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„Ich hoffe, du stirbst“So groß ist der Corona-Hass auf Virologen und Mediziner

Charité-Virologe Christian Drosten auf einem undatierten Foto: Immer häufiger werden Corona-Experten Opfer von Hassattacken.

Charité-Virologe Christian Drosten auf einem undatierten Archiv-Foto: Immer häufiger werden Corona-Experten Opfer von Hassattacken.

Einschätzungen von Experten sind in der Corona-Pandemie gefragt. Für einige von ihnen hat das allerdings sehr ernste Folgen. Virologen und Ärzte werden teilweise bedroht.

Berlin. Christian Drosten, Hendrik Streeck oder Alexander Kekulé – um nur drei bekannte Virologen zu nennen. Sie stehen vor der Kamera, sie kommentieren Studien in der Öffentlichkeit und werden immer häufiger zur Zielscheibe von Anfeindungen.

Eine Umfrage der Fachzeitschrift „Nature“ unter mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus mehreren Ländern wirft nun ein Schlaglicht auf die oft negativen Reaktionen, die ein Teil von ihnen wegen der Präsenz in der Öffentlichkeit erfahren hat. Es geht nicht nur um Hassbotschaften, sondern auch um Morddrohungen und seltener sogar körperliche Angriffe.

Hassbotschaften und Morddrohungen gegen Ärzte und Virologen

Vorweg: Es handelt sich nicht um eine wissenschaftlich begleitete, repräsentative Umfrage. Das Ausmaß des Problems lässt sich damit nicht exakt bemessen. Die Zeitschrift „Nature“ versandte Fragebögen an Experten und arbeitete dabei in mehreren Ländern mit Einrichtungen zusammen, die unter anderem Wissenschaftler-Statements an Medien verschicken (Science Media Centers).

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Es beteiligten sich 321 Experten, die mit Medien über die Pandemie gesprochen hatten. Die meisten von ihnen kamen aus Großbritannien, Deutschland und den USA.

Gut die Hälfte der Befragten gab an, manchmal, in der Regel oder immer nach Medienauftritten Troll-Kommentare oder persönliche Angriffe erlebt zu haben. Die negativen Folgen der medialen Präsenz reichen demnach bis hin zu Morddrohungen in 47 Fällen, sechs Wissenschaftler gaben an, körperlich attackiert worden zu sein. Einzelne berichten auch von aggressiven Mails, gehackten Accounts oder Webseiten und Beschwerden an den Arbeitgeber.

Drohung gegen Corona-Experte: „Ich hoffe, du stirbst“

In einem „Nature“-Artikel mit Fallbeispielen werden Reizthemen deutlich: Der australische Epidemiologe Gideon Meyerowitz-Katz etwa nannte zum einen - erwartbar - Corona-Impfungen. Die meisten Drohungen aber habe er überraschenderweise von Menschen bekommen, die das Anti-Wurmmittel Ivermectin als angebliches Präparat gegen Covid-19 verteidigten. „Leute mailen mir anonym von komischen Accounts 'Ich hoffe, du stirbst' oder 'Wenn du in meiner Nähe wärst, würde ich dich erschießen'“, wird Meyerowitz-Katz zitiert. Auch die Frage des Virusursprungs ist laut Bericht ein heißes Eisen.

In der Fachwelt wird befürchtet, dass Hassbotschaften zu Rückzug und Selbstzensur von Expertinnen und Experten führen und deren Kollegen abschrecken könnten, selbst öffentlich aufzutreten. In der Umfrage gaben besonders häufig von persönlichen Angriffen und Troll-Kommentaren Betroffene auch am ehesten an, dass dies ihre Gesprächsbereitschaft mit Medien enorm beeinflusst habe.

„Corona-Pandemie wirkte wie ein doppeltes Brennglas“

Um ein neues Phänomen handelt es sich laut Kommunikationsexperten zwar nicht. „Die Pandemie wirkte jedoch wie ein doppeltes Brennglas. Alle Dynamiken, die wir in der Forschung bereits beschrieben hatten, traten nun in hoher Konzentration und Blitzgeschwindigkeit zutage“, erklärte Konstanze Marx von der Universität Greifswald. Sie sehe Handlungsbedarf im „generellen Diskursklima“, also auch in Medien und Politik. Gebraucht werde ein Klima der Wissenschaftsfreundlichkeit.

Die „Nature“-Umfrage war zwar anonym, in Deutschland gibt es aber bekannte Betroffene, die massive Anfeindungen bereits vor einiger Zeit selbst öffentlich gemacht haben. Dazu gehört neben dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach etwa der Virologe Christian Drosten. Auch hatten Unbekannte im Oktober 2020 laut Polizei Brandsätze auf ein Gebäude des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin geworfen.

Christian Drosten geht mit Sonnenbrille und Mütze aus dem Haus

Charité-Wissenschaftler Christian Drosten berichtete vor rund einem Jahr bei einem Kongress in Berlin, welche Kehrseiten die Bekanntheit bis in den Alltag hinein hat: Da es ihm „ziemlich unangenehm“ sei, beim Einkaufen angestarrt zu werden, gehe er mit Sonnenbrille und Mütze raus, um nicht erkannt zu werden. Zu seinem Umgang mit Hass sagte Drosten damals: „Alles, was ich da machen kann, ist, das möglichst auszuklammern.“

Ein Trost bleibt, wie die Umfrage zeigt: Nach positiven Erfahrungen nach Medienauftritten gefragt, stimmten 83 Prozent der Aussage zu, sie hätten ihre Botschaft an die Öffentlichkeit bringen können. (mt/dpa)