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Frust bei der FeuerwehrImmer mehr Fehlalarme binden Kräfte und gefährden echte Einsätze

Feuerwehr - Symbolbild

Copyright: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Immer wieder müssen Feuerwehren nach einem Alarm von Brandmeldealarmen ausrücken, obwohl es nicht brennt. (Symbolbild)

Zehntausende Fehlalarme frustrieren die Feuerwehr-Retter

Zehntausende Male im Jahr rasen sie los, um Leben zu retten – und stehen dann vor verschlossenen Türen. Kein Feuer, keine Gefahr. Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen binden massiv Kräfte der Feuerwehr und sorgen für riesigen Frust bei den Einsatzkräften.

Das Problem ist gewaltig: Jedes Jahr müssen die Feuerwehren hierzulande zehntausende Male ausrücken, obwohl es keine echten Notfälle gibt. Der Auslöser sind oft automatische Meldesysteme in Unternehmen, die etwa durch Wasserdampf oder Staub anspringen. Dies blockiert nicht nur Personal, sondern kann im schlimmsten Szenario Leben fordern – wenn die Helfer bei einem realen Unglück oder Feuer deshalb verspätet ankommen.

Fast 30.000 Fehlalarme in einem Bundesland

Die Daten aus den Ländern verdeutlichen das Ausmaß des Problems. Allein für Baden-Württemberg wurden im Vorjahr 29.494 solcher Einsätze registriert. Davon waren 60 Prozent auf automatische Feuermelder zurückzuführen. In Frankfurt am Main verzeichnet die Feuerwehr jährlich ungefähr 4.800 Alarmierungen durch diese Anlagen – aber nur bei drei Prozent davon gab es wirklich ein Feuer.

Auch in Bayern ist die Situation alarmierend: Dort meldete der Landesfeuerwehrverband für 2024 circa 19.200 Fehlalarme. In der bayerischen Hauptstadt München lösten die Brandmelder vor zwei Jahren 8.547-mal aus, aber nur in 1.375 Situationen musste tatsächlich ein Brand gelöscht werden.

„Das Problem ist sehr groß“, sagt Jonas Schwering, Abteilungsleiter für Vorbeugenden Brandschutz in Frankfurt am Main. Er bringt es auf den Punkt: „Wir wissen, dass die überwiegende Anzahl der Alarmierungen ungefähr zu 96 bis 97 Prozent Falschalarme sind.“ Ein „Wie bitte?!“-Moment, der die Dramatik verdeutlicht.

„Motivationsschwund“ bei ehrenamtlichen Kräften

Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband in Bayern warnt vor den Konsequenzen für die meist freiwilligen Einsatzkräfte. „Wenn sie vor Ort feststellen, dass ein Eingreifen nicht notwendig ist, kann sich das negativ auf die Motivation auswirken“, sagt er. „Je häufiger das passiert, desto größer könnte der Motivationsschwund sein.“ Außerdem fehlen die Helfer während der Alarmierungen an ihrem Arbeitsplatz.

Zwar können je nach Bundesland Gebühren für die unnötigen Ausfahrten anfallen, doch das scheint oft nicht zu fruchten. „Insbesondere bei größeren Liegenschaften scheint die Höhe der Gebühren oftmals kein entscheidender Anreiz zu sein, die Ursache von Falschalarmen konsequent anzugehen“, erklärt Schwering. „In unserer Wahrnehmung nimmt man in vielen Fällen lieber in Kauf, sie zu zahlen, als sich vielleicht anderweitig Gedanken zu machen.“

Feuerwehr als „Erkundungseinheit für Betriebe“ missbraucht

Experten wie Schwering fordern deshalb ein Umdenken. Eine Überlegung: Nicht jede Brandmeldeanlage muss zwangsläufig mit der Leitstelle der Feuerwehr gekoppelt sein. Bei sensiblen Orten wie Krankenhäusern oder Altenheimen sei das wichtig, aber nicht generell.

„Bei Objekten, die rund um die Uhr durch Personal besetzt sind, wie Verkaufsstätten oder Hotels, kann man schon infrage stellen, ob eine automatische Aufschaltung auf die Feuerwehr benötigt wird“, so Schwering. Er bemängelt eine Tendenz, die den Helfern zu schaffen macht: „Wir merken aus den Einsätzen heraus, dass die Feuerwehr als Erkundungseinheit verwendet wird. Wir fahren hin und gucken für den Betreiber, ob es brennt.“ Seine unmissverständliche Botschaft: „Das ist nicht Aufgabe der Feuerwehr.“

Schwering hebt aber auch hervor, dass Brandmeldeanlagen grundsätzlich ein „sehr, sehr wichtiges Instrument“ sind, um im Notfall zügig Hilfe zu holen. Er plädiert für eine technische Optimierung der Anlagen, beispielsweise durch Künstliche Intelligenz, um sie unempfindlicher gegenüber Störungen zu machen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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