Ein Fachmann ist alarmiert: Die Gewalt unter jungen Leuten erreicht eine völlig neue Stufe.
Handy als WaffeExperte mit dringendem Appell wegen brutaler Jugendgewalt

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Beat Mörker, Carsten Stahl, Meike Buschening-Kaffenberger & Klopapier
Eine widerliche Attacke auf eine Zwölfjährige in Leipzig, die gefilmt und online gestellt wurde, sorgt für Entsetzen. Für den bekannten Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl ist dieser Vorfall jedoch keine Ausnahme, sondern trauriger Alltag. In einem Gespräch stellt er klar: „Gewalt gab es schon immer, aber was wir in den letzten Jahren, ganz besonders seit 2010 erleben, gab es so noch nie und es wird jedes Jahr immer schlimmer“.
Als Hauptursache benennt er klar Smartphones und soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram oder Snapchat. Seine Botschaft ist eine unmissverständliche Drohung: „Diese Apps, gepaart mit dem Handy, sind eine Waffe. Sie schaffen unkontrollierbare und extrem gefährliche Möglichkeiten.“ Er stellt eine fortschreitende Abstumpfung bei jungen Menschen fest, die ihre Hemmungen verlieren, häufig in zerrütteten Familien leben und denen Respekt und Mitgefühl abhandenkommen. Das Resultat: eine beispiellose Flut an Gewaltexzessen, die für Likes und Views mitgefilmt werden. Das berichtet „FOCUS online“.
„Sie wissen, dass nichts passiert“
Der Wunsch nach Geltung sei der Hauptantrieb, weshalb viele junge Leute ihre Gewalttaten filmen, erläutert Stahl. „Viele Jugendliche möchten jemand sein und teilweise auf egal welche Art und Weise.“ Ein besonders erschütternder Punkt: „Sie wissen mittlerweile, dass sie unter 14 Jahren Morde begehen können und nichts passiert.“ Laut dem Experten hat die Corona-Krise die Situation zusätzlich angeheizt, weil die Kids „nonstop in den Handys“ hingen und dadurch noch mehr enthemmt wurden.
Klartext redet Stahl auch in Richtung der großen Tech-Firmen und der Politik. Seine Frage ist bohrend: „Warum kann ungefiltert jeder dort Hass, Mord, Vergewaltigung, Enthauptungsvideos zeigen?“ Er prangert an, dass Social-Media-Riesen wie TikTok und Instagram hierzulande keinen Cent Steuern zahlen, aber im Gegenzug „unsere Jugend wird manipuliert“.
Das können Eltern und Schulen jetzt tun
Reine Verbote sind aus Sicht des Experten keine Lösung. Sein Vorschlag zielt in eine andere Richtung: „Der einzige Schlüssel, um wirklich etwas zu ändern, sind Prävention und Aufklärung.“ Damit müsse man so früh wie möglich anfangen: „Schon in der Grundschule gegen Mobbing , Gewalt, Hass, Rassismus und Antisemitismus.“
An die Eltern richtet er einen eindringlichen Appell: Sie sollten wachsam werden, falls ihre Kinder plötzlich stiller werden, die schulischen Leistungen nachlassen, sie Schlafprobleme haben oder sich selbst Wunden zufügen. Sein ganz konkreter Ratschlag: „Führt ein Mobbing-Tagebuch. Schreibt auf: Wann ist es passiert, wer war beteiligt, wo. Dann habt ihr beim Gespräch mit Lehrern ein Logbuch und seid glaubhafter.“
Ebenso sieht er die Schulen in der Pflicht, entschieden einzuschreiten, sobald Kinder schikaniert werden. „Ich mache keiner Schule einen Vorwurf, dass sie Mobbing hat. Aber sie muss eingreifen und Haltung zeigen.“ Abschließend sendet er eine deutliche Botschaft an die Politik: „Der erste Schritt, ein Problem zu lösen, wäre es zu benennen, zu bekennen und nach Lösungen zu suchen.“ (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

