich warten und enthielt teils haarsträubende Forderungen – die Gemeinde verlangte etwa ein Foto einer Mauer aus einem anderen Blickwinkel. In Andratx wartete er ebenfalls drei Jahre. Oliver Girharz von der Firma Matrol bestätigt die enormen Unterschiede: In Calvià geht es mit acht bis neun Monaten noch vergleichsweise zügig, in Palma wartet man bereits circa 14 Monate. Andratx braucht über zwei Jahre und Llucmajor ist ebenfalls als „sehr langsam“ bekannt.
Doch was steckt hinter diesem Behörden-Irrsinn? Ein Grund ist die pure Panik in den Amtsstuben. Nach früheren Korruptionsskandalen, wie in der Ära von Eugenio Hidalgo in Andratx während der 90er- und 2000er-Jahre, wagt es kaum ein Beamter mehr, schnell eine Unterschrift zu leisten. „Die Mitarbeiter müssen alles sehr genau prüfen, sonst fällt es ihnen im Zweifel auf die Füße“, so die Einschätzung von Bausachverständiger Oliver Girharz. Obendrein herrscht ein massiver Personalmangel. In manchen Gemeinden gehen wöchentlich fünf bis sechs Anträge ein, die von einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern bewältigt werden müssen. Fällt dann jemand aus, wie in Llucmajor eine Mitarbeiterin aufgrund einer Schwangerschaft ohne Vertretung, bleibt die Arbeit monatelang liegen.
Ein weiterer Grund ist ein wahrer Dschungel an Vorschriften. Der Architekt Curd Manthey, der seit mehr als 25 Jahren auf Mallorca arbeitet, bringt das Problem auf den Punkt: „Allein auf der Insel Mallorca gibt es 53 Gemeinden, jede mit einer eigenen Bauordnung.“ Zum Vergleich: In Deutschland gilt eine einzige für ein ganzes Bundesland. Die Gesetze ändern sich ständig, zuletzt im Mai 2024, als ein Dekret auf 85 Seiten über 50 Bestimmungen modifizierte und für noch größeres Chaos sorgte. Ein Politiker, der anonym bleiben will, gibt jedoch auch den Architekten eine Teilschuld: Viele Anträge seien fehlerhaft. Manchmal werde sogar bewusst „gezockt“, um mehr Baufläche durchzusetzen, was das Verfahren durch notwendige Korrekturen weiter in die Länge zieht.
Was ist also die Lösung? Ein Ex-Bürgermeister hat einen drastischen Vorschlag: Ein finanzstarker Bauherr müsse eine mallorquinische Gemeinde wegen der Verzögerung verklagen. Genau diesen Schritt erwägt nun Unternehmer Thomas Barbier. Er will gegen die Gemeinde Llucmajor vor Gericht ziehen. Auch wenn das wieder ewig dauern kann, sehen viele darin die letzte Hoffnung im Behörden-Chaos. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
