Dortmunder Hbf Schlafsack sorgt für Spezialeinsatz und Chaos im Bahnverkehr

9-Euro-Ticket sorgt für Chaos Nahverkehr völlig überlastet – Bilanz zeigt unfassbare Zustände

Das 9-Euro-Ticket sorgte über Pfingsten für reichlich Chaos: Es gab Hunderte Störungen, überfüllte Züge mussten geräumt werden, Passagiere abgewiesen. Das Foto zeigt den überfüllten Bahnsteig in Köln am Pfingstmontag (6. Juni).

Das 9-Euro-Ticket sorgte über Pfingsten für reichlich Chaos: Es gab Hunderte Störungen, überfüllte Züge mussten geräumt werden, Passagiere abgewiesen. Das Foto zeigt den überfüllten Bahnsteig in Köln am Pfingstmontag (6. Juni).

Das Pfingstwochenende wurde zu einem ersten Härtetest für das 9-Euro-Ticket. Es gab Hunderte Störungen, überfüllte Züge mussten geräumt werden, Passagiere abgewiesen – ein Personalvertreter der Deutschen Bahn zieht eine kritische Zwischenbilanz. Scharfe Kritik kommt von Fahrgastverband Pro Bahn.

Es war die erste große Bewährungsprobe für die Rabattaktion, Hunderttausende Deutsche haben ihre Rucksäcke gepackt und sind mit der Bahn durch das Land getingelt, für neun Euro – wenn denn der Zug überhaupt gefahren ist. Denn vielerorts war die Bahn überlastet, viele Regionalzüge waren dem massiven Ansturm nicht gewachsen. 

Der Vize-Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats DB Regio, Ralf Damde, zieht jetzt eine erste Zwischenbilanz. 

„Die 9-Euro-Aktion hat erwartungsgemäß einen großen Ansturm auf die Regionalzüge ausgelöst, der bundesweit zu deutlich mehr Fällen von Überlastung geführt hat“, sagte Damde gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). „Zu den befürchten tätlichen Übergriffen gegen das Bahnpersonal kam es nicht, wohl aber zu verbalen.“

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9-Euro-Ticket: Überfüllte Züge mussten geräumt werden

Zwar wurden zahlreiche Fahrzeuge zusätzlich eingesetzt und auch das Personal musste Tausende Überstunden machen, um dem Pfingst-Ansturm Herr zu werden, doch trotzdem habe es Probleme gegeben: Passagiere mussten etwa abgewiesen werden, so Damde. „Überall in Deutschland waren die Bahnsteige und die Züge voll, in mehreren Fällen mussten überfüllte Züge geräumt werden – aber zum Glück keine Bahnhöfe.“

An jedem Tag habe es laut ersten Auswertungen der Problemmeldungen der Zugführer und -führerinnen bundesweit etwa 400 Züge mit zu hoher Auslastung gegeben, sodass Passagiere abgewiesen werden oder Fahrräder draußen bleiben mussten. „Vor allem Fahrräder sind nach wie vor ein großes Problem“, sagte Damde.

9-Euro-Ticket: 700 Störungen pro Tag über Pfingsten

Immerhin: Die Aggressionen seien verbal geblieben, es habe keine körperliche Gewalt gegeben. Der Bahn-Betriebsrat sprach den Fahrgästen ein Lob aus, die Rücksichtnahme und Geduld gezeigt haben.

Insgesamt habe es rund 700 Meldungen pro Tag gegeben – Überlastung, Probleme mit Passagieren, Störungen an die Einsatzzentrale. Viele Fahrgäste fühlten sich zudem auf den Bahnhöfen nicht zurecht, brauchten laut Damde mehr Hilfestellung als sonst. Der zusätzliche Einsatz von Fahrzeugen habe außerdem zu Tausenden Überstunden für das Bahn-Personal geführt, allein über Pfingsten. 

9-Euro-Ticket: „Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht“

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht sich nach dem ersten Härtetest für das 9-Euro-Ticket am Pfingstwochenende in seiner Kritik bestätigt. „In den Hauptreisezeiten war die Nachfrage auf den Hauptstrecken so stark, dass Züge nicht abfahren konnten. Und einige Bahngesellschaften – etwa die Metronom in Norddeutschland – haben die Fahrradbeförderung ausgeschlossen, weil sie dem Ansturm nicht Herr wurden“, sagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Das Chaos sei vorhersehbar gewesen und Folge eines politischen Angebots, ohne dafür über die nötigen Kapazitäten im Bahnverkehr zu verfügen. Naumann: „Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht.“ Er erwarte für die kommenden Sommermonate weitere Probleme und riet Bahnreisenden, möglichst nicht am Wochenende zu fahren. „Muss es unbedingt Sylt sein, Warnemünde oder der Tegernsee – oder gibt es nicht auch andere schöne Gegenden, wo die Nachfrage geringer ist?“ (mg)

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