„Bildung muss cool sein“ Mathe-Klickstar fordert Modernisierung des Schulsystems

DJ1

Sieht nicht gerade wie ein Mathe-Nerd aus: Daniel Jung ist begeisterter Bodybuilder und Tennisspieler.  

Remscheid – Wer an die Mathelehrer in seiner Schulzeit denkt, stößt garantiert auf Nerds mit Nickelbrille und Birkenstocks. Der Stoff, den sie herunterbeteten, war so trocken wie ihre Stullen im Ranzen.

Doch es geht auch anders: „Let’s Rock Education“, lautet das Motto von Daniel Jung (37), der auf Mathe und Muckibude steht. Der Remscheider ist mit seiner Mathe-Nachhilfe auf Youtube zum Klickwunder geworden.

Daniel Jung gibt Mathe-Nachhilfe auf YouTube

Er hat eine halbe Million Abonnenten auf dem Kanal, kann über 200 Millionen Views verbuchen, sitzt in der Jury der Google Impact Challenge, ist Mitbegründer von StudyHelp, gefragter Speaker...

Alles zum Thema Youtube
  • „Ab und zu ein Porno dazwischen“ Ministerpräsident Kretschmann verrät private KI-Probleme auf Youtube
  • Bibi und Julian YouTuber-Paar getrennt: Jetzt äußert sich Dagi Bee zum plötzlichen Liebes-Aus
  • Liebes-Aus bei Bibi und Julian Ihre Trennung lässt jetzt eine ganze Generation verzweifeln
  • Durch Zufall viral Wie dieser Mann zum Internetphänomen wurde
  • Fynn Kliemann Stellungnahme nach Böhmermann-Vorwürfen, Preis wird ihm aberkannt
  • „Erzählen genau das, was uns passiert ist“ Rapper SAFO spricht über Köln-Porz, Rassismus und „Hype“
  • LOTTOriginals WestLotto sucht Gewinnergeschichten
  • Nach heißer Affäre mit Sky Bri Jake Paul und Julia Rose zeigen sich wieder leidenschaftlich küssend
  • Ex-„Bachelor“-Kandidatin Jana-Maria bringt sich selbst in Stellung: „Ich bewerbe mich da einfach“
  • Schock-Geständnis Sophia Thiel: „Ich habe mir viel Gewalt angetan“

Ein Mathe-Rockstar, der mittlerweile viele Euros auf seinem Konto addieren kann. Nicht schlecht für einen Studienabbrecher, der einfach nur früh die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Jung erklärt Bruchrechnung, Differenzialgleichungen und Co.

„Erinnern Sie sich noch an Telekolleg am Sonntagmorgen“, schmunzelt er im Gespräch mit uns. Damals habe er bereits gedacht: Lernen mit Bewegtbild könnte ein großes Ding werden. Der Hobby-Nachhilfelehrer fackelte nicht lange.

Daniel Jung Cover

Am 19. März präsentiert er sein Buch in der Stadtbibliothek Köln, 19.30 Uhr. 

Anfangs musste sein Zimmer in Remscheid als Studio herhalten. Jung stapelte Wasserkästen aufeinander, stellte ein Whiteboard darauf und erklärte in kurzen Sequenzen alles, woran seine analogen Nachhilfeschüler sich die Zähne ausbissen.

Klassische Probleme beim Bruchrechnen, bei Differenzialgleichungen. Eigentlich ganz ohne Showeffekt. Aber das Ding schoss durch die Decke.

Nachhilfeinstitut war sauer auf Daniel Jung

Als er 500 Tutorials hochgeladen hatte, klopfte ein klassisches Nachhilfeinstitut bei ihm an und bot ihm den goldenen Handschlag: „Lösch’ alle deine Clips im Netz, arbeite bei unserer Online-Plattform mit – und es soll dein Schaden nicht sein.“ Jung lehnte ab.

Er tüftelte weiter an seinem Konzept, brachte immer mehr Videos heraus, ordnete sie sorgfältig in Playlists. So, wie die Kids es mit ihren Songs machen. Und die Resonanz gibt ihm recht: In 96 Prozent der Videos zeigt der Daumen nach oben.

Im Laufe der Jahre beschäftigte der Pädagoge sich dann auch immer mehr mit der Hirnforschung und kam zu dem Schluss: „Schule muss sich völlig neu erfinden.“

Jungs Kritik an der Schule:

Es fängt bei der Architektur an: „Glauben Sie, wenn Sie in einem abgewrackten Container sitzen, dass Sie dann besonders motiviert zum Lernen wären? Hier muss viel mehr in die Gebäude investiert werden, in lichtdurchflutete Räume, in denen das Lernen Spaß macht.“

„45 Minuten oder gar anderthalb Stunden Druckbetankung mit einem Thema funktionieren einfach nicht, überfordern die Aufmerksamkeitsspanne.“ Interdisziplinäres Lernen sei viel sinnvoller.

„Der Klassenverbund ist ein altes Relikt aus der Industrialisierung, aber längst nicht mehr zeitgemäß.“ Projektarbeit in Kleinstgruppen unterschiedlichen Alters sei viel effektiver als mit ein und denselben Schülern bis zur 13. Klasse ständig zusammenzuhocken.

„Wir brauchen neue didaktische Konzepte, um aus analogen Klassenzimmern digitale Lernorte zu machen“ , erläutert Daniel Jung. Aber da reiche es bei Weitem nicht aus, die Schulen einfach nur mit Tablets, Whiteboards und schnellerem Internet auszurüsten. „Steckt weniger Geld in Tablets, die Schüler haben doch alle ein Smartphone. Lieber in die Aus- und Weiterbildung der Lehrer investieren.“

In seinen Online-Kursen macht er Lernende zu Helfern. Reize werden gesetzt, indem Zertifikate ausgestellt werden. Die sind nicht nur toll zur Steigerung des eigenen Egos, sondern machen sich erfahrungsgemäß auch bei Bewerbungen gut. Jung: „Warum sollte das im schulischen Bereich nicht funktionieren?“

Und natürlich sollte Medientraining – auch, um auf die Gefahren im Netz hinzuweisen – Schulfach werden.
Jungs Fazit: „Bildung muss cool und geil sein. Und wir brauchen vor allem Lehrer, die mitmachen wollen und wissen, dass in der digitalisierten Welt Soft Skills wie emotionale Intelligenz, Kommunikationsvermögen und Empathie unverzichtbar sind.“ 

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.